08.04.2019

Wer nicht hören will, muss fühlen, kriegt die Quittung oder fliegt raus

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

An dieser Stelle greifen wir regelmäßig die Themen des Hamburger Fußballs aus der Woche und vom Wochenende auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es dabei um die Trennung zwischen Eintracht Norderstedt und seinem bisherigen Trainer Dirk Heyne, die Vorkommnisse beim Landesliga Hammonia-Spiel zwischen dem HSV III und Eintracht Lokstedt, den Antrag des HFV-Präsidiums, den Adil SV vom Spielbetrieb des Hamburger Fußball-Verbandes auszuschließen und die aktuelle Situation beim Buxtehuder SV.

Die Meldung aus der vergangenen Woche überraschte. Weil sie so urplötzlich kam: Der Hamburger Verfassungsschutz hat den Adil SV, seit dieser Saison am Spielbetrieb des HFV in der Kreisklasse B1 teilnimmt, im Visier. Aufgrund dessen, weil der Club nach der Einschätzung der Verfassungsschützer der Hansestadt das Ziel hat, über den Fußball Muslime an die verbotene islamistische Vereinigung Hizb-ut-Tahrir heranzuführen. Dass das Präsidium des HFV daraufhin die Entscheidung gefällt hat, den Verein aus dem Spielbetrieb auszuschließen, ist nur logisch. Darüber kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. 

Dass der HSV III als Wiederholungstäter gilt, macht es vermutlich noch schlimmer

Die Fans des Hamburger SV III stehen im Fokus. Foto: KBS-Picture.de

Wenn ein Organ wie der Verfassungsschutz eine solche Meldung publik macht, dann hat sie Hand und Fuß und ist nicht zu unterschätzen – auch wenn es vielleicht andere gibt, die das anders sehen, Sowohl inner- als auch außerhalb des betroffenen Vereins. Der Verband ist nicht nur gefordert, zu reagieren. Bei solchen Anhaltspunkten, wie sie vorliegen müssen, ist er dazu gefühlt irgendwie sogar verpflichtet. Hier geht`s nicht mehr allein um Menschen, die einfach nur Fußball spielen wollen. Es geht um Strukturen und Vorhaben, die mit der Verfassung in keinerlei Einklang stehen. Auch in einer anderen Sache übrigens wird das HFV-Sportgericht, vor dem der Ausschluss von Adil verhandelt wird, nicht umhinkommen, zu reagieren: Wenn es um die HSV III und Eintracht Lokstedt " href="https://www.fussifreunde.de/artikel/ein-interessantes-landesligaspiel-in-ein-falsches-licht-gerueckt/" target="">Vorfälle beim Spiel zwischen dem HSV III und Eintracht Lokstedt geht. Dort stand am Freitagabend das Spiel kurz vor Spielende vorm Abbruch. Die Geschichte ist schnell erzählt, die Konsequenzen könnten ungleich härter sein.

Nachdem ein Eintracht-Spieler mit einem Ball von den HSV III-Zuschauerrängen beworfen und überdies – wie man hört: rassistisch – beleidigt wurde, feuerte dieser die Kugel zurück. Es folgte eine Rudelbildung und schließlich ließ Schiri Lasse Holst verlauten, er werde das Match nur fortsetzen, wenn die HSV III-Anhänger die Tribüne verlassen. Hut ab vor der klaren Ansage! Eine kluge Entscheidung zur Deeskalation. Wie auch immer das Szenario der Schuldhaftigkeit am Ende auch geklärt werden mag, eines bleibt hängen: Es ist nicht das erste Mal, dass die Fans des HSV III das Sportgericht beschäftigen. Wer sich nicht erinnert: Im Jahr 2016 – nach dem, was um das Spiel gegen den FC Teutonia passierte – gab’s als Strafe Spiele ohne Zuschauer. Eine Konsequenz, die im schlimmsten Fall auch diesmal drohen könnte. Und nicht unangebracht wäre. Wie heißt es doch: Wer nicht hören kann, muss fühlen. Gerade als sogenannter Wiederholungstäter. Dass keine klar erkennbaren Ordner zugegen gewesen sein sollen, obwohl diese auch in der Landesliga Pflicht sind, macht`s vermutlich noch schlimmer. 

Heynes Entlassung ist der normale Gang der Dinge im Fußball-Geschäft

Entlassen: Dirk Heyne ist nicht mehr länger Trainer von Eintracht Norderstedt. Foto: KBS-Picture.de

Eine Pflicht hätte auch Nord-Regionalligist Eintracht Norderstedt am zurückliegenden Wochenende gehabt – rein sportlicher Natur. Gegen den VfB Oldenburg hätte ein „Dreier“ hergemusst, um sich endlich dem drohend nahen Abstiegsgespenst ein wenig zu entziehen. Genau das misslang mit einer 0:4-Pleite. Dass die Eintracht nun, nachdem sie wochenlang zu ihrem Coach stand, doch den Entschluss gefasst hat, sich von Dirk Heyne zu trennen, ist der normale Gang der Dinge. So läuft das Geschäft. Dass wissen sowohl Verein als auch Ex-Coach. Und: Um der Mannschaft im Kampf gegen den Fall in die Oberliga nochmal einen neuen Impuls mit auf den Weg zu geben, war es auch der richtige Schritt, zu handeln. Ob man diesen allerdings nicht bereits ein paar Wochen früher hätte machen müssen – darüber kann man diskutieren. Nun soll es dem Vernehmen nach mit Jens Martens interimsweise der bisherige A-Jugendtrainer richten. Dass Martens zuletzt nur im Nachwuchs unterwegs war, mindert sein Können nicht. Er, immerhin Fußballehrer, könnte die richtige Option sein. Aber: Seine Aufgabe ist ungleich schwerer als die Heynes zuletzt, weil er weniger Spiele für die Rettung zur Verfügung hat…

Ob es noch eine Rettung beim Hansa-Landesligisten Buxtehuder SV gibt? Das steht derzeit noch in den Sternen. In der vergangenen Woche machte Trainer „Momo“ Tan publik, dass er – ebenso wie der Coach der „Zweiten“ – seinen Vertrag zum Sommer gekündigt habe, und etliche Spieler bereits woanders im Wort stünden. Auslöser dieses möglichen Kollektiv-Abgangs ist – das kennt man in „Buxte“ ja schon – das Verhältnis zwischen Hauptverein und Fußballabteilung. „Selbst bei einer Einigung mit dem Hauptverein stehen wir in der nächsten Serie ohne eine leistungsstarke Mannschaft da“, so Tan. Eine mögliche Lösung soll im Raum stehen und in dieser Woche noch einmal diskutiert werden, nachdem in der vergangenen Woche diverse Gespräche nicht reichten, um auf einen Nenner zu kommen. Es wäre schade, wenn dies tatsächlich final nicht gelänge. Aber: Es wäre auch hier eine logische Konsequenz. Schließlich sind Diskussionen zwischen Hauptverein und Fußballabteilung nicht neu – und bislang nicht ausreichend genüg aus der Welt geschafft worden. Ein klarer Fall von aufgeschoben, nicht aufgehoben. Genau diese Probleme holen den BSV nun wieder ein...  

Jan Knötzsch

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