31.03.2019

Später Teutonen-Triumph: 20 Minuten auf „zu easy“ gemacht, dann Willen bewiesen

SVR-Coach Thomas Bohlen ärgert sich: „Das Spiel ist eben erst zu Ende, wenn der Schiri abpfeift“

In den Weg gestellt: Francky Sembolo (re.) versucht die Flanke von Rugenbergens Max Scholz zu verhindern. Foto: Knötzsch

Noor Al-Tamemy stand schon bereit. Trainer Sören Titze wollte im Auswärtsspiel des FC Teutonia 05 beim SV Rugenbergen (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) noch einmal für frischen Wind sorgen. Kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt stand es im Oberliga-Nachholspiel 2:2 und alles sah bereits nach einer Punkteteilung aus. Eine denkbar ungünstige Konstellation für die Gäste, die mit einem „Dreier“ bis auf zwei Punkte an Tabellenführer Altona 93 heranrücken konnten. Doch dann, während Al-Tamemy noch wartete, riss Titze auf einmal die Hände in den Himmel und auch Teutonias Nummer sechs, die noch immer nicht im Spiel war, jubelte. Es war das passiert, was Rugenbergens Coach Thomas Bohlen später so zusammenfasste: „Das Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiri abpfeift. Und als er das getan hat, hatten wir nichts mehr in der Hand.“

Zwei kurze, prägnante Sätze. Und eben zutreffende Worte. Was genau passiert war? Nun, ganz einfach: Der eingewechselte Francky Sembolo hatte den Ball aus dem Zentrum nach rechts gespielt, wo Nick Gutmann Fahrt aufnahm und seinem Nachnamen alle Ehren machte. Seine gute halbhohe Flanke flog nämlich Richtung erster Pfosten, Dort sprintete Aytac Erman so heran, wie man es als Stürmer eben irgendwie im Blut hat, und drückte den Ball im Duell gegen SVR-Keeper Patrick Marciniak, der nach nicht mal einer halben Stunde Spielzeit für den am Rücken verletzten Jannis Waldmann zwischen die Pfosten gerückt war, über die Linie (83.). Der Rest war Jubel. Draußen bei Titze und Al-Tamemy und auf dem Feld, wo Erman freudig abdrehte, von seinen Teamkollegen verfolgt und schließlich zum gemeinsamen Feiern „eingefangen“ wurde.

Bohlen: „Wir belohnen uns am Ende wieder nicht – das ist ärgerlich“

Gleich kommt der Ball geflogen: Teutonias Isaac Aykere beim Einwurf. Foto: Knötzsch

Apropos eingefangen: Gleich zu Beginn der Begegnung hätte sich der Gastgeber mächtig was eingefangen. „Nach fünf Minuten müssen wir mit 3:0 führen. Das sage ich nicht, weil ich etwas Böses gegen Rugenbergen sagen will, sondern weil es so war. Wir haben einfach losgelegt wie die Feuerwehr“, bilanzierte Titze – und hatte Recht, doch weder Erman (2., 3.) noch Nikolas Mallwitz (2.) schafften es, die Kugel im Netz unterzubringen. „Da kann Teutonia 3:0 führen“, pflichtete auch Rugenbergens Übungsleiter Bohlen bei und ergänzte: „Wir haben in den ersten fünf Minuten richtig schlecht begonnen. Erst danach kriegen wir das Ganze besser in den Griff und hatten dann die Zuordnung, die wir anfangs nicht hatten.“ Und das sollte den Hausherren Sicherheit geben. Die wiederum münzte das Team in Tore um: Erst nutzte Patrick Hoppe ein Zuspiel von Hassan Zarei (13.), dann köpfte André Worthmann nach einer Ecke von Jan Düllberg ein (16.). Plötzlich führte also nicht mehr der spätere Tabellenzweite, sondern der SVR. Sehr zum Leidwesen von Sören Titze.

