15.05.2019

Großer Knall beim BSV: GmbH hinfällig – „Wir werden seit drei Monaten nur hingehalten“

Buxtehude wird am Freitag gegen den SVNA nicht antreten

Katerstimmung im Jahnstadion: Die Fußballer des Buxtehuder SV fühlen sich vom Gesamtverein seit Monaten hingehalten – und reagieren nun erneut. Foto: Bode

Es war ein Blick ins Internet – und schon hatte Jan Arp, der Manager des SV Nettelnburg-Allermöhe, Fragezeichen in den Augen. Denn: Bei „fussball.de“ steht es wie folgt: Das Spiel des SVNA am Freitag in der Landesliga Hansa gegen den Buxtehuder SV wird nicht stattfinden, weil die Gäste aus Buxtehude nicht antreten werden. Der Grund dafür? „Ich habe null Infos“, meldete Arp an die FussiFreunde-Redaktion. Für Aufklärung sorgt uns gegenüber allerdings „Momo“ Tan, der Trainer des BSV: „Es hat gestern Abend richtig geknallt“, teilt er mit. 

Die Konsequenz: „Ich habe meine Schlüssel abgegeben. Die Mannschaft wird nicht spielen. Und ich glaube auch nicht, dass irgendeiner aus dem Kader in der kommenden Saison noch für Buxtehude spielen wird, auch wenn alle gerne bereit gewesen wären, weiter das BSV-Wappen auf der Brust zu tragen.“ Aber: Die Rettung in Form einer Ausgliederung der Fußballer aus dem Verein als eigenständige GmbH, so wie zuletzt angedacht war, wird es „so nicht geben“, verrät uns Tan. Was passiert ist? „Wir haben immer nur mit dem Präsidenten sprechen können, die anderen Mitglieder aus dem Führungskreis haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr zu Gesicht bekommen. Jetzt hat man uns mitgeteilt, dass man gedenkt, am 27. Mai nochmal in einer Mitglieder-Versammlung darüber zu diskutieren, wie es mit dem Fußball in Buxtehude weitergeht und dann darüber zu entscheiden, was Sache ist – also ob es eine Ausgliederung geben wird oder nicht. Es müsse noch Dies und Das geklärt werden. Wir werden seit drei Monaten immer nur hingehalten. Wir sind dem Verein immer wieder entgegengekommen, haben uns fair verhalten“, erzählt Tan.

„Wie sich der Verein verhält, zeigt die Wertschätzung, die der Fußball beim BSV hat...“

Das Lachen ist BSV-Trainer Momo Tan in der näheren Vergangenheit inzwischen vergangen, wie er erklärt. Foto: Brussolo

Der Verein habe derweil „immer wieder den Präsidenten vorgeschickt, damit er bei uns einen auf gut macht und die anderen waren nie davon überzeugt, was wir wollten. Der Präsident konnte sie nicht dafür begeistern, sie haben immer wieder ein Veto eingelegt“, redet Tan im Gespräch mit uns Klartext: „Für mich war es das. Ich habe vorm Spiel gegen Altengamme den Platz kreiden müssen, damit wir überhaupt spielen können. Zudem habe zuletzt ich sowohl die Erste als auch die Zweite Mannschaft trainiert. Niemand vom Verein ist für uns da.“ Die Zustände der letzten Wochen und Monate, so Tan, könnten weder er noch seine Kicker sich gefallen lassen. „Das ist alles eine reine Hinhalte-Taktik. Die ganzen Probleme hätte man innerhalb von einer Woche klären können. Aber irgendwann ist einfach Schluss. Wir haben auch keine Lust mehr darauf, dass es jede Woche eine neue Wasserstandsmeldung gibt. Es gibt auch anderswo Fußballvereine und Teams, die Trainer und Spieler suchen. Wir haben alles dafür getan, dass es weitergeht: Sponsoren rangeholt, selbst die Spieler, die schon woanders eine Zusage gegeben haben, haben ihr Wort bei anderen Vereinen zurückgenommen, weil es in Buxtehude ja weitergehen sollte“, präzisiert der BSV-Coach.

Die Konsequenz ist eben nun, dass das Team nicht antritt. „Es kann alles zu Ende gehen, aber es sollte fair sein. Das war es aber nur einseitig von unserer Seite aus. Wir wollten gerne zu Ende spielen, aber so wie die Situation ist, sind uns Hände und Füße gebunden“, sagt Tan und ergänzt: „Wie sich der Verein verhält, zeigt die Wertschätzung, die der Fußball beim BSV hat...“ Er sei „in den vergangenen Wochen über so viel Plätze in Hamburg gelaufen, um neue Spieler für die kommende Saison zu beobachten und zu gewinnen“, berichtet Tan, „aber es ging und ging nicht weiter. Jetzt stehen wir alle da wie die Deppen. Wie soll man nach dem 27. Mai noch vernünftig eine Mannschaft planen? Das ist alles viel zu spät.“ Zusätzlich schade aus Tans Sicht: „Wir haben Spieler aus 21 verschiedenen Nationen in unserer Mannschaft – von Bangladesch bis Japan ist fast alles dabei. Das ist Integration vom Allerfeinsten. Es war mir eine Ehre, mit dieser Multi-Kulti-Mannschaft zu arbeiten. Ich habe gesehen, dass der Fußball Menschen verbindet. Das sind alles ganz feine Jungs, wir haben guten und geilen Fußball geboten. Es ist traurig, dass das auseinander geht.“

Jan Knötzsch 

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