18.08.2019

„Maxym“aler Netzb(r)and(t): Ein Eigentor und sechs Ohrfeigen für Paloma!

Cordi rupft die „Tauben“ - Pieper angetan, Harms muss „erstmal schlucken“

Nicht nur in dieser Szene entwischte Cordi-Angreifer Michel Netzbandt (li.), der doppelt traf, dem indisponierten Kevin Lohrke. Foto: KBS-Picture.de

"Ich glaube, es gibt kaum etwas Unangenehmeres, als um 10:45 Uhr bei Paloma zu spielen", war der Respekt von Concordia-Coach Frank Pieper-von Valtier vor dem Duell mit dem Aufsteiger groß. Dementsprechend intensiv habe man sich auf die Partie vorbereitet und "noch mehr Aufwand betrieben", um die Mannschaft zur frühen Anstoßzeit voll auf Betriebstemperatur zu bekommen. Auch wenn Pieper-von Valtier nach dem Aufeinandertreffen "froh" war, wie er sagte, "dass wir das Spiel jetzt hinter uns haben", scheint der USC in jener Verfassung ein alles andere als unangenehmer Gegner zu sein. "Ein schwerer Moment für uns", musste Paloma-Trainer Steffen Harms auf der anschließenden PK mit betrübter Miene eingestehen. "Da müssen wir heute mal richtig schlucken und durchatmen", fügte er an.

Ohne Gegenwehr darf Bazier Sharifi (re.) das 2:1 für Cordi erzielen. Foto: KBS-Picture.de

Seine "Tauben" hätten "extremes Lehrgeld gezahlt", so Harms, der nach der vierten Niederlage im vierten Spiel (alle Highlights im LIVE-Ticker) - wobei es das Auftaktprogramm der Uhlenhorster auch mehr als in sich hatte - folgende Erkenntnis ziehen musste: "Viele Jungs kommen mit dem Tempo einfach noch nicht zurecht und lassen sich zu Fehlern verleiten." Im ersten Durchgang traf das vor allem auf Linksverteidiger Kevin Lohrke zu, der bei den ersten drei Gegentoren, die allesamt über seine Seite fielen, keine gute Figur abgab. Während Cordi-Captain Pascal El-Nemr beim frühen Führungstreffer von der Grundlinie in der Mitte noch Damian Ilic kongenial in Szene setzte (3.), war es der Torschütze, der bei den Treffern zwei und drei als perfekter Wegbereiter für Bazier Sharifi (20.) und Maxym Marx, der gegen seinen ehemaligen Club unglücklich ins eigene Gehäuse traf (34.), fungierte. Jedes Mal ging es über die rechte Angriffsseite der Gäste. Und als wäre das noch nicht genug, leitete Ilic auch das 4:1 für sein Team kurz vor der Pause mit einem traumhaften Pass auf Umut Kocin in die Wege. Dessen scharfe Hereingabe drückte der eingelaufene Michel Netzbandt ins Netz (44.)! So herrlich und wunderschön das auch gespielt war, so einfach wurde es den "Bekkamplern" von nur zuschauenden und Geleitschutz liefernden Hausherren gemacht.

„Wir haben unser Spiel weiter konsequent durchgezogen“

Auch „Königstransfer“ Umut Kocin (li.) konnte sich mit einem herrlichen Freistoß in die Torschützenliste eintragen. Foto: KBS-Picture.de

