14.08.2019

„Apo“solut abgeräumt: Yilmaz köpft Drochtersen/Assel ins Schlamassel – und AFC zum „Dreier“

Algan-Equipe feiert vor 1486 Zuschauern an der „AJK“ den ersten Sieg der Regionalliga Nord-Saison

Der Mann, der das Match entschied: Andullah Yilmaz (Mitte) jubelt mit Luis Hacker (re.). Foto: KBS-Picture.de

Nein, die Bodenhaftung haben sie bei Altona 93 keinesfalls verloren. Aber in der Euphorie gönnt man sich gern mal einen Spaß. Und genau das tat Andreas Klobedanz nach dem Match des AFC gegen die SV Drochtersen/Assel (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen). Da hatten die Kicker von der Griegstraße vor 1486 Zuschauern gerade den ersten Sieg der laufenden Spielzeit in der Regionalliga Nord eingefahren, nachdem dieses Unterfangen vorher drei Mal schiefgegangen war, als auf der anschließenden Pressekonferenz nach dem Match eine Zuhörerin am Ende nach den langfristigen Zielen von Altona 93 fragte. „Bundesliga“, murmelte AFC-Manager Kolbedanz vorne auf dem Podium und erntete jede Menge Lacher.

Kurzum: Die Stimmung am Mittwochabend auf der altehrwürdigen „AJK“ war gelöst. Kein Wunder angesichts des Erfolgserlebnisses, auf das die Rot-Weiß-Schwarzen in den vergangenen Wochen vergebens gehofft hatten und  womöglich beim ein oder anderen Kritiker in einem Anflug von Pessimismus schon die Frage aufgeworfen hatte: Wie soll das mit dem AFC diesmal in der Regio enden? Wie wollen die nur den Klassenerhalt schaffen? Nun: Den Tag lobt man bekanntlich nicht vor dem Abend – und ein Fußballspiel nicht vor dem Ende. Diesmal standen sie aber wirklich auf dem Altonaer Konto – die drei Punkte die zum Beispiel unlängst der VfB Lübeck dem AFC nach einem eigentlich hervorragenden Spiel der Altonaer mit einem „Last-Minute-Treffer“ noch entrissen hatte. 


Der Held des Spiels trug dabei den Namen Abdullah Yilmaz. Der Abwehrmann, den sie beim AFC der Einfachheit halber nur „Apo“ mit Spitznamen rufen, hatte dafür gesorgt, dass der AFC an diesem Abend quasi „apo“solut abgeräumt hatten. Nach 28 Minuten war „Apo“ per Kopf im Anschluss an eine Kopfballvorlage von Bujar Sejdija zur Stelle und brachte Altona mit 2:1 in Führung. Ein Vorsprung, um den der AFC lange zittern musste, den die Algan-Elf aber über die Ziellinie brachte.

Yilmaz: „Jetzt haben wir uns endlich mal belohnt und die Punkte eingefahren“

Gleich schlägt die Kugel ein: Drochtersens Keeper Fabian Klinkmann (re.) sieht dem Schuss von Altonas Erdogan Pini hinterher. Foto: KBS-Picture.de

Unter anderem auch, weil Yilmaz nach dem Seitenwechsel in der 58. Minute auch hinten noch einmal bewies, was er kann. Mit einer starken Abwehraktion gegen Alexander Neumann verhinderte der 30-Jährige den Ausgleichstreffer der Gäste. Die hatten zuvor zumindest ein Mal eine Altonaer Führung egalisiert. Denn der AFC erwischte zunächst einmal das, was man gemeinhin als den berühmten Start nach Maß betitelt: Nach vier Minuten spielte Drochtersens Nico von der Reith einen katastrophalen Fehlpass, zu dessem Nutznießer ausgerechnet Ex-„Assel“ Erdogan Pini werden sollte. Der Neuzugang, erst in diesem Sommer aus Drochtersen zum AFC gekommen, marschierte mit dem Ball am Fuß einige Meter und versenkte die Kugel dann über den nahezu regungslosen, weil überraschten Gästekeeper Fabian Klinkmann hinweg ins Netz – 1:0 für den AFC. Der Gast glich dann durch Neumann nach 18 Minuten aus, als dieser nach einem schönen Pass von Dario Kovacic aus dem Zentrum völlig blank stand und einnetzte. Yilmaz drehte schließlich das das Blatt und konstatierte nach der Partie: „Wir haben in den ersten drei Spielen auch sehr gut gespielt, aber keine Punkte geholt. Jetzt haben wir uns endlich mal belohnt und die Punkte eingefahren. Das ist wichtig, um Selbstvertrauen für die nächsten Spiele zu gewinnen.“

Algan: „Die Mannschaft hat ganz viel Herz gezeigt, obwohl die Situation schwierig war“

Ausgleichs: Alexander Neumann (Zweiter v. li.) trifft zum 1:1, Altonas leon Mundhenk kann nichts mehr ausrichten. Foto: KBS-Picture.de

Auf der anderen Seite stellte Lars Uder fest, „dass wir uns klar mehr erhofft hatten.“ Es sei aber, so der Gästecoach mit Blick auf das DFB-Pokalspiel von „D/A“ vom vergangenen Wochenende gegen Bundesligist Schalke 04, „schwierig“ gewesen: „Bei uns ist die Spannungskurve nach dem Spiel noch ein bisschen zu hoch, das musst du erstmal aus den Köpfen rausbekommen. Man hat gesehen, dass wir die erste Halbzeit verpennt und individuelle Fehler gemacht haben. Danach kommen wir durch das Tor zurück ins Spiel, versäumen es aber, nachzulegen.“ Nach der Pause habe seine Elf dann „mehr Ballbesitz gehabt“, bilanzierte Uder, musste aber eingestehen: „Aber wir sind nicht zwingender geworden und haben auch Chancen zugelassen.“ Dennoch sei er sich sicher, so der Gästetrainer: „Wenn wir noch ein Tor machen, dann sieht das Spiel anders aus. Letzten Endes ist der Sieg für Altona verdient, die haben ein tolles Spiel abgeliefert. Nach den knappen letzten Spielen war es eine Frage der Zeit, wann ihnen die drei Punkte zufallen. Schade, dass das ausgerechnet gegen uns der Fall ist.“

Berkan Algan fiel derweil nicht nur ein Stein vom Herzen. Nein, vielmehr ein ganz großer Brocken. „Wir mussten in jeder Reihe einen neuen Spieler einbauen. Das war nicht so leicht. Gerade jetzt, wo wir drei Mal unglücklich verloren haben. Da kommen in den letzten fünf Minuten schon Gefühle hoch, wenn die Ecken und Standards durch die Gegend fliegen. Da kann auch mal einer reinflutschen – das ist zum Glück nicht passiert“, atmete Altonas Übungsleiter durch und ergänzte: „Wir haben uns dagegengestemmt. Es war ein Stück weit Glück in dieser Phase. Gegen Lübeck muss der letzte Gegentreffer nicht rein, gegen Hannover soll unser Ball rein, aber er springt weg. Fußball ist ein Stück Emotion. Mit ganz viel Herz – und das hat die Mannschaft diesmal gezeigt, obwohl die Situation mit einer neu formierten Dreierkette schwierig war. Marcel Lück kam zudem aus einer Verletzung, William Wachowski musste wieder hinten rein, Erdogan Pini hat das erste Mal wieder von Beginn an in der Regionalliga gespielt. Man hat gemerkt, dass das schwer war, aber die Jungs wollten. Ich bin froh. Und unserem sympathischen Gast dankbar dafür, dass sie uns mit drei Punkten hier zurücklassen.“

Jan Knötzsch 

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