24.08.2019

Nach 60 Jahren: Sasel bricht den „Meiendorf-Fluch“ - Kepceoglu erlebt eigenen „Fluch“

„Parkwegler“ thronen weiter an der Spitze - Schock um Meiendorf-Akteur

Der starke Marc-Oliver Timm (li.) im Duell mit Mert Kepceoglu, der sich in Minute 66 schwer am Knie verletzte. Gute Besserung! Foto: KBS-Picture.de

Der Bann ist gebrochen! Nach 60 Jahren, in denen es an der Meiendorfer Straße allerdings auch nur zu acht Aufeinandertreffen beider Teams kam, hat der TSV Sasel mal wieder beim Meiendorfer SV gewonnen (alle Highlights im LIVE-Ticker). Dennoch wiegelte Danny Zankl nach dem fünften Sieg im fünften Spiel auf Nachfrage ab: „Eine besondere Bedeutung hat der Sieg nicht. Für uns ist gerade wirklich jedes Spiel besonders, weil wir richtig hart arbeiten und es im Training extrem viel Spaß bringt.“ So sehr sich das Ergebnis vom letztjährigen Duell an der B75 unterschied (2:2), so groß war die Duplizität der Ereignisse in einem anderen und vor allem traurigen Aspekt…

Tolga Tüter (li.) scheitert mit der großen Führungschance am glänzend reagierenden Todd Tuffour. Foto: KBS-Picture.de

Es lief die 66. Spielminute, als Mert Kepceoglu ohne Fremdeinwirkung im Rasen hängenblieb, sich dabei das Knie verdrehte und schreiend zu Boden sackte. Minutenlang musste der „Sechser“ des MSV behandelt werden, ehe er von zwei Mann gestützt vom Platz gehievt und in den Schlusszügen des Spiels auf einer Trage ins Krankenhaus abtransportiert wurde. „Gleicher Platz, gleicher Ort, gleicher Gegner“, kamen auch bei Danny Zankl sofort Erinnerungen ans Vorjahr hoch. „Ich hoffe...“, wollte er seinen Gedanken gar nicht weiterführen, sondern wünschte Kepceoglu im Namen des TSV Sasel nur „gute Besserung und dass er das schnell wegsteckt“. Zur Erinnerung: Am 15. September 2018 unterlief dem 22-Jährigen dasselbe Missgeschick. Kepceoglu zog sich einen Kreuzbandriss zu und fiel lange aus. Damaliger Gegner: Der TSV Sasel. „Das Ergebnis ist für mich zweitrangig“, war Baris Saglam nach Schlusspfiff mit seinen Gedanken bei seinem gerade erst genesenen und zum zweiten Mal in der Startelf stehenden Mittelfeldstrategen. „Mich interessiert nur die Gesundheit des Spielers“, fügte Saglam an – und sprach von einem „Dejavu“. Bis auf die Tatsache, „dass ich heute keinen Michi Sara auf der Bank sitzen hatte“. Jener Sara war es nämlich, der im Vorjahr nach 28 Minuten für Kepceoglu kam und mit zwei Toren maßgeblichen Anteil am 2:2-Endstand hatte.

Nach Kepceoglu-Verletzung: „Ein Scheiß-Spiel“

Stefan Winkel (li.) markiert - an Sean Vinberg vorbei - das 2:0 für die „Parkwegler“... Foto: KBS-Picture.de

Beiden Mannschaften merkte man den Schock über das verletzungsbedingte Aus von Kepceoglu in der Folge deutlich an. Denn: „Danach war es, auch der Verletzung von Mert geschuldet, ein ‚Scheiß-Spiel’. Meiendorf hat Mentalität gezeigt, wir haben ein bisschen runtergefahren“, befand Zankl, dessen Equipe sich das aber auch leisten konnte. Zwar habe man „am Anfang ein, zwei lange Bälle schlecht verteidigt“, wodurch Meiendorf zu guten Chancen kam, aber „irgendwann haben wir das Spiel in die Hand genommen, es kontrolliert und so gespielt, wie wir es wollten – mit viel Ballbesitz, guten und geduldigen Verlagerungen. Wenn die Lücke da war, sind wir durchgegangen, haben Tempo aufgenommen und kamen zu vernünftigen Abschlüssen.“ Und auch zum ersten Ertrag: Kurz vor der Pause war es Stefan Winkel, der nach einem Einwurf kurz aufzog, abstoppte, wieder Fahrt aufnahm und mustergültig auf den komplett alleingelassenen Jean-Lucas Gerken flankte. Dieser scheiterte zwar noch an Briant Alberti, doch Daniel Lichy verwertete den Abpraller (41.). „Zu Beginn waren wir wach und fokussiert, auch bei den zweiten Bällen. In diesem Moment verschlafen wir die Situation – schon zuvor beim Einwurf“, haderte Saglam – und kritisierte: „Der eine oder andere Spieler, der normalerweise abruft, hat heute nicht die Präsenz gehabt.“

