04.05.2019

Falke „völlig uninspiriert“: „Jetzt kann man dem ETV zum Titel gratulieren“

„Hellmänner“ verlieren mit 0:1 gegen Abstiegsaspirant SC Sperber

Der HFC Falke am Boden: Für Steve Schönfeld und seine Teamkollegen dürfte der Kampf um die Meisterschaft erledigt sein. Foto: Bode

Und dann schlug das Schicksal richtig zu – zum Leidwesen von Dirk Hellmann und seinen Schützlingen. Es lief die 73. Minute im Gastspiel des HFC Falke beim SC Sperber, als HFC-Akteur Sebastian Gonzales etwa 18 Meter vorm Kasten über den Ball säbelte und ihm das Spielgerät dann an die Hand sprang. Schiedsrichter Torbjörn Niendorf entschied auf Freistoß für die Gastgeber. Benjamin Baarz schnappte sich die Kugel, lief an und schoss. Das Leder wurde abgefälscht, Falke-Schlussmann Marco Wendt war in die andere Ecke unterwegs, konnte nichts mehr machen – und die Kugel schlug im Torwarteck zum 1:0 für die Hausherren ein. Es sollte der Anfang vom Ende für die Elf von Gäste-Coach Hellmann in Alsterdorf an diesem Abend sein. 

„Es fällt mir schwer“, begann „Helle“ seine Analyse des Spiels und musste zugeben: „Wir sind unterm Strich alle extrem enttäuscht – die Spieler auf dem Platz, die es in der Hand hatten, eine vernünftige Leistung abzuliefern und es nicht geschafft haben. Wir draußen und auch die Fans, die uns überragend unterstützt haben. Es war eine geile Kulisse.“ Vor der aber schaffte es der HFC „90, oder sagen wir besser: fast 100 Minuten, weil der Schiedsrichter sehr lange hat nachspielen lassen“ nicht, seinen treuen Anhang mit einem „Dreier“ zu beglücken: „Wendt hatte keine Chance, an den Ball zu kommen. Dadurch, dass der Freistoß abgefälscht wird, wird er auf dem falschen Fuß erwischt und die Kugel schlägt genau im Knick ein. Das war der negative Höhepunkt des Spiels“, konstatierte Hellmann, der immerhin in der Endphase noch zwei Chancen seiner Elf auf den Ausgleich sah. Und eine davon war der Aufreger des Spiels.

„Da hat Göbel ein riesiges Glück gehabt, Schönfeld schiebt den Ball sonst rein“

Benjamin Baarz traf per Freistoß für Sperber. Foto: Bodea

Erst setzte sich Steven Schönfeld über links durch, Gian Darius Nicolai verwertete den Ball, aber Sperbers Keeper Daniel Göbel sowie ein Verteidiger warfen sich in den Schuss, so dass der Ball zu Alexander Briegert kam. Der allerdings zielte aus Nahdistanz am langen Eck vorbei. Szene Nummer zwei ereignete sich in der 82. Minute: Yannick Bräuer bediente Schönfeld, der an Göbel vorbei gehen wollte. Doch Sperbers Schussmann brachte den Falke-Fußballer zu Fall. „Das ist eine klare Rote Karte. Der Schiedsrichter hat später gesagt, dass es keine Doppel-Bestrafung gibt und er deswegen nur die Gelbe Karte gezeigt hat, Aber die Regel gibt’s nur beim Elfmeter. Das Foul war aber außerhalb des Sechzehners. Da hat Göbel ein riesiges Glück gehabt, Schönfeld schiebt den Ball sonst rein“, so Hellmann, der – ebenso wie sein Trainer-Kollege Ingo Glashoff auf der anderen Seite – danach diverse Chancen zu sehen bekam, die nicht in Toren endeten: So vergab zum Beispiel Lukas Wiese nach einer Standard von Finn Hanke per Kopf für Falke, Baarz scheiterte für Sperber mit eine weiteren Freistoß am diesmal stark parierenden Wendt.

Auch zuvor war es schon munter zugegangen. Beispiele gefällig? Bitte, gerne: Nach Bräuers Hereingabe von rechts, lenkte ein Sperber-Abwehrspieler den Ball aufs eigene Tor, wo Göbel stark reagierte. Baarz köpfte für Sperber übers Falke-Tor (14.), Göbel parierte bei Bräuers Linksschuss (20.). Die größte Gelegenheit der Gastgeber vergab Manuel Henkel, als Falke auf Abseits spielte, was aber missglückte. So steuert Henkel dann auf Wendt zu, der lange oben blieb, die Ruhe behielt und in dem Moment, als Sperbers Angreifer ihn überlupfen wollte, die Hände nach oben riss und die Chance zunichte machte (22.). Schönfelds Kopfball nach einem Freistoß von Hanke (30.) brachte Falke ebenso keinen Ertrag wie Briegerts Schuss in der 45. Minute. Drei Minuten nach Wiederbeginn traf Thomas Koster dann zwar für die Gäste, aber der Treffer zählte wegen einer Abseitsstellung nicht. Zurecht, wie HFC-Übungsleiter Hellmann nach der Partie erklärte. Zwei Mal hatte seine Elf derweil vorm Rückstand Glück gehabt: In der 55. und 70. Minute zielte Henkel nicht genau genug, um die Glashoff-Equipe schon frühzeitiger in Führung zu bringen.

„Wir haben wieder gegen einen Kandidaten von unten nicht gut performt“

Gästecoach Dirk Hellmann ärgerte sich über den uninspirierten Auftritt seiner Elf und eine nicht gegebene Rote Karte für Sperber. Foto: Bode

„Von uns war das insgesamt zu wenig. Wir waren völlig uninspiriert, haben zu wenig Chancen kreiert und hatten zu wenig Durchschlagskraft nach vorne. Und wenn wir mal über außen durchgekommen sind, dann fehlte im Zentrum die nötige Bewegung oder der gute Pass von außen. Wir waren nicht genau genug und haben nichts erzwungen“, bilanzierte „Helle“ nach der seiner Einschätzung nach „bitteren Niederlage.“ Für seine Elf gelte es nun „das ganze abzuschütteln. Wir haben wieder gegen einen Kandidaten von unten nicht gut performt. Wenn es spielerisch nicht hinhaut, was auf diesem Platz schwer ist, dann muss aus den Standards mal was passieren. Uns hat einfach auch die Qualität gefehlt, die uns mal ausgezeichnet hat, Auch den unbedingten Willen habe ich vermisst. Das ist sehr deprimierend“, so Hellmann weiter, „wir müssen uns jetzt sammeln, was durch diesen Niederschlag nicht einfach wird. Aus den letzten Spielen müssen wir drei Siege einfahren und am Ende dann gucken, was rauskommt. Man kann dem ETV (gewann gegen den SC Poppenbüttel mit 5:0, Anm. d. Red.) jetzt schon zum Meistertitel gratulieren. Wir selbst müssen schauen, was mit dem Koeffizienten ist, wenn BU II die Tür zu Platz zwei noch einmal aufmacht." Wir hatten es in der Hand und haben es aus der Hand gegeben, Sperber hat nach dem Sieg gut Chancen, die Klasse zu halten. Es würde mich wundern, wenn sie das nicht schaffen.“

Jan Knötzsch 

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