Oberliga

„Teutonen-Trauma“ beim TuS-Triumph: „Die Treffer, die wir fressen, sind eklig“

Dassendorf siegt vor 433 Zuschauern mit 3:1 und schießt sich aus der (Ergebnis-)Krise

04. August 2019, 23:24 Uhr

Voller Einsatz – am Ende aber umsonst: Dino Fazlic (re.) und Teutonia unterlagen Pascal Nägele und der TuS Dassendorf. Foto: KBS-Picture.de

Da stand er also nun an der Seitenlinie. Irgendwann in der zweiten Halbzeit des Spiels zwischen der TuS Dassendorf und dem FC Teutonia 05 (Hier gibt's die Partie zum Nachlesen im Live-Ticker) vor 433 Zuschauern am Wendelweg. Sören Titze hatte die Hände in diesem Moment auf dem Rücken verschränkt und war in den letzten Minuten doch erstaunlich still geworden. Irgendwie sah es so aus, als wusste der Coach der Teutonen: Heute ist einfach nicht mehr drin. Vielleicht, weil die fitten Alternativen von der Bank fehlten. Vielleicht, weil die TuS Dassendorf diesen einen Tick zielstrebiger gewesen war und Teutonia Pech gehabt hatte. Aufgegeben aber hatten sich die Gäste keineswegs. Und doch standen sie beim 1:3 zum Schlusspfiff mit leeren Händen da.

Schon wieder, ist man fast geneigt zu sagen. Schließlich hatte der selbsternannte Titelfavorit schon am ersten Spieltag bei der 1:2-Niederlage gegen den TuS Osdorf nicht die Ausbeute eingefahren, die man sich an der Kreuzkirche erhofft hatte. „Wir sind enttäuscht – das ist logisch“, sagte Titze nach dem Spiel und fügte hinzu: „Das war durchgehend keine gute Woche für uns.“ Was er meinte, lag auf der Hand: Georgios Cholevas saß angeschlagen auf der Bank und wurde musste dennoch später eingewechselt. Davidson Eden laboriert an einer Schulterverletzung, sollte eigentlich nicht auflaufen, musste dann aber trotzdem in der zweiten Hälfte rein. Aytac Erman musste nach 65 Minuten raus, weil die Kräfte nicht reichten. Felix Vobejda fehlte mit einem Muskelfaserriss, Pascal Eggert fehlt seit zwei Monaten verletzt. Kurzum: Für „T05“ kommt derzeit alles zusammen. Der sportlich Misserfolg und die Personalmisere geben sich quasi die Hand. Trotzdem: „In der ersten Halbzeit war es für alle neutralen Zuschauer ein richtig gutes Spiel. Es war alles dabei, es ging hin und her und es gab Chancen auf beiden Seiten“, so Titze.  Eine davon nutzte jedes Team: „Dasse“ die zur frühen frühen Führung nach zwei Minuten durch Sven Möller, Teutonia die durch einen Elfmeter von Aytac Erman nach acht Zeigerumdrehungen zum Ausgleich.

Richter: „Wir waren in den 90 Minuten trotzdem immer wieder anfällig“

Dassendorfs Mattia Maggio (li.) bezwang Teutonia-Torwart Yannick Zummack zum 2:1. Foto: KBS-Picture.de

„Es war ein gerechtes 1:1 zur Halbzeit. Ich habe meiner Mannschaft in der Kabine gesagt: Wer besser rauskommt und das 2:1 macht, der hat gute Karten das Spiel zu gewinnen, weil das Team, das hinten liegt, was tun muss – schließlich hatten beide Mannschaften keinen Saisonstart hingelegt, wie man sich ihn vorgestellt hatte.“ Raus kam Teutonia zwar gut, aber Nick Gutmann übersah kurz nach dem Seitenwechsel Erman – und die Chance zum 2:1 für die Gäste war dahin. „Wenn wir da das Tor machen, garantiere ich dafür, dass das Spiel anders ausgeht“, stellte Dino Fazlic nach dem Schlusspfiff fest und Dassendorfs Coach Jean-Pierre Richter hatte das Glück erkannt, dass der Gastgeber in diesem Moment gehabt hatte: „Nach der Chance für Teutonia sind wir selbstbewusster geworden, haben Räume gefunden, hinten gut verteidigt.“ Und vorne noch zwei Mal getroffen: Erst durch Mattia Maggio zum 2:1 (49.) und dann durch Sven Möllers direkt verwandelten Freistoß nach 65 Minuten. „Dass er den beim Stand von 2:1 so in den Giebel hat – Chapeau! Da zeigt sich die individuelle Klasse. Wir mussten nach dem 1:2 mehr riskieren, weil wir zurücklagen und haben im Rahmen unserer Möglichkeiten versucht, was noch drin war“, lobte Teutonen-Trainer Titze Möllers Machwerk und analysierte den Auftritt seiner Schützlinge.

