19.05.2019

Trotz Pleite viel Lob: „Warum Conteh in die Dritte Liga geht, hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt“

Nach „Wahnsinns“-Samstag: St. Paulis U23 unterliegt Havelse - trotz Conteh

Sein toller Treffer nützte am Ende nichts: Sirlord Conteh (re.) konnte die Niederlage nicht verhindern, erntete im Nachgang aber eine Menge Lob. Foto: KBS-Picture.de

Jan Zimmermann, Trainer des TSV Havelse, brachte es im Anschluss an die Partie treffend auf den Punkt: „Ich glaube, für alle Beteiligten war der gestrige Tag spannender und emotionsreicher als das heutige Spiel“, und gestand: „Das kann ich auch von mir nicht wegschieben. Da ist schon eine ganze Menge abgefallen, als klar war, dass der Klassenerhalt geschafft ist.“ Gemeint hatte er damit die nervenaufreibenden 90 Minuten am Samstagnachmittag vor dem Fernseher. „Das war Wahnsinn“, musste auch Joachim Philipkowski eingestehen. „Ich habe es so selbst noch nicht erlebt“, fügte der Coach der sankt paulianischen U23 an. „Das war brutal, der Druck war enorm.“

Soleiman Kazizada (2. v. li.), Clifford Aniteye, Leon Deichmann, Lennart Keßner, Alessandro Otte und Nick Otto wurden vor dem Spiel verabschiedet. Foto: KBS-Picture.de

Doch schlussendlich hatten sowohl der Nachwuchs des FC St. Pauli als auch der TSV Havelse allen Grund zum Jubeln – nachdem klar war, dass Eintracht Braunschweig durch ein 1:1 gegen Energie Cottbus, das aufgrund des um einen winzigen Treffer schlechteren Torverhältnisses den Gang in die Viertklassigkeit antreten musste, den Klassenerhalt in der Dritten Liga geschafft hat. „Man weiß ja, dass wir oben ein paar personelle Probleme hatten und einige gute Jungs von uns dort aushelfen mussten“, musste Joachim Philipkowski, von dem bereits am Samstag gegen 15:20 Uhr „die ganze Last“ abfiel, auf einige Stammkräfte verzichten. „Ich persönlich habe sehr viel Energie verbraucht. Diese 90 Minuten vor dem Fernseher waren viel schlimmer als so manches Spiel, wo es um drei Punkte geht“, befand er – und stellte freudestrahlend fest: „Wir haben unser Ziel erreicht, sind in der Liga geblieben – auch wenn wir in den letzten Spielen ein bisschen geschwächelt haben.“

„Sissi wird den Schritt machen“

Keeper Julian Barkmann (li.) und Youngster Jannes Wieckhoff (Mi.) gaben beim Ausgleich keine glückliche Figur ab. Foto: KBS-Picture.de

Da bildete das letzte Saisonspiel keine Ausnahme – trotz eines Mannes auf Seiten der Hausherren, der selbst Zimmermann ins hochgradige Schwärmen brachte: „Warum Conteh in die Dritte Liga geht, hat er heute eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, hatte Havelses Übungsleiter offenbar mehr Informationen, als die Sankt Paulianer, die vor der Partie sechs Akteure verabschiedeten, aber eben nicht einen gewissen Sirlord Conteh. Der Grund: „Es müssen noch ein paar Sachen geklärt werden. Er hat Angebote, auch schon etwas Fertiges vorliegen. Aber noch ist nichts unterschrieben“, klärte Philipkowski hinterher auf. Das wiederum rief Zimmermann auf den Plan, mit einem breiten Grinsen im Gesicht sein Glück zu versuchen: „Also habe ich doch noch eine Chance, da reinzuhaken“, scherzte er – und fügte dann mit ernster Miene an: „Das ist mein Empfinden, dass er jetzt einfach in die Dritte Liga gehört. Er war mit Sicherheit mit Abstand der beste Spieler auf dem Platz. Wir hatten immer Probleme, ihn zu verteidigen.“ Während Philipkowski entgegnete: „Sissi wird den Schritt machen.“ Nur das Ziel scheint noch unklar – wenngleich in den vergangenen Tagen und Wochen Gerüchte über ein großes Interesse des FSV Zwickau kursierten.

Kovacic vergibt 3:3 vom Punkt - „Hatten anderen Spieler bestimmt“

Ärger bei Dario Kovacic nach seinem vergebenen Strafstoß, der das 3:3 bedeutet hätte. Foto: KBS-Picture.de

Auch wenn der ehemalige Saseler an allen entscheidenden Situationen beteiligt war, konnte er die Niederlage seiner „Kiezkickerchen“ am Ende nicht verhindern. Erst holt Conteh einen Freistoß heraus, den Dario Kovacic herrlich an der Mauer vorbei zur Führung in die Maschen zirkelte (31.). Dann sorgte er – nachdem Slapstick-Fehler, die Havelse in Person von Erhan Yilmaz (35.) und Yannik Jaeschke (42.) sowie durch ein Eigentor von Niklas Hoffmann, der einen Cicek-Eckball ins falsche Toreck köpfte (51.), nutzte, zu einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand führten – für den Anschlusstreffer, als der „Flügelflitzer“ nach einem Steilpass von Theodor Bräuning seine ganze technische Klasse zeigte und mit einem traumhaften Chip ins lange Eck vollendete (54.). Und schließlich holte der 22-Jährige auch noch gegen TSV-Fänger Alexander Dlugaiczyk einen Elfmeter heraus, der von Kovacic jedoch – mit einer besseren Rückgabe – verschossen wurde (81.). „Wir hatten eigentlich einen anderen Spieler bestimmt“, verriet Philipkowski, „aber Dario hat sich dazu entschieden, zu schießen – und die Jungs haben es untereinander so festgelegt“, ehe „Piepel“ anfügte: „Er wollte da nochmal etwas Besonderes machen. Man verschießt Elfmeter nicht nur links oder rechts, sondern auch mal in der Mitte. Das haben wir letzte Woche auch auf ganz hohem Niveau gesehen. So ist Fußball“, sprach er auf den vergebenen „Elfer“ von Martin Hinteregger im Europa-League-Halbfinale von Eintracht Frankfurt beim FC Chelsea an.

Mit dem Kopf schon im Flieger

„Unterm Strich hätte es St. Pauli auf jeden Fall verdient gehabt, hier noch einen Punkt zu holen“, konstatierte auch Zimmermann. „Meine Mannschaft war am Ende ein bisschen müde, vielleicht schon in Vorbereitung auf den Flug nach Mallorca am Abend.“ Schon um 20:30 Uhr soll der Flieger der Garbsener in Richtung der beliebten Baleareninsel im Mittelmeer aufbrechen – und das mit reichlich guter Laune. Denn: „Letzten Endes ist es für uns natürlich ein überragender Abschluss und wir krönen damit eine riesen Rückrunde!“

Die komplette PK mit beiden Trainern im Video

Autor: Dennis Kormanjos

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