12.05.2019

„Unterm Strich sind wir praktisch Meister – theoretisch nicht“

Ex-Bramfelder verhilft Bramfeld zur (Fast-)Meisterschaft

„Zu 99,9 Prozent war’s das“, jubelte Lars Lüdemann nach dem Sieg im Bramfelder Teamkreis. Foto: Kormanjos

Keine Sekt- oder Bierduschen, kein ekstatischer Jubel – keine Vorentscheidung? „Unterm Strich sind wir praktisch Meister – theoretisch nicht“, verkomplizierte Mirko Schulz die Bramfelder Rechenspiele. „Solange wir theoretisch nicht Meister sind, werden wir auch nichts feiern“, begründete er die Zurückhaltung seines Teams nach dem Abpfiff. Auch Carsten Henning – gemeinsam mit Schulz auf der Kommandobrücke des BSV – ließ unmittelbar nach dem 5:0-Erfolg beim SV Bergstedt (alle Highlights im LIVE-Ticker) die Bescheidenheit walten: „Auch wenn’s eine blöde Floskel ist: Aber rechnerisch können wir noch immer abgefangen werden“, gab er mit einem verschmitzten Lächeln zu Protokoll.

Rein faktisch sieht die Ausgangslage in der Landesliga Hansa vor den letzten beiden Spieltagen wie folgt aus: Der Bramfelder SV hat sechs Punkte und 35 Tore Vorsprung auf den VfL Lohbrügge. Praktisch ist also alles entschieden, ganz theoretisch aber noch nicht, um noch einmal den Wortlaut von Schulz zu bemühen. „Wenn man es mal andersherum dreht und eine Mannschaft gegen den Abstieg spielt, dann gibt’s s auch noch nichts zu feiern, so lange man nicht auch rechnerisch definitiv durch ist“, so Henning. „Deshalb müssen wir nächste Woche gegen Hamm nochmal unsere Leistung abrufen.“ So wie auch im Gastspiel beim SV Bergstedt, das kaum kurioser hätte beginnen können. Die Gäste hatten von Anfang an die Spielkontrolle inne, ließen den Ball gekonnt durch die eigenen Reihen zirkulieren – und gingen durch einen Doppelschlag in Führung. Ein Doppelschlag, für den sich jedoch der Gegner verantwortlich zeigte – und zwar in Form von einer Person, die nach etlichen Jahren beim Bramfelder SV erst im vergangenen Sommer an die Teekoppel gewechselt ist: Max Selch. Erst verlängerte der „Blondschopf“ einen Freistoß von Kevin Mellmann unglücklich in die eigenen Maschen (16.), dann sorgte ein Kommunikationsproblem mit seinem Torsteher Salman Naveed Ashraf dafür, dass Selchs völlig missglückter Rückpass nur 120 Sekunden später erneut im eigenen Gehäuse landete (18.). Slapstick pur – 0:2!

„Ein sehr reifer und disziplinierter Auftritt“

Ausgerechnet dem Ex-Bramfelder Max Selch unterliefen zwei Eigentore.

„Das waren zwei unglückliche Situationen“, konstatierte auch Schulz. „Wir haben die Tore natürlich gerne mitgenommen, aber unterm Strich geht das Ergebnis auch in der Höhe in Ordnung.“ Die Hausherren halfen bei beiden Treffern ordentlich mit, aber auch so war der Hansa-Spitzenreiter klar am Drücker. Henning bescheinigte seiner Elf hinterher einen „sehr reifen und disziplinierten Auftritt“ – und befand zudem: „Wir haben kaum bis gar keine Torchancen für den Gegner zugelassen, aber selbst viele kreiert.“ Eine davon nutzte Robin Polzin noch vor der Pause, als er eine zu kurz geklärte Skalnik-Ecke am zweiten Pfosten per Direktabnahme ins kurze Eck jagte (45.). Der zweite Durchgang entwickelte sich mehr oder minder zu einem lässigen Schaulaufen der Bramfelder, die das Ergebnis durch Tore von Milos Ljubisavljevic, der nach einem Polzin-Zuspiel eiskalt abschloss (69.), und Marcel Perz, der einen von Willem Jacke verursachten Handelfmeter sicher verwandelte und sich damit für seine starke Leistung belohnte (76.), auf 5:0 in die Höhe schraubten.

„Hosen-Posse“ sorgt für Gelächter

Am Ende war es nur ein Aspekt, mit dem der BSV während der 90 Minuten zu kämpfen hatte: Die Hosen. Da die Mannen von der Ellernreihe im komplett schwarzen Dress anreisten und Bergstedt in roten Trikots, aber ebenfalls in schwarzen Hosen spielte, ordnete Referee Björn Krüger vor dem Spiel an, dass die Gäste untenrum weiß tragen sollen. Da einige Spieler unter den hellen Shorts – aufgrund der angedachten dunklen Kleidungswahl – noch schwarze Unterziehhosen trugen, schickte Krüger, der auch Bergstedt-Coach Christian Dittmar, der sich über den Handelfmeter echauffierte, aber keineswegs beleidigend wurde, einen Bramfelder nach dem anderen zum „Umziehen“ und sorgte damit für eifriges Schmunzeln bei Lüdemann, Lüth, Mohr und Co.

„Dann machen wir uns vielleicht auch ein Bier auf“

Hatten allen Grund zur Freude: Milos Ljubisavljevic (li.) und Marcel Perz. Foto: Bode

So gut die Laune auch war, so zurückhaltend gaben sich Henning/Schulz-Mannen nach der Partie. Kann da wirklich noch etwas anbrennen mit der Meisterschaft? „Nö“, entgegnete Schulz. Während Henning meinte: „Wenn man die ganze Saison über nur zwei Niederlagen kassiert, fünfmal Unentschieden spielt und den Rest gewinnt, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass man die letzten beiden Spiele verliert. Aber trotzdem wollen wir weiter Gas geben, unsere Spiele gewinnen – denn wir sind jetzt Rückrunden-Erster und wollen das auch bis zum Ende bleiben, damit wir dann eventuell auch verdient aufsteigen.“ Schon am kommenden Freitag soll das „eventuell“ gestrichen werden, wenn der BSV vor heimischer Kulisse den lange Zeit größten Widersacher aus Hamm – die „Geächteten“ haben ihren zweiten Platz gegen Lohbrügge eingebüßt und müssen zwingend gewinnen – empfängt. „Das sind die Spiele, worauf man während einer Saison hinarbeitet“, so Henning. „Die freuen sich drauf, wir uns auch. Das wird ein schönes Spiel vor hoffentlich toller Kulisse“, ist sich Schulz sicher. Und sollte es für seine Bramfelder danach auch rechnerisch endgültig fix sein mit der Meisterschaft, „machen wir uns vielleicht auch ein Bier auf“, beschloss Schulz sein Statement mit einem Augenzwinkern.

Autor: Dennis Kormanjos

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