28.05.2019

Unrühmliche Auftritte, Wechsel-Wirrwar und riskante Wege

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um den Regionalliga-Aufstieg von Altona 93, die Trennung zwischen dem HEBC und Jörn Großkopf, das Landesliga-Spiel zwischen Inter 2000 und dem SV Altengamme sowie den Transferstreit um den Spieler Florian Rogge zwischen dem SV Curslack-Neuengamme und Concordia.

Nun stehen also auch die letzten großen Entscheidungen fest, wenn man denn mal das HOLSTEN-Pokalfinale und den „Tag des Fußballs“, den der Hamburger Fußballverband am kommenden Wochenende mit diversen Endspielen um Pokalsiege veranstaltet (das Spiel um den Heino-Gerstenberg-Pokal zwischen Altengamme IV und Sternschanze VI steigt schon am Mittwoch), mal außen vor lässt. Die TuS Dassendorf ist ODDSET-Pokalsieger, Altona 93 steht als Aufsteiger in die Regionalliga fest. Glückwunsch an dieser Stelle an beide Vereine. Die jeweiligen Triumphe waren verdient.  

Noch ist Altonas Kader nicht reif für eine ordentliche Regio-Saison

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit: AFC-Manager Andreas Klobedanz (li.) und Coach Berkan Algan müssen nach dem Aufstieg och weiter am Kader für die Regionalliga basteln. Foto: KBS-Picture.de

Dassendorf bog auf der Zielgeraden gerade noch in Richtung Titel ab und damit eine beinahe titellose Spielzeit so eben noch einmal wieder gerade. Für den AFC heißt es nun, so schön der Moment des Aufstiegs auch ist: Hausaufgaben machen! Denn soll es den Altonaern nicht wie bei ihrem letzten Gastspiel in der Vierten Liga ergehen, dann müssen Manager Andreas Klobedanz und Trainer Berkan Algan noch so manche Stellschraube im aktuellen Kader drehen und noch so manchen neuen Spieler an Land ziehen. Das freilich wissen die beiden selbst am besten. Man darf abwarten, wie es ihnen mit finanziellen Möglichkeiten, die „nicht von hier bis nach Timbuktu reichen“ (O-Ton Algan), gelingt, dies zu bewerkstelligen und dann im Konzert der Großen mitzuspielen. Ohne Verstärkungen, so viel ist Fakt, ist beim AFC bislang nur das Publikum und (noch) nicht der Kader regionalligareif.

Reif war, zumindest aus Sicht der Verantwortlichen beim HEBC, auch Jörn Großkopf – reif für seine Entlassung. Die Klasse hatte der Coach mit seinen Schützlingen in der Oberliga nicht halten können. Dennoch hatte man dem Trainer während der Saison, als sich abzeichnete, dass die Mission Klassenerhalt vielleicht doch schiefgehen könnte, zur Seite gestanden, statt ihm den Stuhl vor die Tür zu stellen. Dass man nun, nach einer Analyse, zu dem Schluss gekommen ist, doch getrennte Wege zu gehen, ist legitim. Es hat eben nicht gelangt, da ist das Geschäft nunmal so, dass der Trainer das schwächste Glied der Kette ist und man sich trennt. Wenn der HEBC aber, so wie zu hören ist, nicht mit Spielidee des Coaches einverstanden war, darf man schon einmal die Frage stellen, warum man nicht früher gehandelt hat. So viel anders als nach der Saison war die Großkopf-Philosophie ja auch in den vorangegangenen Wochen nicht. Nun darf sich am Reinmüller mit Özden Kocadal ein neuer Mann versuchen, der seine erste Stelle als Chefcoach antritt. Das ist mutig – egal in welcher Liga. Aber nicht selten wird Risikobereitschaft ja auch belohnt. 

Miteinander reden bringt immer mehr, als übereinander zu reden.

Erst Objekt der Begierde, jetzt das Streitobjekt: Curslacks Mittelfeldspieler Florian Rogge (re.). Foto: KBS-Picture.de

Alles andere als eine Belohnung war derweil der Auftritt von Inter 2000 am vergangenen Wochenende im letzten Landesliga-Spiel des Absteigers gegen den SV Altengamme. 2:21 hieß es aus Sicht der Gastgeber am Ende. Allein das ist schon ein Debakel. Dass diverse Spieler der Mannschaft – wie schon im abgebrochenen Spiel gegen Kosova – aufgrund der Tatsache, dass man völlig chancenlos war, offenbar nicht weiterspielen wollten, macht das Licht, in dem Inter nun bei seinem Abgang in die Bezirksliga steht, nicht besser. An vielen Stellen hat, das muss man einfach so konstatierten, Altengammes Ligaobmann Philipp Mohr mit seiner Kritik recht. Andererseits muss man dem entgegenhalten: Inter ist wenigstens angetreten. Es gab auch schon Clubs die das „versäumt“ haben, um es mal nett zu formulieren. Dass Mannschaften zum Ende einer Saison auseinanderbrechen und sich abschießen lassen – es ist zumindest kein Zustand, der wünschenswert ist. Aber einer, der sich wenn dann vorher bereits angekündigt hat. Das Übel liegt zeitlich viel weiter vorne als an den letzten Spieltagen einer Saison…

Wo nun das Übel im Transferstreit zwischen dem SV Curslack-Neuengamme und Concordia um Florian Rogge liegt – da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Dass ein Verein mit einem vertraglich gebundenen Spieler spricht – normal. Dass Cordis Manager Matthias Stuhlmacher seinen Amtskollegen Oliver Schubert vorher darüber informierte – nett, macht in der Branche nicht jeder. Dass Schubert Rogge halten will – logisch. Dass Rogge sich Cordis Angebot anhört – legitim. Dass er es, so die Cordi-Version, auch annimmt – kann man machen. Doch da folgt das große „Aber“: Wenn er es angenommen hat und an den Bekkamp wechseln will, sollte er standhaft bei dieser Variante bleiben. Mit der öffentlichen Aussage „pro Curslack“ dürfte er sich diese Tür zugemacht haben. Die verbalen Duelle beider Vereine darüber sind wenig zielführend. Stuhlmacher ist zugute zu halten, dass er zweifellos nicht so wahnsinnig ist, öffentlich Dinge zu behaupten, die einer Grundlage entbehren. Schubert ist zugute zu halten, dass ihn der mögliche Verlust des Spielers stören dürfte, er aus der Emotionalität reagiert und eben einen Rogge-Vertrag hat. Aber: Miteinander reden bringt immer mehr, als übereinander zu reden. Ist das nicht möglich, gibt’s am Ende nur Verlierer: Stuhlmachers Ruf, Schuberts Ruf und auch den von Rogge.
 
Jan Knötzsch

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