„Die Tore fallen zu überragend wichtigen Zeitpunkten“

... und läuft anschließend dem zurzeit verletzten Nico Zankl (li.) in die Arme. Foto: KBS-Picture.de

Damit meinte der Meiendorf-Coach unter anderem auch Martin Fedai, der vor dem 0:2 den Ball leichtfertig vertändelte. Der starke Marc-Oliver Timm, Lichy und Winkel nutzten das im postwendenden Gegenzug und bauten die Führung der „Parkwegler“ im Derby aus (57.). „Wir wissen, dass es für Meiendorf ein richtiges Derby ist. Das hat man schon in der Vorbereitung gesehen. Man kennt sich untereinander und es ist immer ein bisschen Brisanz dabei“, so Zankl, der wenige später den dritten Treffer seiner Elf bejubeln durfte. Erneut hatte Winkel mit seiner Freistoß-Hereingabe einen wesentlichen Anteil daran, dass Timm die Kugel aus 13 Metern punktgenau in den linken Giebel jagen konnte (63.)! „Die Tore sind alle zu überragend wichtigen Zeitpunkten gefallen“, strahlte der Sasel-Dompteur, der nach der Verletzung von Kepceoglu, dem wir natürlich ebenfalls die allerbesten Genesungswünsche zukommen lassen, auch nichts mehr groß zu befürchten hatte. Nicht nur, weil sein Team klar führte und folglich in Überzahl agierte, da Meiendorf sein Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte, sondern auch, weil bei den Mannen von der B75 „Sara und Blum nicht dabei“ waren, wie er mit einem Augenzwinkern in Anlehnung an die letzten Partien beider Teams anmerkte.

„Es bringt zurzeit richtig Spaß!“

Der Schock des Spiels: Ohne Fremdeinwirkung verletzt sich Mert Kepceoglu vermutlich wieder schwer am Knie. Foto: KBS-Picture.de

Dennoch: „Gegen elf Mann hatten wir viel Ballbesitz, gegen zehn Mann haben wir es schlechter gespielt. Die letzten Minuten waren nicht schön. Aber ich brauche gar nicht viel Negatives sagen. Wir haben uns vor dem Spiel gesagt, dass wir hierherkommen und unbedingt drei Punkte holen wollen. Das haben wir die letzten Jahre nicht geschafft. Obwohl wir sogar ganz ordentliche Spiele gemacht haben. Jetzt haben wir auswärts 3:0 gewonnen – um mehr ging es vor dem Spiel nicht. So wollten wir auftreten und uns nicht kleinmachen lassen. Wir haben dagegengehalten, einen Auswärtsdreier geholt und zu Null gespielt“, zeigte er sich vollkommen zufrieden. „Es bringt zurzeit richtig Laune, mit den Jungs zu arbeiten. Die, die auf der Bank sitzen, stecken das überragend weg. Und dann gibt‘s noch zwei, drei Leute, die ganz wenig gespielt haben, aber super stark trainieren und gerade geduldig sind. Ich weiß nicht, wie lange die Konstanz bei den Jungs im Training so bleibt, aber es bringt zurzeit richtig Spaß und macht mich froh, wie die Spieler – vor allem die jungen – das machen.“

„Können wir aus dem Maximum schöpfen, sieht man eine ganz andere Mentalität“

Auf der Trage musste Kepceoglu ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: KBS-Picture.de

Währenddessen beklagte Saglam: „Wir hatten viele Aktionen, wo wir den richtigen Zeitpunkt verpasst haben. Wir standen so gut in den Räumen und hatten ein so gutes Positionsspiel, aber wenn der Ball nicht ankommt und die Folgeaktion nicht stattfindet, sind die Meter, die man vorher gemacht hat, für die Katz. Man hat auf der anderen Seite gesehen, was es heißt, geduldig zu spielen“, war der MSV-Trainer der Meinung, dass „die Tabellensituation unterbewusst eine Rolle spielt und man es dann schnell krampfhaft versucht“. Hinzu kommt: „Wir können jedes verdammte Wochenende keine Mannschaft auf die Beine stellen, die mal einen Rhythmus finden kann. Immer wieder kommen neue Verletzungen, Urlaube oder Arbeitsschichten dazu. Die Gegebenheiten sind aktuell sehr suboptimal für uns.“ Nichtsdestotrotz, so betont Saglam, sei er „der felsenfesten Überzeugung: Kommen wir in den Luxus, dass wir aus dem Maximum schöpfen können, wird eine ganz andere Mentalität auf dem Platz zu sehen sein! Da kann mir jeder sagen, was er will.“

Autor: Dennis Kormanjos

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