„Am Anfang sind das einfach drei hundertprozentige Torhchancen, die du nutzen musst. Dann machen wir das 1:0 und jeder denkt offenbar: Das läuft von alleine. Aber genau das tut es nicht. Wir haben 20 Minuten lang alle elf Mann ohne Leidenschaft gespielt, weil wir wohl gedacht haben: Das ist so easy hier! Das mit den drei vergebenen Chancen zu Beginn ist das Einzige, was ich der Mannschaft vorwerfen muss“, konstatierte der Coach der Teutonen nach dem Spiel. Titze reagierte auf den Rückstand und nahm Niklas Holz runter, für ihn kam Davidson Eden: „Es tut mir leid für Niklas. Er musste nicht raus, weil er die Schuld hatte. Aber ich musste als Trainer halt einen Impuls an die Jungs setzen, damit sie aufwachen. Das war der Hallo-Wach-Effekt. Danach haben wir bis zur Halbzeit vernünftig gespielt und nichts mehr zugelassen.“ Am Spielstand aber sollte das vorerst nichts ändern. „Wir haben verdient 2:1 geführt. Teutonia hatte in der ersten Halbzeit keine Chance mehr“, beschied derweil Titzes Gegenüber Thomas Bohlen, dem „die letzten fünf Minuten der ersten Hälfte zu passiv“ von Seiten seiner Equipe waren.

Titze: „Wir geben nie auf – das zeigt auch dieses Spiel wieder“

Blick Richtung Spielfeld: Der aus der Coachingzone verwiesene Teutonia-Coach Sören Titze kurz vor dem 3:2-Siegtreffer. Foto: Knötzsch

„Ich weiß nicht, ob die Jungs da im Hinterkopf hatten, dass wir im Hinspiel mit 4:2 geführt und am Ende doch noch 4:5 verloren haben“, so Bohlen weiter. Im zweiten Durchgang, so die Analyse des Rugenbergen-Trainers, habe seine Mannschaft „nicht mehr die Ballkontakte gehabt, die ich eingefordert hatte, damit wir dadurch mehr Selbstvertrauen bekommen und Teutonia dazu bringen, mehr zu laufen. Wir dürfen nicht jeden zweiten Ball verlieren. So gibst du dem Gegner die Möglichkeit, aufs Tor zu laufen.“ Genau das tat „T05“ dann auch. Und das auch noch mit Erfolg. Erst egalisierte Toksöz die Führung (72.) und dann schlug eben sieben Minuten vor dem Ende die Stunde von Erman, der den Sieg unter Dach und Fach brachte. „Wir haben zwei Mal schlecht verteidigt. Das müssen wir besser machen. So aber belohnen wir uns am Ende wieder einmal nicht. Das ist völlig ärgerlich. Ich wäre mit einem Punkt zufrieden gewesen, aber so fährst du den halt nicht ein. Wir haben meiner Meinung nach ein gutes Spiel gegen den Tabellenzweiten gemacht, der ganz andere Möglichkeiten hat, als wir“, schloss Bohlen sein Statement nach dem Schlusspfiff.

Sören Titze, der eine Viertelstunde vor Schluss übrigens von der Trainerbank verweisen wurde, lobte derweil sein Team. „Wir haben einmal zum Start in die Rückrunde ein schlechtes Spiel gegen BU gemacht, nachdem wir eine echt tolle Vorbereitung gespielt hatten. Ich wusste aber ganz genau, dass da ein guter Kern in der Mannschaft ist. Alle sind fleißig beim Training. Alle machen alles dafür, dass wir Woche für Woche drei Punkte holen können. Wenn wir so weiterarbeiten, dann glaube ich fest daran, dass wir das auch weiterhin jede Woche können und dahin können, wo wir hinwollen. Das hat die Mannschaft verinnerlicht und zeigt jede Woche im Training, dass sie jedes Spiel als Endspiel sieht Wir geben nie auf – das zeigt auch dieses Spiel gegen Rugenbergen wieder. Wenn nochmal einer auf die Idee kommt, dass das keine charakterstarke Mannschaft sei, dann kann der sich persönlich bei mir melden“, konstatierte Titze, der nur ein kleines Ärgernis anzumerken hatte: „Es ist schade, dass wir zehn, 15 Minuten lang das Spiel nicht im Griff hatten. Weil wir insgesamt ein gutes Spiel gemacht haben. Leider lassen wir über das gesamte Spiel gesehen acht oder neun hundertprozentige Chancen liegen. Gut, dass wir Wille gezeigt haben, als es knapp wurde.“

Jan Knötzsch

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