15.08.2019

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwann gänzlich die Lichter ausgehen“

Eidelstedts Coach Hasan Yaylaoglu im Interview

Eidelstedts Coach Hasan Yaylaoglu weiß, dass der Weg, der vor ihm und der Mannschaft liegt, nicht einfach wird. Foto: Bode

Erst im Mai dieses Jahres stieg der SV Eidelstedt aus der Landesliga Hammonia in die Bezirksliga West ab. Auch dort steht der Club vom Redingskamp zu Beginn der neuen Spielzeit schon wieder unten drin. Genauer gesagt: Das Team von Trainer Hasan Yaylaoglu ist derzeit ohne einen einzigen Punkt Tabellenletzter. Wir haben mit dem Coach über die aktuelle Situation, die Klatschen in der Vorbereitung, die bereits jetzt auffällig hohe Zahl an Gegentoren in der Liga sowie seine Aufgabe und die Zukunft beim SVE gesprochen.

Hasan, nach dem Abstieg steht der SV Eidelstedt auch in der Bezirksliga auf dem letzten Platz. Was ist los bei euch, dass der Start so in die Hose gegangen ist?

Hasan Yaylaoglu: Zunächst einmal muss ich vorausschicken, dass das alles anders geplant war. Als ich damals im vergangenen Winter meinen Trainerposten hier in Eidelstedt angetreten haben, sah die Theorie so aus: Uns war klar, dass wir vielleicht – oder wahrscheinlich – aus der Landesliga Hammonia absteigen würden. Wir hatten daran geglaubt, dass wir nach diesem Abstieg einen Neuaufbau einleiten könnten. Dann ist allerdings unser Hauptsponsor weggefallen und fast alle Spieler haben uns verlassen – bis auf drei Mann. Wobei: Man muss eigentlich von zwei Spielern sprechen, weil der dritte schwerer verletzt war und daher lange ausgefallen ist. Wir haben die Kräfte im Umfeld auf mehre Schultern verteilt und freuen uns, dass uns diese Unterstützer die Stange gehalten haben. Das große Problem war das mit den Spielern. 

Warum?

Die Rückendeckung ist da: MIt Peter Cohrs, dem Fußball-Verantwortlichen beim SVE, verbindet Hasan Yaylaoglu eine langjährige Freundschaft. Foto: Bode

Yaylaoglu: Wir können uns, wie viele andere Vereine auch, nicht einfach Leute für gutes Geld einkaufen. Wir wollen daher jungen Spielern eine Chance geben. Unser Kader besteht aus vielen Akteuren, die zuletzt in der „Zweiten“ oder aber in unserer A-Jugend gespielt haben. 

Schauen wir mal auf die Ergebnisse: 4:7 gegen den SC Sternschanze II zuletzt, 0:6 gegen Rasensport Uetersen. In der Vorbereitung gab es ein 1:9 gegen den ETV, ein 0:8 gegen den TSV Sasel und ein 0:11 gegen den FC Alsterbrüder. Das klingt deutlich nach einem Defensivproblem…

Yaylaoglu: Ja, das kann man ernsthaft so sagen. Die drei Niederlage beim Turnier des SC Victoria II in der Vorbereitung waren Spiele, die nur über eine Halbzeit gingen. Ich muss klar sagen: Wir hatten einfach keine richtige Vorbereitung, weil wir keine Mannschaft hatten, die wir auf die Saison vorbereiten konnten. Insofern ist die Vorbereitung in den Start der Liga eingelaufen. Das macht es nicht einfacher. Es wird eine schwierige Saison. Auch weil wir nur zwei Mal pro Woche trainieren. Da können gewisse Dinge jetzt einfach noch nicht passen. Offensichtlich ist es für uns noch zu früh. Die Grundfitness ist nicht da. Ich weiß auch nicht, wie wir die aufholen sollen.  

Ihr habt bisher nicht reagiert und euch explizit in der Defensive verstärkt. Muss man also davon ausgehen, dass ihr damit auch in der Restsaison Fallobst bleibt?

Yaylaoglu: Das wollen wir mit allen Mitteln verhindern. Ich meine: Sportlich gesehen, ich rede hier nicht von finanziellen Mitteln. Wir müssen mehr Struktur reinbringen – angefangen von mir, über meinen Co-Trainer bis hin für Peter Cohrs, der im Verein für den Fußball verantwortlich ist uns sich mit allem reinwirft, was er hat. Wir versuchen, Leute zu überzeugen, die Lust auf Fußball haben. Das ist nicht einfach. Wir halten an unserem Konzept fest, dass wir auf den Nachwuchs setzen und ihn in die „Erste“ bekommen. So wollen wir den Karren aus dem Dreck ziehen. Es ist klar, dass das länger dauern kann. 

Zuletzt musstest du gegen Sternschanze II am vergangenen Wochenende sogar selbst auf dem Feld ran, obwohl du eigentlich nicht mehr als Spielertrainer tätig sein wolltest. Kann das zu einem Dauerzustand werden?

Yaylaoglu: Nein, das soll es nicht. Das war wirklich nur eine Lösung für das vergangene Wochenende, weil es uns da auf dieser Position an Erfahrung gefehlt hat. Und da habe ich mich dann eben breitschlagen lassen, dass ich nochmal spiele. 

Angesichts der personellen Sorgen ist ein schlechtes Abschneiden doch nahezu vorprogrammiert. Aus welchem Grund tut man sich als Trainer ein solches Himmelfahrtskommando an? Warum macht sowas Spaß?

Trotz der Schwierigkeiten sieht Hasan Yaylaoglu seine Aufgabe am Redingskamp keinesfalls als Himmelfahrtskommando an. Foto: Bode

Yaylaoglu: Die Jungs, die dabei sind und das durchziehen wollen, sind alle hochmotiviert, ihr Möglichstes zu tun, damit es irgendwann auch besser wird. Deswegen macht es mir auch definitiv Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Wir sind alle zuversichtlich, dass sich das entwickelt – nicht für sofort, sondern für die Zukunft. Peter Cohrs und ich sind jetzt sehr lange gute Freunde. Ich vertraue ihm so wie er mir vertraut. Natürlich bekomme ich oft Nachrichten, in denen ich gefragt werde: Warum tust du dir das an? Dennoch würde ich sagen, dass es kein Himmelfahrtskommando ist. Es ist natürlich einfacher, sich hinzustellen und eine fertige Mannschaft zu übernehmen. Sicher hat auch so eine Aufgabe ihre Schwierigkeiten. Aber wenn du etwas aufbauen kannst, dann brauchst du zwar viel Arbeit und Geduld, allerdings gibt dir sowas auch unheimlich viel zurück. Das reizt mich. Ich bin mir sicher, dass wir über kurz oder lang auch erfolgreich sein werden. Ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass irgendwann gänzlich die Lichter ausgehen. 

Wie schätzen der Vorstand und das Management gegenüber dir die Situation des SVE ein? Stichwort Rückendeckung. Stehen sie hinter dir?

Yaylaoglu: Auf jeden Fall! Peter Cohrs als Verantwortlicher für den Fußball ist mit dem Verein im Reinen. Der Club kennt unser Konzept und weiß, dass es länger dauert. Die Unterstützung ist da. Sie wissen, dass wir nicht mit den Großen mitmischen können. Dazu müsste man echt viel Geld in die Hand nehmen. Wer Bock hat, die Herausforderung bei uns trotzdem anzunehmen, der kann sich gerne melden.

Interview: Jan Knötzsch

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