22.07.2019

Pokal: Kantersiege, Überraschungen und zwei Abbrüche

Lokstedts Josipovic „not amused“ – Falke mangels Alternativen mit routinierten Einwechselspielern

Chancenlos: Dassendorfs Marcel von Walsleben-Schied traf beim 9:1-Sieg gegen den SCVM und Keeper Jan Carlos Tofern (am Boden) vierfach. Foto: KBS-Picture.de

Das war sie dann also – die Erste Runde unter dem neuen Namen „LOTTO-Pokal“. Sämtliche Partien sind gespielt – und es gab wie in jedem Jahr wieder alles, was den Wettbewerb so spannend macht und das Fußballherz begehrt: Favoritensiege, Tore en masse und Überraschungen. So war die Erste Runde beispielsweise für die drei Landesligisten SC V/W Billstedt, FC Türkiye und Eintracht Lokstedt bereits gleichbedeutend mit der Endstation. Aber: Leider zeigte der Fußball auch wieder seine schlimmste Seite: Gleich zwei Erstrunden-Partien mussten vorzeitig abgebrochen werden. 

Da wäre zum einen die Partie zwischen dem TSV Gülzow (Kreisklasse) und HT 16 (Bezirksliga) vom Sonntagnachmittag. Beim Stand von 14:0 für die Gäste war das Spiel nach 75 Minuten vorbei. Ein Gülzow-Akteur hatte gerade wegen Meckerns die Gelbe Karte gesehen. Mit der Entscheidung des Unparteiischen nicht ganz einverstanden, griff der Spieler daraufhin den Schiedsrichter tätlich an. Dieser brach das Spiel ab. Auch am Vortag war es zu einem Abbruch gekommen. Im Match des Kreisklasse-Vertreters FC Hamburg gegen den SV Vahdet Hamburg (Kreisklasse) lief die 90. Minute, als der Referee die Partie vor dem eigentlichen Abpfiff beendete. „Ich wurde von den Gästespielern bedroht und als Nazi beschimpft“, so die Aussage des Spielleiters. Der Platzwart rief die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen anrückte. Ein Nachspiel vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verband (HFV) ist in beiden Fällen sicher.

Josipovic: „Wir haben 45 Minuten versagt und waren nicht existent“

Lokstedts Trainer Anto Josipovic war mit dem Auftritt seiner Equipe in Eilbek alles andere als zufrieden. Foto: Reß

Erfreulicher verlief das zurückliegende Wochenende derweil für Clubs wie den SV Hamwarde, den SC Sternschanze und den SC Eilbek. Diese drei nämlich sind jene Mannschaften, die dafür sorgten, dass jeweils ein Landesligist auf der Strecke blieb und in der Ersten Runde seine Segel streichen musste. Der Reihe nach: Beim SC Hamwarde hörte der „Mann des Tages“ am Sonntag auf den Namen Benjamin Hoops. Mit seinem Treffer in der 70. Minute nahm Hoops den SC V/W Billstedt „hops“ und sorgte dafür, dass der Hansa-Landesligist um Coach Onur Ulusoy sich die nächsten Runden des Wettbewerbs bequem vom Sofa aus ansehen kann. Eintracht Lokstedt erwischte es ebenso am Sonntag. Zu früher Stunde unterlag die Mannschaft aus der Landesliga Hammonia beim SC Eilbek mit 1:5. Der Ost-Bezirksligist lag durch Treffer von Kassem Tomeh, Andreas Jerchel und Jan-Philipp Meyer bereits zur Pause mit 3:0 in Führung. Dann kam Lokstedt durch Luis Gleich zum 1:3 (78.), kassierte aber durch Frederic Müller und Niko Scharnhorst anschließend noch zwei weitere Gegentreffer.

„Das war eine saftige Niederlage. Wir haben 45 Minuten versagt und waren nicht existent. Meinen Glückwunsch an Eilbek. Das ist ein tolles Team mit einem super Trainer“, verpackte Coach Anto Josipovic Kritik an seinen Spielern und Lob für den Kontrahenten um Eilbek-Coach Kerem Yildirim in einen Satz. Der FC Türkiye gestaltete sein Spiel beim SC Sternschanze mit 2:3 einen Tick enger, hatte aber dennoch das Nachsehen. Thomas Stockhorst brachte den SCS mit einem Doppelschlag in Führung. Dennis Rosenthal ließ Türkiye hoffen, doch Nils Sörensen stellte den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her. Der Treffer von Mustafa Okur vier Minuten vor dem Ende der Begegnung konnte die Niederlage der Wilhelmsburger nicht mehr verhindern. „Wir haben lange gebraucht, um ins Spiel zu finden. Die erste halbe Stunde ging an Sternschanze, die zu diesem Zeitpunkt hätten führen müssen. Nach dem Wechsel wurden wir kalt erwischt und haben erst nach dem 0:2 unser positives Gesicht gezeigt. Chancen auf eine Verlängerung waren da, aber unterm Strich geht der Sieg für Sternschanze in Ordnung“, zog Türkiyes Ligamanager Seweryn Malyk nach der Niederlage im ersten Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Jörn Großkopf Bilanz.

Hellmann, Dobirr und Herbert müssen bei HFC-Sieg als Einwechselspieler ran

Falkes Manager Christopher Dobirr musste mangels Alternativen gegen BW Ellas als Einwechselspieler ran. Foto: KBS-Picture.de

Ohne Chance war derweil der SC Vier- und Marschlande. Der Ost-Bezirksligist mit Trainer Thorsten Beyer zog vor den Augen von Bundesliga-Profi Martin Harnik gegen die TuS Dassendorf den Kürzeren. Marcel von Walsleben-Schied traf gleich vierfach für den Oberligisten, für den zudem Mattia Maggio (2), Amando Aust, Tarec Blohm und Kristof Kurczynski. Den Ehrentreffer für den SCVM erzielte Maurizio Scalisi zum zwischenzeitlichen 1:2 nach 43 Minuten. „Das war eine tolle erste Halbzeit“, konstatierte SCVM-Trainer Beyer, hatte aber auch erkannt, dass seine Equipe nach den ersten 45 Minuten „völlig am Ende der Kräfte“ war. Nach der Pause fehlten dem Übungsleiter bei seinen Kickern nicht nur die Kräfte, sondern auch die Kommunikation. „Keiner hat sich mehr gewehrt und es wurde ein Scheibenschießen, wodurch der gut Eindruck aus der ersten Halbzeit leider verflogen ist“, so Beyer, der sich dennoch zum gemeinsamen Erinnerungsfoto mit Harnik und Gästetrainer Jean-Pierre Richter, die er beide zu deren A-Jugend-Zeiten beim SCVM gecoacht hatte, stellte. „Vier- und Marschlande war in der ersten Hälfte gut eingestellt und griffig. Nach der Pause haben wir gut agiert und schöne Tore herausgespielt. Wir sind unserer Favoritenrolle gerecht geworden und eine Runde weitergekommen“, bilanzierte Richter die 90 Minuten in Fünfhausen.

Als torhungrigster Club der Ersten Runde präsentierte sich übrigens der Niendorfer TSV. Gegen den Norderstedter SV fuhr die Elf von Ali Farhadi einen 21:0-Erfolg ein. Etwas weniger deutlich, aber dennoch klar, fiel derweil der Sieg des HFC Falke gegen Blau-Weiss Ellas aus. Der Nord-Bezirksligist setzte mit 8:2 durch. Timo Riemer schnürte einen „Viererpack“, Benjamin Baarz war dreifach erfolgreich. Zudem traf auch Neuzugang Marco Rohde für die „Falken“, die eine illustre Bankbesetzung hatten: Neben „Ruhestandler“ Tobias Herbert hatten dort auch Manager Christopher Dobirr und Coach Dirk Hellmann als Auswechselspieler Platz genommen. Alle drei kamen als einzige Alternativen von draußen im Laufe der zweiten Hälfte in die Partie. Zu dem Zeitpunkt hatte die erste Elf allerdings die Hausaufgaben gegen den Kreisligisten  bereits erledigt. „Eindrucksvoll“, wie Hellmann befand. „Das ist vom Kopf nicht einfach, wenn man von der Anzahl extrem eingeschränkt ist – und auch nicht das, was wir uns vorstellen. Die Jungs haben das aber richtig gut gemacht, den Gegner über Ballbesitz auf einem Grandplatz dominiert und eigentlich nie Zweifel aufkommen lassen. Kompliment an die Mannschaft, das war ein durchweg dominanter Auftritt. Dass nach dem 5:0 etwas nachgelassen wird, ist völlig normal. Wir wollten hier irgendwie in die nächste Runde kommen und das haben wir bestmöglich geschafft“, so der Falke-Coach abschließend.


Jan Knötzsch 

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