22.04.2019

„Wir haben es nicht mehr in den eigenen Füßen“: Keisef knockt „T05“ aus!

Süderelbe feiert 2:0-Sieg an der Kreuzkirche

Ein Bild, das Bände spricht: Teutonias Nikolas Mallwitz (re.) kann es nicht fassen, die Süderelbe-Spieler jubeln. Foto: Matz

Der Mann des Spiels hatte für das, was er da vielleicht angerichtet hatte, eigentlich keinen so großen Blick. „Wir haben gar nicht an die Entscheidung in der Meisterschaft zwischen Teutonia und Altona gedacht, sondern wollten die nächsten drei Punkte holen“, sagte Simon Keisef nach dem 2:0-Erfolg des FC Süderelbe an der Kreuzkirche beim FC Teutonia 05 (Hier gibt’s den Live-Ticker zum Nachlesen), der damit einen dicken Rückschlag im Kampf um den Titel und die Qualifikation für die Aufstiegsrunde hinnehmen musste, nachdem Konkurrent Altona 93 gestern im Auswärtsspiel beim Meiendorfer SV vorgelegt hatte und dreifach punktete. 

Dabei hatte doch auch Teutonia selbst die besten Voraussetzungen, im Zweikampf mit dem geographischen Nachbarn nachzulegen. Nach einer Gelb-Roten Karte für Süderelbe Isaak Hoeling aufgrund eines wiederholten Foulspiel nach 53 Minuten agierten die Gastgeber über eine halbe Stunde in numerischer Überzahl. Doch aus diesem Vorteil machte der Tabellenzweite einfach nichts Zählbares. Ganz anders der Gast. Mit einem Mann weniger auf dem Feld war es der zur Pause ins Spiel gekommene Vedat Düzgüner, der zunächst nach 61 Minuten über links für Keisef auflegte, der zum 1:0 einschoss. Und auch beim zweiten Tor der Begegnung stand Keisef richtig: Nachdem Aleksander Mucunski mit einem Foulelfmeter zunächst an Yannick Zummack scheiterte, versenkte Keisef den Nachschuss - und damit eben vielleicht auch Teutonias Titeltraum (90.). 

Gürsan: „Dieses Gefühl kann man mit Nichts auf der Welt vergleichen“

Süderelbes Matchwinner Simon Keisef (li.) im Zweikampf mit Deran Toksöz. Foto: Matz

„Wir haben in der vergangenen Saison schon zwei Mal gegen Teutonia gewonnen, die scheinen uns als Gegner zu liegen“, grinste der Doppel-Torschütze nach dem Schlusspfiff und erklärte dann: „Vielleicht haben wir uns in Unterzahl mehr getraut, weil wir eh nichts mehr zu verlieren hatten.“ Auch, wenn der FCS „im gesicherten Mittelfeld steht, wussten wir: Da kann man was mitnehmen. Wir wollen die letzten Spiele genau so ernsthaft angehen wie die davor. Wir genießen jetzt dieses Gefühl nach dem Sieg. Scheinbar ist es so dass, wir gegen Spitzenteams einen Schritt mehr gehen wollen und noch mehr für einander kämpfen. Man hat das Gefühl, dass bei dem einen oder anderen die Motivation, nochmal Wege zu gehen, die man sonst nicht macht, höher ist“, fasste Keisef das Rezept zusammen, mit dem sich der FCS, der in dieser Spielzeit bereits gegen Altona 93 nicht schlecht aussah und gegen die TuS Dassendorf sogar zwei Mal gewinnen konnte, die drei Punkte an der „Kreuze“ erspielt und sich damit in ein Gefühl versetzte, dass Timucin Gürsan als eines bezeichnete, „das man mit Nichts in der Welt vergleichen kann.“