„In der ersten Hälfte war das ein intensives Spiel. Man hat uns angemerkt, dass wir unbedingt wollen. Das war mit dem Treffer zu Beginn ideal umgesetzt“, freute sich „Dasse“-Dompteur Richter, doch „JPR“ war nicht entgangen: „Wir waren in den 90 Minuten trotzdem immer wieder anfällig. Ein Stück weit war unser Spiel zerfahren, wir haben Ballgewinne schnell wieder hergeschenkt.“ In anderen Phasen, so Richter weiter, „waren wir aber auch gut dran. Insgesamt war es von allen Spielern eine ordentliche und disziplinierte Leistung. Sven Möller hat sich nach seinem verschossenen Elfmeter aus dem Spiel in Meiendorf (am ersten Spieltag, Anm. d. Red.) in die Pflicht genommen. Er hat uns heute als Führungsspieler und Leistungsträger zum Sieg verholfen.“ Oder wie es Dino Fazlic auf der Gegenseite ausdrückte: „Den Freistoß haut Sven stark rein.“ Ein Gegentor, das nach Fazlic' Ansicht zur derzeitigen Phase bei Teutonia passt: „Die Tore, die wir fressen, sind eklig – da hilft auch keine Qualität“, beschied er und beschrieb die eigenen Bemühungen nach vorne wie folgt: „Ich kann es selbst nicht sagen, warum es bei uns nicht klappt. Bis zum Strafraum kommen wir gut durch, dann fehlen der letzte Pass und die Entschlossenheit. Es passt gerade nicht.“

Fazlic: „Wiir haben nichts mitbekommen, was im Hintergrund gelabert wird“

Ein Mal alle herkommen zum Jubeln: Sven Möller (re.) war mit zwei Treffern der entscheidende Faktor zum TuS-Triumph. Foto: KBS-Picture

Dennoch: „Ich bin zuversichtlich, dass es noch was wird. Wir haben gegen zwei Mannschaften gespielt, die selbst Ambitionen haben und gut sind. Natürlich sind die beiden Spiele nicht glücklich für uns gelaufen. Du machst die Dinger vorn nicht und kriegst sie hinten selbst rein. Klar ist es nicht optimal, aber ich würde nicht von einem Fehlstart reden. Das klingt so negativ. Es sind anfängliche Probleme. Wir haben Zeit, die Antwort zu geben. Es geht weiter“, bilanzierte Fazlic, „im Pokal haben wir es ja gut gemacht. In der Vorbereitung haben wir gegen höherklassige Gegner gespielt, da spielst du anders als in der Oberliga. In der sind alle giftig. Und Dassendorf hat ja auch Qualität. Am Anfang kann man Spiele verlieren. Die Qualität kommt. Die Liga ist ein Marathon, kein Sprint. Wir haben sieben Neue, das muss sich finden. Bei manchen geht das schneller, bei uns dauert es diesmal etwas länger. Aber: Alles, was nachhaltig wächst, bleibt auch länger. Ich gehe davon aus, dass es positiv wird.“ Teutonia (am Dienstag im Pokal gegen den FC Alsterbrüder) habe „keine Zeit zum Ausruhen, wir müssen schnell abschalten. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Uns fehlt aktuell einfach das Quäntchen Glück, das du dir erarbeiten musst“, gab der Mittelfeldspieler der Gäste im Anschluss an die Partie zu Protokoll.

Die Frage die bleibt: Wie übersteht Teutonia die Unruhe nach zwei Pleiten in der Liga zu Beginn? „Es gibt keine Unruhe. Die Erwartungshaltung ist immer noch da – das sind wir aus der letzten Saison gewohnt“, schielt Fazlic natürlich nach wie vor nach ganz oben und sagt: „Alle Spieler sind mit einem Ziel hier hergekommen. Du wirst nicht jedes Spiel gewinnen, sondern auch Rückschläge haben. Ich glaube, ein Rückschlag am Anfang der Saison ist nicht immer negativ. Man kann zusammen da durch gehen. Die Mannschaft lässt den Kopf nicht hängen, Wir müssen uns das Glück erarbeiten. Vielleicht dachten einige, dass die Qualität allein reicht, aber Ehrgeiz und Fleiß gehören auch dazu.“ Zweifellos sei die Qualität im Kader der Kicker von der „Kreuze“ groß: „Die Ziele waren von Anfang an klar“, so Fazlic, der kein mentales Problem bei „T05“ sieht: „Verteidigen ist einfacher als angreifen, Wenn sich zwei Spieler reinwerfen, dann ist das kein mentales Problem bei uns. Natürlich können wir den Ball vielleicht besser rein schieben, aber wir verzetteln uns.“ So sehr, dass nach nun zwei verlorenen Spielen Trainer Titze auf dem Prüfstand steht? „Wir haben nichts davon mitbekommen, was im Hintergrund gelabert wird. Der Trainer macht gute Arbeit. Wir sind gut eingestellt“, bezieht Fazlic ganz klar Stellung und wischt etwaige Diskussionen – zumindest aus Mannschaftssicht – vom Tisch... 


Jan Knötzsch 

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