27.04.2019

HSV-U21 in Unterzahl: „Zwei verschiedene Mentalitätshälften“ - aber keine zufriedenstellende

Klassenerhalt fix? „Das war ein Thema für euch, nie für uns!“

Profi-Leihgabe Tatsuya Ito (li.) bereitete den Ausgleich vor, trat ansonsten aber kaum in Erscheinung. Foto: Heiden

„Das war...“, holte Steffen Weiß aus – und rang zunächst nach den richtigen Worten, „wie soll ich das sagen“, fragte er unkend, um dann die passende Antwort zu liefern: „Die kampfbetonte Mentalität, die du in der Regionalliga brauchst, war eigentlich erst da, als wir ein Mann weniger waren – weil wir da gemerkt haben: So wie wir vorher gespielt haben, so geht‘s nicht.“ Und auch wenn es in numerischer Unterzahl besser wurde (alle Highlights im LIVE-Ticker), bilanzierte der Übungsleiter der HSV-U21 nichtsdestotrotz enttäuscht: „Es waren zwei verschiedene Mentalitätshälften. Die erste Mentalitätshälfte war bis zur Roten Karte, die zweite danach. Wenngleich ich auch mit dem Spiel nach der Roten Karte nicht zufrieden war.“

Ungläubige Miene bei Patric Pfeiffer (li.), der nach seiner Notbremse glatt Rot sah. Foto: Heiden

Es lief die 33. Spielminute am Fuße des Volksparkstadions, wo die Partie aufgrund eines technischen Defekts auf der Heim-Anlage der „Rothöschen“ an der Hagenbeckstraße stattfand, als Patric Pfeiffer gegen Thorsten Tönnies zu spät kam. Da der Verteidiger des HSV-Nachwuchses letzter Mann war, zückte Referee Julian Lüddecke den roten Karton. Ein erster herber Schlag für die Hausherren, bei denen bis zu diesem Zeitpunkt nichts zusammenlief – und der zweite folgte sogleich: Denn den fälligen Freistoß zirkelte Florian Stütz aus 20 Metern herrlich in den rechten Winkel und ließ Morten Behrens vergeblich fliegen – 0:1 (34.). „Wir haben in der ersten Halbzeit – noch vor der Roten Karte – viel zu viele einfache Bälle verloren, die zweiten Bälle nicht verteidigt, die tiefen Läufe von Jeddeloh, die vermehrt lang und weit gespielt haben, schlecht verteidigt und sind nicht richtig nachgerückt", kritisierte Weiß die Darbietung seiner Elf. „Deshalb kann man mit der ersten Halbzeit null zufrieden sein!“

Opoku kläglich, Arp enttäuscht auf ganzer Linie

Den fälligen Freistoß zirkelte Florian Stütz in den Winkel und ließ Morten Behrens chancenlos zurück. Foto: Heiden

Obwohl sein Team mit dem Pausenpfiff noch zum Ausgleich kam – angebahnt hatte sich dieser aber keineswegs. Profi-Leihgabe Tatsuya Ito mit seiner einzig nennenswerten Aktion und dem scharfen Zuspiel von halblinks, in der Mitte vollendete der aufgerückte Jonas Behounek zum 1:1 (45. +2). Nach dem Wechsel hätten die Gäste durch Kasra Ghawilu (51.) und Almir Ziga, dessen Schuss von Henrik Giese auf der Linie geklärt wurde, gleich zweimal antworten können, wenn nicht gar müssen. Während Aaron Opoku die größte Chance auf einem „Heimdreier“ freistehend äußerst kläglich vergab (72.). Vorbereitet hatte jene Szene Jann-Fiete Arp, der ansonsten auf ganzer Linie enttäuschte, komplett blass blieb, viele Bälle leichtfertig vertändelte – und in der 68. Minute von Leon Mundhenk angeraunzt wurde, als er nach einem verloren gegangenen Zweikampf stehen blieb und nicht nachsetzte.

„Was soll noch großartig passieren?!“

Fiete Arp (mi.) enttäuschte gegen Jeddeloh auf ganzer Linie. Foto: Heiden

Seine Teamkollegen machten es aber auch nicht viel besser. „Ein bisschen schwierig, das Ganze heute einzuschätzen“, resümierte Weiß. „Wenn du 55 Minuten mit zehn Mann spielst und durch den daraus resultierenden Freistoß in Rückstand gerätst, am Ende aber einen Punkt holst, würde man sicherlich erstmal denken, das ist okay. Aber wir haben heute nie zu unserem Spiel gefunden. Eigentlich war es mit zehn Männern sogar besser als zu elft.“ Auch wenn man im sechsten Spiel nacheinander ungeschlagen blieb, ist man rechnerisch – sollte Braunschweig aus der Dritten Liga absteigen und mögliche Eventualitäten eintreffen – als Tabellensiebter noch nicht endgültig gerettet. Aber: „Der Klassenerhalt war ja ein Thema für euch, nie für uns“, stellte Weiß nach der Punkteteilung in Richtung der Journalie unmissverständlich klar – und fügte sogar an: „Was soll noch großartig passieren?! Wir haben jetzt aus den letzten sechs Spielen je drei gewonnen und Unentschieden gespielt. Da ist nicht davon auszugehen, dass wir die letzten drei Spiele mit einem Torverhältnis von 0:15 verlieren – das wird nicht passieren. Wir müssen einfach selbst besser spielen, als heute in der ersten Halbzeit. Aber vom Potenzial her war das für uns kein Thema.“

Autor: Dennis Kormanjos

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