20.05.2019

Eintracht bei der Eintracht und eine Bitte an Buxtehude

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um den Klassenerhalt von Eintracht Norderstedt in der Regionalliga Nord und die Situation beim Buxtehuder SV sowie das Verhalten der Mannschaft nach der letzten aktuellen Eskalation der Streitigkeiten mit dem Hauptverein und die möglichen Auswirkungen auf den Abstiegskampf in der Landesliga Hansa.

Seit dem gestrigen Sonntag herrscht nun also Gewissheit: Eintracht Norderstedt wird auch in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord spielen. Der Status Quo, der seit Jahren gilt, wird auch in Zukunft so sein. Dabei stand genau dies bekanntlich lange in Frage – aus rein sportlicher Hinsicht. Die Mannschaft der Garstedter taumelte am Rande des Absturzes in die Oberliga. Ein Horror-Szenario für „EN“, welches nun mit dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Germania Egestorf-Langreder so gerade eben noch abgewendet werden konnte. 

Manchmal sind Erfolgsrezepte einfach doch recht simpel

Das Ziel erreicht: Norderstedt-Trainer Jens Martens (li.) und sein Assistent Olufemi Smith dürfen sich über das Erreichen des Klassenerhalts freuen. Foto: KBS-Picture.de

Die elf Punkte, die die Eintracht in der Rückrunde unter dem neuen Trainer Jens Martens, der Dirk Heyne ablöste, in der Rückrunde holte, haben ihr „den Arsch gerettet“, wie es Martens selbst am Sonntag nach dem Spiel sagte. Salopp formuliert, aber eben auf den Punkt getroffen. Zumindest, was das rein Zahlenmäßige angeht. Doch die Punkte sind nicht alles. Dafür, dass sie auf das Konto der Eintracht gelangten, war mehr nötig. Im Hintergrund. Die Entscheidung der „Macher“ um Präsident Reenald Koch, Heyne im April durch Martens zu ersetzen, hat sich im Nachhinein als vollkommen richtig herausgestellt. Die normal gängigen Mechanismen des Geschäfts haben gegriffen. Der neue Impuls, den man sich von einem Wechsel in einer solchen Phase erhofft, trat ein.

Wer Martens in den vergangenen Wochen erlebte, wird wissen – oder zumindest ahnen – warum dem so ist. Der Coach war eng an der Mannschaft dran, präsentierte sich immer wieder als ein Teil von ihr. Nicht nur, weil er die Spiele an der Seitenlinie ganz „old-school“-mäßig im Trainingsanzug miterlebte und so Zugehörigkeit demonstrierte oder aber im Teamkreis nach Siegen quasi der lauteste „Vorsänger“ war – so wie nach dem Pokalspiel in Osdorf. Bei Dirk Heyne – so zumindest die Wahrnehmung von außen – wirkte das Ganze zwar auch vertrauensvoll, aber doch eine Spur distanzierter. Martens hat der Eintracht das zurückgegeben, was sie brauchte: den Glauben an sich selbst. Die primären Tugenden. Und irgendwie hat er es auch geschafft, dass bei Eintracht wieder eine Eintracht herrschte – zwischen Team und Trainer, zwischen Trainer und Club, zwischen Team, Club und Anhang. Manchmal sind Erfolgsrezepte eben einfach doch recht simpel.   

Seid faire Sportsmänner und tretet an!

Betrübe Blicke bei Ex-Manager und Ex-Trainer René Klawon: Die Situation in Buxtehude ist alles andere als zufriedenstellend. Foto: Bode

Von einer solchen Eintracht kann man beim Buxtehuder SV derzeit nur träumen. Das berühmte Tischtuch zwischen dem Hauptverein und der Fußball-Abteilung war in den vergangenen drei Monaten so oder so bereits bis auf das Äußerste gespannt – jetzt ist es zerrissen. Scheinbar endgültig. Trainer „Momo“ Tan hat seine Schlüssel abgegeben und erklärte, dass für ihn das „Kapitel BSV“ abgeschlossen ist. Das Team trat zum Auswärtsspiel beim SV Nettelnburg-Allermöhe am Freitagabend nicht an. Nach dem stetigen Hin und Her ein weiteres Zeichen, das die Kicker da setzten. Das zweite, nachdem die Equipe im Zuge der Streitigkeiten ja bereits komplett ihre Verträge gekündigt hatte. Irgendwie kann man diesen letzten Schritt nachvollziehen. Wenn es einfach nicht weitergeht, man sich bei Diskussionen nur im Kreis dreht und ein positives Ergebnis nicht absehbar ist, kann man schon mal entnervt das Handtuch werfen.


Das große „Aber“ folgt auf dem Fuße: Denn sollte das kickende BSV-Personal an seiner Haltung festhalten und auch am kommenden Wochenende nicht aktiv auf dem Feld antreten, würden die Buxtehuder in einer Art und Weise in den noch nicht entschiedenen Abstiegskampf der Landesliga Hansa eingreifen, wie sie nicht sein kann und darf. Träte der BSV nicht gegen Rahlstedt an, hätte der RSC drei Punkte sicher, wäre gerettet und der TuS Berne würde in die Röhre gucken, da er sich gegen den FC Elazig Spor nahezu recken und strecken könnte, wie er will – es bliebe erfolglos. Von daher kann man an dieser Stelle nur an den Sportsgeist der Buxtehuder appellieren. Und bitten: Seid faire Sportsmänner und tretet an! Auch, wenn euch durch die Situation in eurem Verein nicht danach zumute ist. Momentan redet jeder negativ über das Team. Das hat es so nicht verdient. Der Glaube, dass die Jungs Sonntag kicken, ist da – zumindest beim Verfasser dieser Kolumne. Es wäre jedenfalls die richtige Antwort!

Jan Knötzsch

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