17.05.2019

Meister AFC feiert trotz 0:2 in „ernstzunehmendem Freundschaftsspiel“: „Aufstieg wäre die Kirsche auf der Torte“

Vizemeister FC Teutonia 05 siegt vor 3087 Zuschauern im Derby an der „AJK“

AFC-Kapitän Marco Schultz (Mitte) durfte aus den Händen von HFV-Präsident Dirk Fischer die Meisterschale entgegennehmen. Foto: Heiden

So richtig abwarten konnte auf der Bank von Altona 93 im Spiel gegen den FC Teutonia 05 (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) keiner mehr. Schon bevor Schiri Luca Jürgensen seine Pfeife zum finalen Pfiff an den Mund führte, hatte der eine oder ander Spieler eine Sektflasche in der Hand. Dann, als der Referee das Spiel beendet hatte, kannte nichts mehr ein Halten: Weder die AFC-Spieler, noch die Korken auf den Flaschen. Allen voran Trainer Berkan Algan und Manager Andreas Klobedanz mussten die ersten Sektduschen über sich ergehen lassen. Dann wurde der seit vergangenem Sonntag feststehende Meistertitel mit den AFC-Fans unter den 3087 Zuschauern. Dass Teutonia 05 das Spiel mit 2:0 gewonnen hatte – es interessierte zumindest auf Seiten der Hausherren niemanden mehr.

„Wichtig ist, dass wir die Meisterschaft gewonnen haben. Klar hätten wir dieses Spiel gewinnen können, das wäre schön gewesen. Aber wir wissen, dass nicht das Spiel heute sondern in erster Linie die beiden Aufstiegsspiele in der nächsten Woche wichtig sind. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Erst auf den Bremer SV. Wir müssen gucken, was wir dort erreichen und wollen uns eine gute Ausgangslage verschaffen. Wenn das klappt und wir gewinnen, dann können wir mit breiter Brust zuhause gegen den Heider SV auflaufen. Wichtig ist, was uns der Trainer schon die ganze Saison sagt und heute auch nochmal wiederholt hat: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken“, brachte Onur Saglam auf den Punkt, dass die Niederlage nach den Treffern von Aytac Erman (36., Elfmeter) und des zur zweiten Halbzeit eingewechselten Felix Dieterich (62.) aus AFC-Sicht allenfalls eine Randerscheinung war. Trainer Berkan Algan ging sogar noch einen Schritt weiter und erklärte: „Das Spiel heute muss man isoliert von allem sehen. Es war nichts anderes als ein ernstzunehmendes Freundschaftsspiel im Hinblick auf die Spielpraxis einiger Spieler.“

Algan: „Eine Erleichterung ist bei mir noch nicht da – wegen der Relegationsspiele“

Nasse Angelegenheit: Altonas Trainer Berkan Algan musste die eine oder andere Sektdusche über sich ergehen lassen. Foto: Heiden

Und in der Tat: Die Startelf der „Berkan-Bengel“ hielt die eine oder andere Überraschung bereit. „Luis Hacker hat in dieser Woche erst wieder das Training aufgenommen, ihn haben wir ebenso spielen lassen wie Ahmet Colak. Onur Saglam haben wir in die Innenverteidigung gepackt, Ersen Asani hatte einen langen Kampf, nachdem er erst verletzt, dann fit und dann wieder verletzt war. Auch er hat sich heute reingeknallt. Eudel Monteiro hat auf einer neuen Position gespielt, Joshua Gebissa haben wir rechts hinten ausprobiert, Tolga Tüter hat von Anfang an gespielt, Pablo Kunter hat sein erstes Spiel seit drei Monaten absolviert“, präzisierte Berkan Algan nach dem Schlusspfiff und ließ dann tief in seine Gefühlslage blicken: „Ich bin stolz auf die Jungs und darauf, dass ein so toller Verein und die tollen Anhänger erstmals nach viel zu langer Zeit endlich wieder einen Meistertitel feiern dürfen. Dass das meiner Mannschaft und wir im 125. Jahr des Vereinsbestehens gelungen ist, ist ein Privileg, ich freue mich unglaublich. Die Jungs sind damit in die AFC-Geschichte eingegangen. Unsere Hauptaufgabe – die Meisterschaft – ist erledigt.“ Doch „Berki“ ließ in seinen Ausführungen direkt das große „Aber“ folgen.

