18.08.2019

Selbst Ivanko muss sich „zurückhalten, um nicht zu klatschen“

Sasel bleibt ohne Verlustpunkt und schießt Rugenbergen ab

Jean-Lucas Gerken in Jubelpose nach seinem herrlich herausgespielten Führungstreffer. Foto: KBS-Picture.de

Andelko Ivanko ahnte bereits vor dem Anpfiff, was seinem Team blühen könnte: „Wir haben uns nicht von vornherein ergeben, aber uns war schon klar, dass es nach den Ausfällen, die wie verkraften mussten, schwer wird. Denn das sind genau die Spieler, die enorm wichtig sind für diese junge Mannschaft“, erklärte der Trainer des SV Rugenbergen, der im Gastspiel beim einzig verbliebenen verlustpunktfreien Oberligisten aus Sasel (alle Highlights im LIVE-Ticker) einige Akteure ersetzen musste – darunter auch den urlaubenden Sven Worthmann, der noch in der Vorwoche beim knappen 3:2-Sieg gegen Bramfeld „das Spiel seines Lebens“ machte, wie Ivanko befand.

Luis Take (hi.) - hier im Duell mit Felix Dieterich - war einer der stärksten Saseler. Foto: KBS-Picture.de

Doch auch der TSV Sasel kann – trotz der augenblicklichen Erfolgsserie – längst noch nicht aus dem Vollen schöpfen. Umso beeindruckter war Ivanko auf der anschließenden PK, wo er ein wahres Loblied auf die „Parkwegler“ sang: „Bei uns fehlt es noch an Mentalität. Ich hoffe, dass sich die Jungs etwas von Sasel abgeguckt, gelernt und gesehen haben, was es heißt, wenn man aktiv als Mannschaft spielt. Manchmal musst du dich als gegnerischer Trainer zurückhalten, um nicht zu klatschen und zu gratulieren. Das ist wirklich so, weil mich das einfach auch begeistert hat. Denn das ist Mentalität – und sowas liebe ich. Ich weiß, dass wir noch relativ weit davon entfernt sind, so etwas hinzubekommen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Jungs zumindest ein bisschen was gelernt und gesehen haben“, so der Coach der Bönningstedter, für dessen warmen Worte sich Danny Zankl hinterher bedankte. Denn: „Ich bin sehr froh darüber, dass wir der Mentalitäts- und Charakterfrage den richtigen Fingerzeig gegeben haben. Genau das habe ich vor dem Spiel eingefordert, dass vor allem die Courage stimmen muss. Die haben die Jungs an den Tag gelegt und deshalb kann ich nur damit zufrieden sein, wie wir heute aufgetreten sind“, so der Sasel-Dompteur.

„Das ist schon stark, wie wir die Tore rausspielen“

Ausgestanzt, Maß genommen - eingeschweißt: „Jonny“ Gerken (2. v. li.) mit seinem satten Abschluss zum 1:0. Foto: KBS-Picture.de

Auch wenn am Ende der vierte Sieg im vierten Spiel und ein vom Ergebnis her klares und deutliches 5:0 zu Buche stand, war noch nicht alles Gold was glänzt beim Oberliga-Primus: „Ich habe meinen Jungs vorgeworfen, dass wir es noch nicht schaffen, unser Spiel über 90 Minuten runterzuspielen. Wir haben immer Phasen, die wir hergeben.“ Und weiter: „Wir haben es die letzten Wochen nicht geschafft, unserem Torwart ein Zu-Null-Spiel zu geben, weil wir fahrlässig geworden sind. Auch heute waren es ein, zwei Ballverluste zu viel.“ Doch das kann getrost unter der Rubrik „Meckern auf ganz hohem Niveau“ abgetan werden. Denn der TSV sorgte über weite Strecken einmal mehr – und das nicht nur bei Ivanko – für Begeisterung. Auch Zankl konstatierte: „Wo wir jetzt schon fußballerisch eine richtig gute Qualität haben: Wie wir die Angriffe vortragen. Das ist schon stark – auch wie wir die Tore in der ersten Halbzeit rausspielen. An den Abläufen arbeiten wir auch im Training.“ Beim Führungstreffer spielten Jean-Lucas Gerken und Timo Adomat, der in den Lauf klatschen ließ, einen herrlichen Doppelpass. Erstgenannter ließ Jan Schrage stehen, zog nach innen und vollstreckte trocken (14.). Vor dem 2:0 war es Tolga Celikten, der einen super Diagonalball aus der Luft pflückte und von Jan-Niclas Galke nur durch ein Foulspiel zu bremsen war. Den fälligen Strafstoß verwandelte Stefan Winkel ganz abgeklärt (37.).

