23.03.2019

Kwarteng kann’s: Tiefschlag verkraftet, von Mahdavikia getriezt

Zobel: „Das sind alles Profis, wir sind Freizeit-Fußballer“

Das kongeniale „Rothöschen“-Duo an diesem Nachmittag: Arianit Ferati (li.) traf zweimal selbst, „Momo“ Kwarteng hatte ebenfalls zwei Torbeteiligungen. Foto: KBS-Picture.de

Vor dem direkten Aufeinandertreffen waren beide Teams in der Tabelle nur durch drei Punkte voneinander getrennt. Abstiegskampf war an der Hagenbeckstraße zwischen der U21 des HSV und dem Lüneburger SK angesagt (alle Highlights im LIVE-Ticker)! Oder doch nicht? „Das ist nicht unbedingt der Gegner, den man schlagen muss. Wir müssen andere Spiele gewinnen“, erklärte LSK-Trainer-„Fuchs“ Rainer Zobel nach den 90 Minuten – und führte auf Nachfrage aus: „Der HSV II ist kein Abstiegskandidat, wir müssen darum kämpfen. Ich habe sie gegen Lübeck gesehen, da waren sie die spielerisch bessere Mannschaft. Das sind alles Profis, wir sind Freizeit-Fußballer – und das ist nicht abwertend gemeint.“

Einer dieser von Zobel angesprochenen Profis auf Seiten des Gegners machte zuletzt eine nicht ganz so einfache Zeit durch: Moritz-Broni Kwarteng. Im Winter bekam er vom Verein mitgeteilt, dass man ihm die Freigabe erteilen würde. „Das musste ich schnell wegstecken, nach vorne schauen – und ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist. Ich habe die Situation angenommen und versucht, das Beste daraus zu machen“, so Kwarteng, dem sein Trainer Steffen Weiß in allen drei Spielen nach der Winterpause „gute Leistungen“ bescheinigte. Auch der 20-Jährige selbst sieht bei sich eine „gute Entwicklung“, wie er selbst sagt, „speziell was das Mentale betrifft. Ich habe mich darauf eingestellt, die Situation anzunehmen, möchte mich in jedem Spiel beweisen, ein Lichtblick sein, der Mannschaft helfen und an meine maximale Leistungsgrenze kommen – auch mit Toren und Vorlagen.“ Das tat „Momo“ Kwarteng auch gegen den LSK.

„Messe mich an dem, womit ich unzufrieden war“

Drei LSK-Verteidiger rutschen ins Leere, während Ferati (2. v. li.) die mustergültige Kwarteng-Vorarbeit zum 1:0 in die Maschen befördert. Foto: KBS-Picture.de

Den Führungstreffer von Arianit Ferati bereitete er mustergültig vor (14.), ehe Kwarteng einen 17-Meter-Freistoß herrlich über die Mauer hinweg ins linke Toreck schlenzte. 2:0 (30.)! Anschließend verriet „Momo“ mit einem Schmunzeln: „Ich werde nicht nur von Mehdi (Co-Trainer Mahdavikia, Anm. d. Red.) gezwungen, sondern habe auch selbst eingesehen: Wenn ich Freistöße schießen will, dann muss ich sie auch im Training üben.“ Während Zobel seinem Team eine „sehr mutlose und ängstliche“ erste Halbzeit attestierte, befand Kwarteng: „Wir sind gut reingekommen und haben dem Spiel gleich unseren Stempel aufgedrückt.“ Nach einer halben Stunde wurde es jedoch „etwas fahriger“, wie er meinte. „In der zweiten Halbzeit waren wir ein bisschen schlampig und in den Abspielen – da schließe ich auch mich mit ein – unkonzentriert.“ Und wie hat er sich selbst gesehen? „Mit meiner ersten Halbzeit bin ich zufrieden, mit der zweiten nicht. Und ich messe mich an dem, womit ich nicht zufrieden war, damit ich zwei gute Halbzeiten spiele.“

„Spiele nicht mit dem Gedanken, dass wir im Abstiegskampf sind!“

Anschließend drehte Ferati zum Torjubel ab. Foto: KBS-Picture.de

Da neben Kwarteng auch Ferati zeigte, „welche Qualitäten er mitbringt“, so Weiß, durften die „Rothöschen“ nach starker Vorarbeit von Julian Ulbricht und spielend-leichtem Abschluss des Linksfußes (55.) am Ende einen „sehr souveränen“ 3:0-Erfolg feiern. Und das taten die Hausherren unmittelbar nach Spielschluss so ausgelassen, dass ein kleineres Kabinenfenster deutliche Gebrauchsspuren aufwies – während Coach Weiß den Pressevertretern Rede und Antwort stand. „Wir wollten heute defensiv mal wieder besser stehen und zu Null spielen.“ Ein Vorhaben, das in die Tat umgesetzt werden konnte. Und wie beurteilt Weiß die Aussagen von LSK-Coach Zobel, dass seine Equipe nichts mit dem Abstiegskampf zu tun habe? „Inhaltlich ist es so, dass wir gut Fußball spielen – auch in den letzten Spielen, die wir verloren haben. Aber dennoch ist am Ende eine Sache wichtig: Punkte. Heute haben wir die geholt.“ Eine klare Haltung zu diesem Thema hat der heute stark aufspielende „Momo“ Kwarteng: „Ich spiele nicht mit dem Gedanken, dass wir im Abstiegskampf sind!“ Angesichts von nunmehr sieben Punkten Vorsprung auf den Platz unterm Strich hat man zumindest einen großen Schritt gemacht…

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren