LOTTO-Pokal

Goldener Gedanke: Wie wär's mit Frers? OSV wechselt das Weiterkommen ein

Altengamme gleicht spät aus und fliegt trotzdem raus

20. Juli 2019, 08:53 Uhr

Einen Schritt zu spät: Altengammes Kapitän Dominik Scheu (li.) kann Adrian Voigt nicht am Abspiel hindern. Foto: Bode

Es war ein Kraftakt. Ein richtig langer sogar. Nicht 90, nein volle 120 Minuten benötigte der Oststeinbeker SV am Freitagabend, um seinen Einzug in die Zweite Runde des LOTTO-Pokals festzuzurren. Im Kräftemessen der beiden Hansa-Landesligisten gelang dem Aufsteiger gegen den SV Altengamme vor heimischem Publikum am Meessen ein 2:1-Erfolg – und so freute sich der Gastgeber am Ende irgendwie gleich doppelt. Zum einen über das Weiterkommen natürlich. Zum anderen aber auch, weil man in dem Moment, als Referee Martin Ghafury (BU) das Spiel abpfiff, Revanche genommen hatte für die 1:3-Niederlage im Achtelfinale des damals noch ODDSET-Pokal heißenden Wettbewerbs am 7. Dezember 2018.

„Nach dem Abpfiff hat man gesehen, dass das nicht irgendein Sieg für uns war. Das war ein emotionaler Tag für uns. Und ein ganz besonderes Spiel, weil wir ja letztes Jahr gegen Altengamme unglücklich verloren haben“, sagte OSV-Akteur Youness Sbou nach dem Match mit Blick auf die vorangegangenen 120 Minuten und die Vorgeschichte aus dem Wintermonat des vergangenen Kalenderjahres, als der damalige Schiedsrichter Björn Lassen (Barsbütteler SV) gleich vier Oststeinbeker vom Feld stellte. Diesmal gab es nicht einen einzigen Platzverweis, doch auch Philipp Mohr dachte an jenen Tag im Dezember 2018 zurück. Den verfolgte der Ligaobmann des SV Altengamme damals aufgrund eines USA-Aufenthaltes nicht vor Ort am Meessen, sondern im FussiFreunde-Liveticker. Diesmal war Mohr auch leibhaftig dabei und bilanzierte am Ende: „Beim letzten Aufeinandertreffen waren wir die glücklichere Mannschaft, diesmal ist der OSV der glückliche Sieger.“

Sbou: „Nach dem Abpfiff hat man gesehen, dass das nicht irgendeinen Sieg für uns war“

Blick auf den Ball: Kevin Herzberg (re.) fixiert im Laufduell mit Oststeinbeks Marc Oldag die Kugel. Foto: Bode

„Bis zum 1:0 haben wir das Spiel dominiert, danach wurde Altengamme immer stärker“, hatte auch Youness Sbou erkannt, dass nach der Führung für die Hausherren, die Adrian Voigt nach einer Ecke in der zehnten Minute per Kopf erzielte, der SVA Feldvorteile hatte. Allein: Die Equipe von Coach Jan Krey konnte sie nicht nutzen. „Zu Beginn hatten wir Start-Schwierigkeiten, dann pennen wir ein einziges Mal und und kassieren wegen eines Stellungsfehlers das 0:1. Dem Rückstand sind wir dann 50, fast 60 Minuten lang hinterhergelaufen. Das war ein bisschen ärgerlich“, konstatierte derweil Mohr. Dessen Team kam tatsächlich erst in der 68. Minute zum Ausgleichstreffer, als Philip Alpen einen langen Pass aus 35 Metern von Jannis Reinhardt vorm Tor einskalt zum 1:1 nutzte. „Danach hatten wir unsere Möglichkeiten, in Führung zu gehen, haben es aber nicht geschafft, das Tor zu machen“, sagte Mohr. Ein Umstand, der sowohl für den Rest der regulären Spielzeit als auch die Verlängerung galt. 


In der hatte der SVA die größte seiner Gelegenheiten: Sandro Schraub traf gefühlte 15 Sekunden nach dem Anpfiff der ersten Hälfte der „Overtime“ den Pfosten des Oststeinbeker Tores. Doch die Kicker vom Gammerr Weg sollten nicht nur vorne, sondern auch hinten Pech haben. „In der Verlängerung hatte jeder das Gefühl, dass das Spiel eher zugunsten des SV Altengamme gibt“, befand Mohr. Doch es kam anders: Es lief die 100. Minute der Begegnung, als als auf einmal Nicklas Frers mit der Kugel am Fuß auf SVA-Schlussmann Nick Kieslng zusteuerte und das Spielgerät an ihm vorbei zur erneuten Führung des OSV in die Maschen schob. Ausgerechnet Frers. Denn bei dem hatte sein Trainer offenbar genau den richtigen Geistesblitz gehabt. Simon Gottschling ließ den Offensivmann zunächst draußen auf der Bank, wechselte ihn dann aber in der 73. Minute ein – das, was man hinterher dann wohl als das berühmte „goldene Händchen“ bezeichnen darf. Vorausgegangen war dem Frers-Treffer im Übrigen ein Ballverlust der Gäste im Aufbauspiel. Kein Wunder also, dass Philipp Mohr alles andere als „amused“ war.

Mohr: „Nach dem 1:2 sind wir angerannt und nochmal ins Risiko gegangen, aber die Chancen fehlten“

Frust nach dem Ausscheiden: SVA-Stürmer Sandro Schraub, der das 2:1 für seinen Club auf dem Fuß hatte. Foto: Bode

„Wir werden hinten bestraft. Leider waren wir danach nicht mehr in der Lage, den Ball nochmal gefährlich auf das gegnerische Tor zu bringen“, sagte Altengammes Ligaobmann. Und so durfte der OSV, angepeitscht von Co-Trainer Alexander Kaya, nach intensiven 120 Minuten schließlich lautstark vor seinem eigenen Anhang jubeln. „Nachdem Altengamme nach zwei hundertprozentigen Chancen noch zum verdienten 1:1 gekommen war und es dann in die Verlängerung ging, hat unser Trainer uns nochmal motiviert, so dass wir letztlich die Revanche durch Kampf und den Treffer von Nicklas nehmen konnten“, resümierte Youness Sbou und stellte fest: „Letztlich kann man sagen: Wir haben verdient gewonnen. Wir haben bis zur letzten Minute alles rausgehauen. Es war überwältigend. Hut ab vor den Jungs.“ 


Auf Seiten der Gäste blieb letztlich eine andere Erkenntnis: „Nach dem 1:2 sind wir angerannt und noch mal ins Risiko gegangen, aber die zwingenden Chancen fehlten. Jetzt sind wir ausgeschieden – aber das war unglücklich. Und: Wir haben eine vernünftige Leistung gezeigt. Das war wichtig, nachdem die letzten Testspiele aus spielerischer Sicht nicht optimal gelaufen waren“, so Philipp Mohr abschließend.

Jan Knötzsch

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