„Eine Erleichterung ist bei mir noch nicht da – wegen der Relegationsspiele. Ich fühle noch eine große Spannung. Das werden die Jungs ab morgen früh auch wieder. Wir wissen: Diese beiden Spiele sind unglaublich unberechenbar. Wir versuchen, unser Bestes zu geben. Vielleicht schaffen wir das“, richtete Algan den Blick auf jene beiden Partien gegen den Bremer SV (22. Mai) und den Heider SV (26.Mai), die den AFC im Idealfall wieder zurück in die Regionalliga bringen sollen. Ins gleiche Horn stieß auch Patrick Hartmann, der in den zweiten 45 Minuten im Tor stand, nachdem Algan zunächst Anton Matthäi zwischen den Pfosten aufgeboten hatte. „Es ist ein echt geiles Gefühl, vor über 3000 Zuschauern zu spielen. Ich habe ja selten gespielt in diese Saison. Aber Tobias Grubba (Altonas Stamm-Torhüter, Anm. d. Red.) hat eben auch 16 Mal zu Null gespielt. Es hat Spaß gemacht, diese eine Halbzeit zu spielen. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Die nehmen wir bis Mittwoch mit. Man hat schon nach dem Spiel beim SC Condor gesehen, dass wir zurückhaltend gefeiert haben. Wir haben ein bisschen gefeiert, aber nicht allzu groß. Auch jetzt werden wir das Augenmerk schnell auf Mittwoch richten“, konstatierte der Keeper.

Titze: „Wir sind Erster der letzten Saison – und Altona hat es besser gemacht als der HSV“

Pure Freude nach dem Schlusspfiff: Anton Matthäi, Patrick Hartmann, Luis Hacker, Hischem Metidji und Marco Schultz (v. re.). Foto: Heiden

Denn: Um die Bedeutung der kommenden Woche wissen sie alle an der „AJK“ nur allzu gut. „Ich kann den Meistertitel noch gar nicht so richtig realisieren, weil wir noch zwei wichtige Spiele vor uns haben. Vielleicht sind es die wichtigsten seit langem für Altona. Es ist etwas ganz Besonderes, dass dieser Verein nach fast 70 Jahren wieder Hamburger Meister geworden ist, Wir wollen diese beiden Aufstiegs-Spiele gewinnen, weil wir aufsteigen wollen. Ab morgen früh, wenn wir wach werden, werden wir uns komplett auf diese Bergegnungen vorbereiten. Es ist wichtig, dass wir Gas geben und diese Spiele gewinnen“, brachte es Onur Saglam nach dem Schlusspfiff auf den Punkt. Und auch Tolga Tüter dachte schon in diese Richtung „Für uns war es von Anfang an klar, dass wir eine Liga höher wollen. Klar ist die Meisterschaft etwas ganz Tolles, aber sie bringt uns nichts, wenn wir jetzt die Relegation nicht schaffen. Wir können uns noch steigern. Der Aufstieg wäre die Kirsche auf der Torte“, gab der Stürmer nach dem Schlusspfiff der Partie auf dem Rasen der „AJK“ zu Protokoll, „der Trainer hat heute bewusst Spieler gebracht, die nach einer Verletzung aus der Pause dazugestoßen sind, damit diese reinkommen. Auch sie müssen in der Relegation da sein.“

Stichwort Relegation: Für die beiden Aufstiegsspiele wird auch Sören Titze zum Altona-Fan. „Ich wünsche Altona viel Erfolg, dass sie Hamburg ordentlich vertreten und dass sie in der nächsten Saison mit diesem tollen Publikum in der Regionalliga spielen“, sagte der Teutonia-Trainer, der die Saison mit seiner Elf als Vizemeister beendet. „Wir waren heute in der ersten Hälfte nicht so zielstrebig, haben uns an den langen Bällen beteiligt – auch wenn das nicht unser Matchplan war. In der zweiten Halbzeit haben wir viel mehr und besser den Ball laufen lassen, sind konsequenter angelaufen. Wir haben die Jungs nochmal an der Ehre gepackt, dass sie alles reinwerfen, damit wir unser nach dem Süderelbe-Spiel ausgegebenes Ziel von zwölf Punkten aus den letzten vier Spielen erreichen. Das war ein guter, aber kein sehr guter Abschluss“, bilanzierte Titze. „Sehr gut“, so Titze, „ist eine Saison erst, wenn man das Maximum erreicht.“ Und genau das steht für die kommende als Ziel auf dem Zettel: „Wir werden zeigen, dass wir eine schlagkräftige Truppe haben, die oben angreift. Vor dieser Saison hat jeder gesagt: Dassendorf wird sowieso Meister, das Ding ist durch. Wenn man mal guckt: Wir sind bis auf Altona, die von oben abgestiegen sind, vor allen anderen eingelaufen. Auch vor Dassendorf und Vicky. Wir sind also Erster der letzten Saison. Und Altona hat es eben einfach besser gemacht als der HSV“, schloss Titze mit einem Seitenhieb auf die Nicht-Aufsteiger-Profis aus dem Volkspark sein Statement.

Jan Knötzsch   

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