12.05.2019

Erman macht Titze und „T05“ zum Vize: „Nächstes Jahr ist unser Anspruch das Maximum“

2:1-Erfolg gegen Vicky beschert Teutonia Platz zwei – Zwei Platzverweise

Bild mit Symbolcharakter: Nicht nur im Spiel, sondern auch in der Tabelle steht Davidson Eden (re.) einen kleinen Schritt vor Timo Stegmann und dem SCV. Foto: Mathias Reß

Die Partie war längst beendet und die Frage nach dem Vizemeister nach dem 2:1-Sieg des FC Teutonia 05 gegen den SC Victoria (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) beantwortet, da ging der Blick von der Kreukirche noch einmal ein paar Kilometer weiter. In Richtung Griegstraße und Altona 93. „Großen Glückwunsch nach Altona. Man muss anerkennen, wie konstant sie gepunktet haben. Sie sind verdient Meister geworden“, gratulierte Vicky-Coach Fabian Boll dem AFC und auch Sören Titze schickte warme Worte an den Kontrahenten: „Ich hoffe, dass sie mit viel Erfolg in die Aufstiegsrunde gehen, Hamburg gut vertreten und das Ziel erreichen. Das würde ich jeder anderen Mannschaft auch gönnen – das gehört einfach dazu, wenn man aus Hamburg kommt.“

Gerne aber hätte der Coach der Teutonen selbst mit seiner Equipe diese Aufstiegsrunde gespielt, das steht außer Frage. Aber ist der „Vize“ für Titze und den Club, der vor der Saison und im Winter nochmal ordentlich in Beine investiert hatte, nun ein Erfolg oder ein Misserfolg? „Wir hatten es nach der Niederlage im Spiel gegen Süderelbe in den letzten Partien einfach nicht mehr in den eigenen Füßen. Ich habe nach dem Spiel gegen Süderelbe gesagt, dass wir aus den letzten vier Begegnungen gerne zwölf Punkte holen wollen, um da zu sein, wenn Altonas Serie reißt und sie das Quäntchen Glück, das man braucht und das sie sich erkämpft haben, nicht mehr haben sollten. Wir wollten mindestens Zweiter werden, Im vergangenen Jahr waren wir Dritter. Schon jetzt, wo noch ein Spiel zu spielen ist, haben wir mehr Punkte als in der vorherigen Saison. Am Ende des Tages ist das eine gute Leistung. Aber unser Anspruch ist nächstes Jahr – so wie in der Schule – das Maximum. In der Schule ist das ein 'sehr gut'. Für uns heißt das, dass wir ganz nach oben wollen“, erklärte Titze nach dem Schlusspfiff. 

Titze: „Jetzt wollen wir Altona bei der Meisterfeier nochmal in die Suppe spucken“

Klaas Kohpeiß (re.) traf zur anfänglichen 1:0-Führung für Vicky. Foto: Mathias Reß

Dafür, dass es in dieser Saison tatsächlich zum von Titze avisierten finalen Platz reicht, lag an Aytac Erman. Der Top-Torjäger der Teutonen schlug auch im Duell der geschlagenen Verfolger des neuen Hamburger Champions Altona 93 zwei Mal zu – allerdings erst, als die Gäste bereits mit 1:0 in Führung gegangen waren: Nach elf Minuten hatte Klaas Kohpeiß für Vicky getroffen. Die Freude über die Führung währte beim Hoheluft-Club jedoch nur fünf Minuten, dann kam Nick Gutmann im SCV-Strafraum zu Fall und Referee Janik Möller (SV Lieth) deutete auf den Elfmeterpunkt. Erman trat an und verlud Victoria-Schlussmann Dennis Lohmann – 1:1. Danach dauerte es bis weit in die zweite Hälfte hinein, ehe ein weiterer Treffer fiel. Auch, weil Referee Möller – anders als nach 16 Minuten „pro“ Teutonia – in der 44. Minute nach einem Duell zwischen Teutonias Georgios Cholevas und Dennis Bergmann im „T05“-Strafraum, in dem Bergmann zu Boden ging, nicht auf den Punkt zeigte, sondern weiterspielen ließ. So also war es Erman überlassen, den letzten Treffer des Matches zu erzielen, als er nach 76 Minuten Lohmann zum zweiten Mal an diesem Nachmittag überwand.