Entsprechend „sind wir jetzt sehr glücklich und die Stimmung ist sehr ausgelassen“, konstatierte der FCS-Trainer auf der Pressekonferenz nach der Partie und erklärte: „Wir wussten von Anfang an, dass das kein normales Spiel sein wird, sondern wir eine gewisse Mentalität an den Tag legen müssen. Wir mussten mehr Fleiß als sonst aufbringen, weil Teutonia dem Match in der ersten Halbzeit natürlich seinen Stempel aufdrücken und sein Spiel durchziehen wollte. Wir haben in dieser ersten Halbzeit zwar wenig zugelassen, aber auch fast gar nichts vorne erspielt.“ Um das zu ändern, ersetzte Gürsan nach dem Seitenwechsel Marcel Rordigues durch Düzgüner. „Wir haben unsere Anlaufstrategie verändert und konnten auch das eine oder andere Mal den Ball zirkulieren lassen. Dann bekommen wir die berechtigte Gelb-Rote Karte gegen uns und mussten diese Idee schnell wieder aufgeben. Die Mannschaft hat die Aufgabe mit einem Mann weniger aber trotz der Schwierigkeit überragend angenommen und sich belohnt“, so der Süderelbe-Übungsleiter, der nur einen kleinen Ansatz zur Kritik fand: „Wir hätten die Partie frühzeitiger entscheiden können.“ 

Titze: „Es fehlte daran, Wille und Überzeugung in die Waagschale zu werfen“

Kein Durchkommen: Teutonias Stürmer Franck Sembolo (re.) bleibt an Justin Heinbockel hängen. Foto: Matz

Auf der anderen Seite fiel das Fazit logischerweise ganz anders aus. „Ich bin enttäuscht. Wir hatten in der ersten Hälfte viel Ballbesitz, aber keine Durchschlagskraft. Es gab 40 Standards für uns – da habe ich den Anspruch, dass die Mannschaft auch was daraus macht. Aber es fehlte mir, dass die Jungs die letzten fünf Prozent Gier und Überzeugung an den Tag legen“, bilanzierte Sören Titze. „Danach kommen wir sehr gut aus der Kabine und haben in der zweiten Halbzeit zehn bis 15 Minuten guten Fußball gespielt, waren flexibler, nicht so leicht ausrechenbar und hatten vier, fünf tolle Möglichkeiten“, so der Teutonen-Trainer weiter, „mit elf gegen zehn Mann haben wir dann allerdings schwächer gespielt als vorher. Das enttäuscht mich. In den letzten 20, 25 Minuten war das vogelwild. Es fehlte daran, Wille und Überzeugung in die Waagschale zu werfen. Ich sage nicht, dass wir keinen Bock hatten, aber beim einen oder anderen habe ich die Leidenschaft vermisst und weiß nicht, ob er in der Schlussphase alles aus seinem Körper rausgeholt hat.“ Die Quittung dafür war dann die Niederlage, die Teutonias Situation im Titelkampf und dem Rennen um die Qualifikation zur Aufstiegsrunde schwächt.

„Ich wäre blöd, wenn ich sagen würde, dass sich die Situation nicht verändert hat. Die Spiele werden weniger. Wir wissen nie, was im Fußball möglich ist. Heute hätten 100 von 90 Leuten auch gedacht, das Teutonia gewinnt. Wir haben es jetzt nicht mehr in den eigenen Füßen. Das haben wir verspielt. Wir sind abhängig von anderen. Das ist keine gute Ausgangslage – es wäre fahrlässig, wenn ich sagen würde, die Lage ist besser geworden oder gleich geblieben. Aber ich erwarte von meiner Mannschaft, dass sie bis zum Ende ihre Hausaufgaben macht und in der Theorie da ist, wenn es zu einem echten Finale gegen Altona am 17. Mai kommen sollte“, so Titze. Teutonias Sportlicher Berater Stefan Kohfahl bezog derweil nochmal Stellung zur Verpflichtung von Vincent Boock, der im Sommer ausgerechnet aus Altona zu Teutonia zurückkehrt: „Vincent bietet sich eine neue berufliche Perspektive, die es ihm nicht erlaubt, weiter vier Mal pro Woche zu trainieren wie in Altona. Wir sind seit längerem mit ihm in Kontakt. Dass Altona jetzt schreit, wir würden ihn mit Geld ködern, ist zu einfach gedacht. Das kommt aus der Emotionalität heraus. Die Entscheidung von Vincent ist keine Entscheidung des Geldes.“ 

Jan Knötzsch

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe