17.08.2019

Zum 100-Jährigen: Eine „wilde Achterbahnfahrt“ mit „purem Spektakel“!

Schubring schraubt weiter am Torekonto - Godts erst „verbannt“, dann göttlich

Hier jubelte Moritz Kühn (li.) noch frenetisch nach seinem Treffer zum 2:1 - am Ende stand für seinen SVCN in einem wahren Spektakel gegen Osdorf aber „nur“ ein 3:3 zum 100-jährigem Geburtstag zu Buche. Foto: Bode

„Wir hätten dem Verein zum Jubiläum natürlich gerne einen Dreier geschenkt und den Sieg geholt“, sprach Matthias Wulff auf die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des SV Curslack-Neuengamme an, ehe er die Erkenntnis zog: „Das ist uns leider nicht geglückt.“ Nichtsdestotrotz rundete die Liga-Mannschaft den sportlichen Teil des Tages – zuvor spielte unter anderem eine Auswahl mit zahlreichen Vereinslegenden unter der Leitung von SVCN-Trainer-Legende Torsten Henke – mit dem Heimspiel gegen den TuS Osdorf ab. Obwohl am Ende nicht der erhoffte Sieg zu Buche stand, boten beide Teams den 174 Zuschauern am Gramkowweg ein riesengroßes Spektakel. So groß, dass auch Wulff der Meinung war, „dass das Spiel für das, was heute Abend noch auf dem Programm steht, sicherlich dazu einlädt, noch eine Menge zu diskutieren und einen langen Abend hier zu verbringen“.

Vor dem Spiel kündigte Curslack-Manager Oliver Schubert bereits einen Doppelpack von Marco Schubring an - und der Torjäger lieferte mal wieder ab. Foto: Bode

Philipp Obloch holte seine Jungs zum obligatorischen Kreis nach dem Spiel (alle Highlights im LIVE-Ticker) zusammen und forderte von ihnen eine Tugend ein, die sie zuvor auf dem Platz bereits eindrucksvoll an den Tag legten: „Wir rücken ganz eng zusammen“, rief er seinen Spielern zu – und nahm ihnen schnell die anfängliche Enttäuschung: „Es ist so schwer, euch zu schlagen!“ Dabei war die Stimmung beim einen oder anderen Akteur gerade im Keller. Insbesondere bei Jeremy Wachter. Der Torjäger des TuS sah nach Abpfiff von Referee Henry Wagner, dessen Tonfall und -lage in Richtung Spieler und Offizielle arg an der Grenze und oftmals darüber hinaus war, die Rote Karte wegen einer vermeintlichen Beleidigung. Wachter echauffierte sich über eine Szene wenige Augenblicke zuvor, als Robin Schmidt nach einem Foulspiel zu Boden ging und von Wagner mit beherrschender Stimme vehement gefragt – fast schon aufgefordert – wurde: „Willst du eine Behandlung oder nicht?!“ Als Schmidt daraufhin ebenfalls etwas lautstärker ein „Nein“ entgegnete, zeigte ihm der Referee direkt den gelben Karton.

„So wackelig habe ich uns noch nicht erlebt“

Bryan Godts (li.) wird von Joel Weiß (Nr. 21) nach seinem Tor zum 3:3 geherzt. Foto: Bode

Jener Umstand und der Platzverweis für den Goalgetter verhagelte den Gästen ein Stück weit die Stimmung. Doch aus rein sportlicher Sicht gab es keinen Anlass dazu. „Wenn du auswärts 0:1 und 1:3 zurückgelegten hast, dann bist du mit einem Punkt tendenziell natürlich glücklich“, befand TuS-Coach Obloch, der auf Bennet und Torben Krause verzichten musste, die auf der Hochzeit der Schwester von Bennet Krause weilten. Genauso wie Manager Cemil Yavas, ohne den die „Blomkampler“ offenbar nicht gewinnen können. In der letzten Saison holten seine Mannen nur zwei Punkte aus vier Spielen, in denen Yavas nicht anwesend war. Apropos gewinnen: „Wir wollten siegen und haben auch Chancen am Fließband kreiert – zugegebenermaßen aber auch zugelassen“, fügte Obloch derweil an – und gestand: „Wir waren ein bisschen beeindruckt von der Anfangsphase. So wackelig habe ich uns noch nicht erlebt. Kompliment an den Gegner für die Attacke, die man da geritten hat und auch belohnt wurde.“ Der SVCN legte los wie die Feuerwehr und ließ den Gast überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Die Folge: Die Blitz-Führung durch den einmal mehr nicht zu bremsenden Marco Schubring, der nach einem langen Ball einen Stellungsfehler von Felix Schlumbohm nutzte, Tjark Grundmann mit einem Übersteiger aussteigen ließ und einschob (3.).

Eine göttliche Eingebung: Godts erst „verbannt“, dann „bockstark“

Curslack betrieb einen immens hohen Aufwand, lag aber zur Pause „nur“ mit 1:0 in Front. „Kompliment an meine Mannschaft, wie sie aus der Druckphase rausgekommen ist, den Fuß in die Tür bekommen hat und sich gesagt hat: Stopp, jetzt sind wir auch da und wollen Fußball spielen“, so Obloch, der reagierte, umstellte und Bryan Godts in die Partie brachte. Hinterher verriet er: „Ich habe ihn auch viel lieber in der Startelf.“ Aber: „Mannschaftssport bewegt sich ja immer in einem bestimmten Rahmen. Da gibt es gewisse Kriterien, die man erfüllen muss. Diesen Rahmen hatte er jetzt ein-, zweimal verlassen und deshalb haben wir da entsprechend reagiert – wohlwissend, dass uns das in der Startelf tendenziell ein bisschen schwächer macht, weil das aufs Spiel und auch auf den Gegner durchaus gepasst hätte. Trotzdem haben wir das zähneknirschend so entschieden.“ Auch wenn der Neuzugang aus Belgien „defensiv noch ein-, zweimal den Schnittstellenpass besser zukriegen muss“, so Obloch, habe er das „ansonsten bockstark gemacht! Der Junge ist gut – im Zweikampf, er hat Tempo, einen guten Körper.“ Und: Er kann auch Tore erzielen! Erst landete sein abgefälschter Schuss nach einer weiten Trapp-Flanke zum 1:1 im langen Eck (58.), dann sorgte der Verteidiger für das späte 3:3, als er einen Eckball von Mehmet Eren völlig freistehend am Fünfmeterraum in den Winkel schädelte (81.).

„Haben mittlerweile unterschiedliche Waffen an Bord“

Mehmet Eren (li.) - hier im Duell mit Jan Bannasch - bereitete das 3:3 per Ecke vor. Foto: Bode

Zu jenem Zeitpunkt hatten beide Mannschaften bereits längst Betriebstemperatur erreicht und begeisterten die Zuschauer mit „einer wilden Achterbahnfahrt“ und „purem Spektakel“, wie auch Obloch konstatierte. Seine Equipe hätte das Geschehen nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Wachter auf den Kopf stellen können. Stattdessen schlugen die „Deichkicker“ doppelt zu: Praktisch im direkten Gegenzug veredelte Moritz Kühn ein Sahne-Zuspiel von Florian Rogge per Heber zum 2:1, ehe abermals Schubring einen sensationellen Außenristpass von Rogge im Gehäuse unterbrachte. Die Entscheidung? Mitnichten! „Wir haben mittlerweile unterschiedliche Waffen an Bord, große Moral und neben den Standards auch noch ein paar spielerische Elemente, die inzwischen wehtun können. Das gilt für Curslack genauso. Deshalb war es auch so schwer zu verteidigen“, erklärte Obloch, dessen Elf erst durch Wachter, der nach einem Collet-Schuss abstaubte, und dann eben in Person von Bryan Godts das 1:3 wettmachte. In der Folge hatten der eingewechselte Benjamin Bambur auf der einen, und Prince Hüttner auf der anderen Seite den Sieg auf dem Schlappen. Erstgenannter scheiterte an Grundmann und dem linken Pfosten. Letztgenannter nur am Längsgestänge.

„Von beiden Seiten ein absolutes Spektakel - zumindest in der Offensive“

Ärgerte sich aufgrund der Punktverluste und seiner späten Auswechslung: Marco Schubring, der seine Tore sieben und acht markierte. Foto: Bode

„Wir haben uns vorgenommen, in möglichst vielen Spielen ein Spektakel zu bieten – das ist hier wieder passiert“, traf Obloch den Nagel auf den Kopf. Während sich Wulff über die Punktverluste ärgerte: „Klar, wenn man 3:1 führt und nur noch etwas mehr als zehn Minuten zu spielen sind, dann will man den Sieg mit nach Hause nehmen. Wir müssen es leider so hinnehmen. Trotzdem war es auch schon vorher immer so, dass Osdorf gefährlich war. Das ist eine richtig gute Mannschaft mit Tempo und Biss. Da ist eine starke Entwicklung zu sehen. Nicht umsonst sind sie ungeschlagen“, hatte er überaus lobende Worte für den Gegner parat, ehe er abschließend zu Protokoll gab: „Von beiden Seiten ein absolutes Spektakel – zumindest in der Offensive. Defensiv werden wir beide ein bisschen was gesehen haben, was man aufarbeiten kann.“ Den neutralen Beobachter wird’s jedenfalls gefreut haben!

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren

Mehr zum Thema