Take top, Steddin super - Zankl fühlt mit Hartmann nach Slapstick-Eigentor

Auch Youngster Marc-Oliver Timm (re.) wusste in der Mittelfeld-Zentrale einmal mehr zu überzeugen. Foto: KBS-Picture.de

Die Bönningstedter spielten anfangs jedoch mit und hatten mit Felix Dieterich einen Akteur in den Reihen, der die Hausherren immer wieder vor Probleme stellte. „Wir haben immer einen Innenverteidiger dafür geopfert, Felix über die Mittellinie zu verteidigen, weil wir ihn nicht gut im Griff hatten“, gestand auch Zankl, der seinen beiden Abwehrrecken Luis Take und Tobias Steddin „ein Monsterspiel“ attestierte – und auch das „Matchglück“ bemühte. Denn zu Beginn des zweiten Abschnitts, als sein Team „noch nicht so richtig drin war“ und Rugenbergen weiter hoch stand, hätte die Partie mit einem Torerfolg der Gäste, „auch wenn sie keine Torchance hatten“, eventuell nochmal eine andere Wendung nehmen können. Doch dann unterlief Patrick Hartmann nach einem harmlosen Rückpass von Kevin Beese ein folgenschwerer Lapsus. Der Torsteher wollte das Leder mit der Sohle stoppen, was jedoch misslang. Das Spielgerät hoppelte unter seinen Füßen hindurch zum 0:3 aus SVR-Sicht in die Maschen (58.). „Das tut mir leid für Paddy“, fühlte auch Zankl mit dem Schlussmann, der sich in der Folge bei jedem Rückpass von den Zuschauern ein lautes Raunen anhören musste. Am 23-jährigem Ex-Altonaer lag es aber keinesfalls, dass die Gäste am Ende deutlich den Kürzeren zogen. Im Gegenteil. Hartmann vereitelte noch diverse Eins-gegen-Eins-Situationen und Großchancen der Hausherren in bravouröser Manier.

„Spiel den Ball einfach und nicht so ein Gedöns - wir liegen 0:5 hinten!“

Felix Dieterich (re.) war nur schwer vom Ball zu trennen - hier von TSV-Kapitän Timo Adomat. Foto: KBS-Picture.de

Dennoch war die Begegnung nun endgültig entschieden, Sasel griff tief in die Trickkiste und erzielte noch „zwei weitere super-schöne Tore“, schwärmte auch Zankl. Erst schlenzte Andranik Ghubasaryan einen 19-Meter-Freistoß ins rechte Toreck (63.), ehe Celikten nach traumhafter Stafette über Daniel Lichy und Adomat das 5:0 markierte (70.). Es kam ganz dick für die Gäste. Als Edouard Mesenholl neun Zeigerumdrehungen vor Ultimo zu einem Kabinettstückchen ansetzte und den Ball mit der Hacke an Celikten vorbeilegen wollte, was der Saseler zu verhindern wusste, entfuhr es Galke in Richtung seines Mitspielers: „Spiel den Ball einfach und nicht so ein Gedöns. Wir liegen 0:5 hinten!“ Schlussendlich blieb es aber dabei, was Zankl nicht wirklich erfreute: „Wir müssen das besser zu Ende spielen – und da geht es auch überhaupt nicht um die Höhe des Ergebnisses, sondern um die Kontrolle und wie wir das lösen“, ehe er abschließend präzisierte: „Wir haben zwei Stürmer eingewechselt, die in den letzten zwei Wochen super hart trainiert, aber nicht von Anfang an gespielt haben – und wir spielen es inkonsequent zu Ende. Das geht im Mannschaftssport nicht. Die Jungs kommen rein, wollen ihre Trainingsleistung auf den Platz bringen und mal eine Torchance haben – da können die anderen nicht zwei Prozent weniger machen.“ Doch das war im Endeffekt tatsächlich nur Meckern auf hohem Niveau…

Autor: Dennis Kormanjos

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