22.05.2019

Schultz schockt BSV: AFC kehrt nach Ausgleich zurück und siegt

Altona gibt zunächst eine glückliche 2:0-Führung noch aus der Hand

Jubel in rot-weiß-schwarz: Marco Schultz (Zweiter v. li.) erzielte zwei Treffer für den AFC und war damit maßgeblich am Sieg beteiligt. Foto: KBS-Picture.de

Lange vor dem ersten Spiel der Aufstiegsrunde für Altona 93 beim Bremer SV (Hier gibt's die Highlights des Spiels im Live-Ticker zum Nachlesen) saß Berkan Algan vor der AFC-Bank auf einem weißen Plastikstuhl. Vor ihm stand ein zweiter. Algan hatte darauf einen großen weißen Zettel ausgebreitet. In der Hand hielt der Coach der Altonaer einen Stift und tüftelte an seiner Aufstellung. „Berki“ musste den kurzfristigen Ausfall von William Wachowski (Mandelentzündung) verkraften. Lange Zeit später war klar: Die Gedanken, die sich Algan vor der Begegnung gemacht hatte, hatten sich ausgezahlt. Als das Spiel vor den 1739 Zuschauern beendet war, hatte der AFC, der zunächst eine 2:0-Führung verspielt hatte, am Ende doch noch die Nase vorne. 

Als die reguläre Spielzeit beendet war, wusste Berkan Algan genau, bei wem er sich bedanken musste. Der Coach der Altonaer eilte auf den Rasenplatz und herzte Sehymus Atug. Und auch Marco Schultz, der Mann, der an diesem Abend doppelt getroffen hatte und damit so etwas wie der „Matchwinner“ des Abends war, kam nicht ohne Umarmung seines Trainers davon. Wenn es aber eines Spielers bedurfte, der nach dem Match als Sinnbild für den Abend aus Altoaner Sicht taugte, dann war das Abwehrmann Atug. In der ersten Halbzeit zog sich der 26-Jährige eine blutend Platzwunde an der linken Schläfe zu. Atug musste vom Feld, wurde draußen von Physiotherapeut Can Daglioglu behandelt und betrat schließlich mit einem Kopfverband wieder den Platz. Dass er nun mit einem Handicap die restliche Spielzeit bestreiten musste, störte Atug nicht. Er warf sich weiterhin in jeden Zweikampf, musste in der zweiten Hälfte noch einmal behandelt werden. Doch Atug hielt durch – so wie sein AFC am Ende, was das Ergebnis angeht.      

Metidji sorgt für die Führung, Schultz trifft zum 2:0

Lange vor Spielbeginn tüftelte AFC-Coach Berkan Algan nach dem Ausfall von William Wachowski an seiner Aufstellung. Foto: KBS-Picture.de

In den ersten Minuten der Partie im Stadion am Panzenberg spielte eigentlich nur der Gastgeber – und der hätte nach zwei Zeigerumdrehungen bereits mit 1:0 in Führung gehen können, als Vafing Jabateh im Anschluss an eine Ecke von Malte Tietze am zweiten Pfosten das Gehäuse verfehlte. Nur sieben Minuten später war es dann AFC-Keeper Tobias Grubba, der sein Team vor einem Rückstand bewahrte, als er Lukas Moszings Schuss aus rund 20 Metern mit einer Parade eliminieren konnte. Nach elf Minuten musste dann Seyhmus Atug nach einem Solo von Marcel Lück klären. Erst danach kam Altona zum ersten Mal gefährlich vor den Kasten der Bremer – und wie: Marco Schultz und Onur Saglam setzten aus dem linken Halbfeld Hischem Metidji in Szene, der an Keeper Kevin Kuhfeld vorbei zum Führungstreffer vollendete (13.).

Auch danach ging es nach dem selben Schema weiter: Der BSV hatte mehr vom Match und machte das Spiel, der nächste Treffer aber ging wiederum auf das Konto der Altonaer. Es lief die 20. Minute, als Alexander Vojtenko vorm gegnerischen Strafraum zu Fall kam und Referee Patrick Schwengers (TSV Travemünde) auf Freistoß entschied. Schultz schnappte sich das Leder und knallte das Spielgerät aus 18 Metern mit links ins linke Eck – 2:0 für die „Berkan-Bengel“. Jonas Böhning hätte dann nach 33 Minuten für den BSV verkürzen können, doch sein Schuss ging am rechten Pfosten vorbei. Auf der anderen Seite hatte Onur Saglam anschließend die Vorentscheidung zum 3:0 für den AFC auf dem Fuß, als er es aus der Distanz mit einem Heber versuchte. Torhüter Kuhfeld konnte den Einschlag gerade noch verhindern. Die letzte Gelegenheit vor der Pause gehörte den Hausherren: Nikky Goguadze vergab per Kopf (39.).