Dabei zeigte der Aufsteiger nach dem schnellen Rückstand eine Reaktion und profitierte von einem Ballverlust der Gäste, den Lion Mandelkau mit einem tollen Pass über die Kette zu nutzen wusste. Pascal Haase bedankte sich mit dem 1:1 (6.). Concordia ließ sich davon allerdings in keinster Weise beirren oder beeindrucken. Im Gegenteil. "Die Mannschaft hat nach dem Wieder-Anstoß das gezeigt, woran wir die letzten Wochen gearbeitet haben: An sich glauben, zuversichtlich sein, wissen, dass wir mehr als ein Tor schießen können und uns auch in so einer Situation nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben unser Spiel weiter konsequent durchgezogen", konstatierte ein hochzufriedener Pieper-von Valtier. Während Harms befand: "Nach dem 1:1 haben wir es hingekriegt, das Spiel für 20 Minuten einigermaßen offen zu gestalten. Aber leider Gottes haben wir es dann über die weitere Spielzeit doch vermissen lassen und sind dann immer mehr in Slapstick-Situationen geraten. So ging uns das Spiel völlig flöten. Ein richtig gutes Concordia bestraft uns dann und ist brutal effektiv."

Slapstick-Nummer setzt Paloma-Vorstellung die Krone auf

Der Frust saß tief bei Maxym Marx (li.) nach seinem unglücklichen Eigentor gegen den Ex-Club, wo er sogar lange die Kapitänsbinde trug. Foto: KBS-Picture.de

Während sich bei Pieper-von Valtier die intensive Spiel-Vorbereitung schon beim Treffpunkt bemerkbar machte ("Alle waren griffig, die Spannung war gleich da") und Cordi im ersten Durchgang "unser Spiel durchgedrückt, Paloma früh unter Druck gesetzt und versucht hat, zu Fehlern zu zwingen, um dann zielstrebig und geradlinig Richtung Tor zu spielen", konnte man nach der Pause angesichts der deutlichen Führung sogar einige Gänge zurückschalten. "Dass man da ein bisschen runterfährt, ist menschlich", erläuterte der Übungsleiter der Jenfelder. Dennoch reichte es, um den überforderten Palomaten drei weitere "Eier" ins Nest zu legen. Erst verlor Max Krause nach einer Kocin-Flanke am Fünfmeterraum Netzbandt, der locker einköpfte, aus den Augen (64.). Dann zirkelte Kocin einen 18-Meter-Freistoß mit all seiner technischen Finesse zum halben Dutzend in die Maschen (74.), ehe nach dem Ehrentreffer durch Moritz Niemann (84.) die von Harms bereits angesprochene "Slapstick-Nummer" dem Auftritt der Uhlenhorster die Krone aufsetzte: Keeper Jannis Waldmann und Lohrke kamen sich gegenseitig ins Gehege. Getreu dem Motto: "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher." Der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Eliakim-Mbila Kukanda wusste gar nicht, wie ihm geschah - und bedankte sich artig mit dem 7:2 (89.).

„Es nervt natürlich“

Setzte den Schlusspunkt: Eliakim Kukanda (li.) nutzte die Slapstick-Nummer der Hausherren zum 7:2-Endstand. Foto: KBS-Picture.de

"Die Spieler haben sich für die letzten Trainings- und Spielwochen belohnt", freute sich Pieper-von Valtier - und meinte: "Wir haben es letzte Woche gegen Vicky schon sehr mutig gespielt und wurden belohnt. Das hat nochmal Selbstvertrauen gegeben und uns bestätigt, dass das, was wir machen, auch Früchte trägt." Nach dem Pflichtsieg zum Start gegen Neuling Bramfeld und der Schlappe in Sasel scheint Concordia nun voll angekommen zu sein. "Wir waren auch gegen Sasel schon in der Saison drin - nur nicht so gut wie Sasel", hatte Pieper-von Valtier gut lachen. Ganz im Gegensatz zu Steffen Harms. "Es nervt natürlich, wenn wir in den Besprechungen viel über Situationen sprechen, wo wir uns entwickeln wollen, es dann aber nicht auf den Platz kriegen. Unser großes Problem ist, dass wir es in einigen Phasen ganz gut machen, dann aber immer wieder falsche Entscheidungen treffen und es nicht hinkriegen, unser Spiel über 90 Minuten durchzudrücken. Abschließend blickte er jedoch bescheiden optimistisch voraus: "Ich denke, dass wir uns in der Woche wieder in die Spur kriegen."

Autor: Dennis Kormanjos

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