23.07.2019

Alles auf Abbruch? Ein schlechter Anfang vorm eigentlichen Beginn

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um die Erste Runde des LOTTO-Pokals mit ihren beiden Spielabbrüchen sowie die bevorstehende Saison in der Oberliga, die am Freitag mit der Begegnung des Niendorfer TSV gegen den SC Victoria (Anstoß: 19 Uhr, Sachsenweg) eröffnet wird. 

Nun hat sie also ein Ende – die Zeit des großen Testens, Ausprobierens und Experimentierens. Ab  Freitag rollt in den Spielkassen im Hamburger Amateurfußball der Ball wieder. Damit Sie, liebe Leser, bestens auf die neue Saison 2019/2020 vorbereitet sind, gibt es auch in diesem Jahr wieder unser FussiFreunde-Sonderheft, das ab Mittwoch, 31. Juli, im Handel erhältlich und schon jetzt auf unserer Seite online vorbestellbar ist (Hier geht’s zum Bestellformular). Und wie immer vor einer neuen Saison gibt es Fragen über Fragen. Die dringlichste, was die obersten Amateur-Spielklasse der Hansestadt angeht: Wer tritt die Nachfolge von Altona 93 als Hamburger Meister an?

„Dasse“ mit Klasse, aber reicht die Masse?

Reicht sein Kader in diesem Jahr für den Titel? Dassendorf-Trainer Jean-Pierre Richter. Foto: KBS-Picture.de

Der Druck, so viel ist klar, liegt bei dieser Frage ganz klar auf dem FC Teutonia 05 und der TuS Dassendorf. Bei den Teutonen, weil sie in der neuen Spielzeit einen noch einmal enorm „aufgemotzten“ Kader zur Verfügung haben werden, mit dem man eigentlich schon fast aufsteigen muss. Dass er den Druck hat, aus diesen Einzelkönnern eine funktionierende Mannschaft zu formen, die „liefern“ muss, weiß auch Sören Titze, der dennoch wieder und wieder mahnt, den Respekt vor anderen Mannschaften nicht zu verlieren. Schließlich sei Teutonia ja nicht allein in der Liga und auch andere Teams könnten Fußball spielen. Ein angenehmer Einwurf, wo doch anderswo im Fußball der Respekt schon wieder zu fehlen scheint, dazu an anderer Stelle der Kolumne mehr. Doch zurück zu „T05“: Dass er und sein Team „performen“ müssen, kann auch Titze nicht von der Hand weisen. Läuft's glatt, geht Teutonia vermutlich als Erster durchs Ziel. Läuft's nicht, wird die Luft an der „Kreuze“ womöglich schneller dünn, als es dem einen oder anderen lieb sein dürfte. Und Dassendorf? Nun, wer als Serienmeister eine Saison wie die vergangene Spielt, der hat fast schon automatisch den Druck, es in der neuen Spielzeit wieder besser machen zu wollen – und vielleicht eben auch zu müssen.


Denn: Qualitativ hat „Dasse“ auch in der neuen Serie wieder viel „Klasse“ im Kader. Aber reicht die Masse? Finn Thomas kommt gerade aus einer Verletzung zurück, Joe Warmbier hat auf dem Weg zum Comeback einen Rückschlag erlitten – und beim aus Lübeck gekommenen Aleksandar Nogovic ist aus beruflichen Gründen noch nicht einmal geklärt, ob er länger als September 2019 am Wendelweg bleiben wird. Bei derzeit so oder so nur 23 Spielern im Kader schwebt über allem die Frage, ob das am Ende reichen wird – oder ob in Sachen Personalplanung nicht doch mit zu enger Nadel gestrickt wurde? Denn auch, wenn man auf die Neuzugänge guckt, dann sucht man „Kracher“ vom Format, wie der vermutlich ärgste Konkurrent von der „Kreuze“ sie geholt hat, vergeblich. Nun gut, mit Len Aike Strömer hat man sich einen Kicker aus dem obersten Oberliga-Regal geangelt, der vielleicht auch noch höher spielen könnte. Auch Edin Tanovic kann sicher einiges – das hat er bereits in Sasel nachgewiesen. Yannick Jonas und Jesper Garbers sind Verstärkungen in Sachen Breite statt Spitze. Das Schöne aber ist: Erfolg ist nicht planbar, stärkere Einzelspieler – so wie „T05“ sie vielleicht hat – garantieren keinen Erfolg. Vorerst ist alles nur Spekulation.

Jedes nicht regulär beendete Spiel eines zu viel

Foto: noveski.com

Weit weniger spekulativ geht es zu, wenn man sich mit der Ersten Runde des LOTTO-Pokals beschäftigt. Oder doch nicht? Fakt ist: Gleich zwei Spiele wurden abgebrochen. Beim Match zwischen dem TSV Gülzow und HT 16 attackierte ein Spieler den Unparteiischen, weil er mit der Gelb-Roten Karte, die er gezeigt bekommen hatte, nicht einverstanden war. Beim Duell zwischen dem FC Hamburg und dem SV Vahdet Hamburg hingegen gehen die Ansichten über den Grund des Abbruchs auseinander. Der Referee des Spiels sagt, er sei von Vahdet-Spielern als Nazi beleidigt und bedroht worden. Vahdet wiederum sagt, der Schiri habe einen Spieler beleidigt und daraufhin habe die Mannschaft kollektiv das Feld verlassen, weil sie angesichts dessen nicht mehr weiterspielen wollte. Egal, wie im letzten Fall die Dinge nun wirklich gewesen sind: Ein gutes Licht werfen zwei Abbrüche noch vor dem eigentlichen „echten Start“ in die Saison nicht., Ganz im Gegenteil. Im Journalisten-Deutsch könnte man fast sagen: Der Hamburger Fußball knüpft da an, wo er aufgehört hat. Nur, dass es dabei eben nicht – so wie sonst beim Gebrauch dieser Worte – um die Leistung der kickenden Herren geht. Leider.

Und so kann man sich an dieser Stelle einfach nur wiederholen: Derartige Szenen, die zu Abbrüchen führen, braucht keiner. Es wird endlich Zeit für ein noch viel härteres Durchgreifen. Auch, wenn der Verband noch so oft betont, dass die Quote der abgebrochenen Spiele in den letzten Jahren nicht angestiegen sei, steht eines fest: Jedes abgebrochene Spiel ist eines zu viel. Jeder mit Worten oder Schlägen attackierte Schiri oder Gegenspieler ist einer zu viel – egal von welcher Seite die körperlichen oder verbalen Ausfälle kommen. Der Verweis auf die gleichbleibende Quote übrigens macht es nicht besser und schafft das Problem auch nicht aus der Welt. Man sieht es allein schon daran, dass es in dieser neuen Saison so losgeht, wie es in der alten auch zu oft war. Dass der TSV Gülzow nun den Spieler, der am vergangenen Wochenende nach seiner „Ampelkarte“ die Kontrolle verloren hat, bereits aus dem Verein ausgeschlossen hat und ihm mitgeteilt haben soll, dass er auch nicht wiederzukommen braucht, ist ein sinnvoller Anfang. Mehr aber auch nicht. Leider.  


Jan Knötzsch

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