Elfmeter sorgt für Entscheidung zugunsten des AFC

Seyhmus Atug (li.) spielte nach einer Verletzung mit Kopfverband – und war einer der besten Altonaer. Foto: KBS-Picture.de

Und auch die erste Chance nach dem Seitenwechsel ging auf das Konto der Bremer. Diesmal hatte der BSV mehr Glück: Dominic Krogemann mit einem langen Ball, Gogadze legte quer und Jabateh schob ein – 1:2 (46.). Und für die Equipe von der Griegstraße sollte es noch schlimmer kommen: Atug, bis dahin trotz seines Handicaps einer der besten im AFC-Dress, schlug nach einer Flanke über den Ball. Der Nutznießer: Alexander Arnhold, der die Kugel nur noch über die Linie drücken musste  (64.). Doch Altona schlug noch einmal zurück: Onur Saglam wurde im Strafraum zu Fall gebracht. Schiri Schwengers zögerte nicht lang und deutete auf den Punkt. AFC-„Käpt'n“ Schultz übernahm Verantwortung und den Ball und traf ins linke untere Eck – 3:2 für den AFC (79.). Der musste anschließend lange zittern: Spielleiter Schwengers ließ ganze sechs Minuten (!) nachspielen – erst dann durfte Coach Berkan Algan an der Seitenlinie die Hände zum Jubel in die Höhe reißen. Das obligatorische Elfmeterschießen, das nach dem Abpfiff für den Fall von Punktgleichheit ausgetragen wurde, gewannen die Bremer mit 4:1. 


„Das war ein wichtiger Schritt. Ich hoffe, dass wir das jetzt am Sonntag im zweiten Spiel gegen Heide nach Hause bringen. Das war zu 51 Prozent der Aufstieg“, sagte AFC-Coach Algan nach dem Spiel, „Bremen hat eine sehr starke Mannschaft, Aber meine Jungs haben in der Phase des Drucks gemerkt, dass das auch an deren Körpern nicht vorbeigeht. Die sind eine Pace gegangen, die uns gewürgt hat. Aber wir hatten das Momentum mit dem Elfmeter. Bewundernswert, wie Marco da Verantwortung übernimmt.“ Sein Team, so Algan weiter, habe „ein gutes Spiel gemacht. Wenn man in Bremen drei Tore macht, dann ist der Sieg verdient. Natürlich war Bremen gefährlich, aber wir haben uns entgegengestemmt. Und: Chancen bringen keine Siege. Tore bringen Siege.“  

Abwehrhüne" Seyhmus Atug im Interview über...

Die Szene, die zum entscheidenden Elfmeter führte: Onur Saglam (lii.) wird im Strafraum gefoult. Foto: KBS-Picture.de

... das Spiel: „Die erste Halbzeit war gut, wir hatten es im Griff und konnten die Standards gut verteidigen. Dann sind wir aber schlecht aus der Halbzeit gekommen. Die Ansage war, dass wir die 15 Minuten nach der Halbzeit, wo jede Mannschaft nochmal etwas versucht, gut überstehen müssen - das ist uns leider nicht gelungen. Aber in der Schlussphase haben wir uns vor einer Ecke des BSV noch einmal eingeschworen und meinten: ‚Jungs, kein Gegentor mehr - und vorne kriegen wir noch die eine Chance.‘ So haben wir tatsächlich mit dieser einen Chance in der zweiten Halbzeit das Spiel gewonnen. Es hätte auch anders ausgehen können, wir hatten ein bisschen Glück. Aber der BSV ist ja auch nicht umsonst Meister geworden mit nur zwölf Gegentoren. Die haben Qualität und es heute auch klasse gemacht. Gegen diese Mannschaft haben wir drei Tore geschossen. Jetzt müssen wir einfach nur gegen den Heider SV an die erste Halbzeit anknüpfen. Dann haben wir sehr gute Chancen.“

... seine Verletzungen: „Ich muss wahrscheinlich gleich noch ins Krankenhaus. Aber als ich den Cut an der Schläfe erlitten habe, meinte Can (Daglioglu, Physiotherapeut; Anm. d. Red.) zu mir, dass die Blutung gestoppt werden konnte, woraufhin er mir einen Turban gemacht hat. Da meinte ich, dass ich dann auch durchspiele. Insgesamt war es wirklich ein rabenschwarzer Tag. Erst die Platzwunde, dann habe ich mich am Knie verletzt und noch einen Tritt auf den Knöchel bekommen. Eigentlich dachte ich mir: Solche Spiele verlierst du am Ende noch, machst ein Eigentor oder fliegst vom Platz. Aber Gott sei Dank ist das nicht passiert. Wir sind glücklich, müssen jetzt regenerieren und am Sonntag Vollgas geben. Dann können wir alle auf ‚Malle‘ ausrasten.“

... das Spiel am Sonntag gegen den Heider SV: „Wir wollten hier nicht verlieren, haben sogar gewonnen. Zuhause sind wir eine Macht, da haben wir die letzten Spiele keine Gegentore bekommen. Da wird es schwer, uns zu schlagen. Ich bin guter Dinge, dass wir da auch punkten.“

... die prozentualen Aufstiegschancen: „Wenn wir uns nicht dumm anstellen, dann wären es heute 60 Prozent.“


Jan Knötzsch/Dennis Kormanjos

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