Zu diesem Zeitpunkt übrigens spielten die Hausherren bereits mit einem Mann weniger. Dino Fazlic gelang das zweifelhafte Kunststück, erst in der 55. Minute die Gelbe Karte zu sehen und dann in der 56. Minute zu einer Grätsche im Mittelfeld auszuholen, die ihm die „Ampelkarte“ einbrachte. Sehr zum Leidwesen seines Coaches. „Innerhalb von eineinhalb Minuten zwei Mal die Karte zu sehen – das kann ich so nicht gutheißen, weil wir wissen, dass es noch um die Vizemeisterschaft geht. Da muss man cleverer sein. Ich muss erwarten können, dass sich ein Spieler so im Griff hat, dass das nicht passiert“, konstatierte Sören Titze, fügte aber auch hinzu: „Wie die Mannschaft damit umgegangen ist und trotzdem versucht hat, Nadelstiche zu setzten – dafür gebührt ihr ein großes Kompliment.“ Auch Vicky dezimierte sich im zweiten Durchgang noch selbst: Yannick Petzschke sah nach einem Foul an der Grundlinie gegen Nick Gutmann, der anschließend beschwichtigend eine Rudel-Bildung verhinderte, acht Minuten vor dem Abpfiff der Partie die Rote Karte.  

Boll: „Gutmann hat uns ein paar Mal schon eingedreht – er war der Unterschied-Spieler“

Hier ist André Monteiro Branco (li.) zwar mal schneller als Nick Gutmann, insgesamt aber hatte der SCV Probleme mit dem Teutonen. Foto: Mathias Reß

„Wir haben es in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht, in der zweiten Hälfte haben wir nach dem Platzverweis gegen Teutonia die Konsequenz vermissen lassen und die Sache nicht klar genug ausgespielt“, befand Fabian Boll nach dem Spiel. Besonders der Gegentreffer zum 1:2 nach einem „Eier-Standard“, wie es der Vicky-Coach betitelte, ärgerte „Boller“: „Ich hab' das gar nicht mitgekriegt. Auf einmal lag der Ball im Netz. Unser Ziel war es, drei Punkte zu entführen, weil es ja noch das große Thema Vizemeisterschaft gab. Das hat heute einen herben Dämpfer erhalten, so dass wir es ad acta legen müssen. Das ist ärgerlich. Aber wenn man mal alles Revue passieren lassen, dann bin ich mit der Art und Weise, wie die Jungs das mit uns durchgezogen haben, sehr einverstanden.“ Zum Schluss gab es dann noch ein Sonderlob von Boll. Aber nicht für einen der Seinen, sondern für einen Kicker des Gegners: „Nick Gutmann hat uns ein paar Mal schön eingedreht, er war der Unterschied-Spieler auf dem Platz“, musste Vickys Übungsleiter anerkennen.

Auch Sören Titz hatte es ähnlich gesehen: „Chapeau, was er über die 90 Minuten gespielt hat“, schrieb Teutonias Trainer seinem Schützling ins Stammbuch und analysierte: „Ich bin mit unserer ersten Hälfte nicht zufrieden gewesen. Dementsprechend habe ich in der Pause etwas länger gesprochen als sonst. Es kommt selten vor, dass mich der Schiri an der Kabine abholt, normaler Weise bin ich da sonst schnell raus. Aber ich war mit den Abständen, unserem Anlaufen und der Frage, wie wir kompakt pressen oder uns fallen lassen nicht einverstanden. Das hat nicht so gut funktioniert. In der zweiten Halbzeit haben wir dann zu elft gegen elf Mann zwei, drei Chancen – das war richtig gut.“ Seine Elf habe, auch wenn der Meistertitel des AFC schon vorm Anpfiff feststand, „die Aufgabe vernünftig angenommen und um die Vizemeisterschaft gekämpft. Jetzt haben wir noch ein Spiel: In der Hinrunde haben wir das Derby gegen Altona verloren. Jetzt fahren wir dahin, wollen alles rausholen, uns selbst gut verabschieden und denen bei ihrer Meisterfeier nochmal in die Suppe spucken, so dass sie nicht ganz so gut schmeckt“, so Titze.

Jan Knötzsch   

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