19.03.2019

„Die Mannschaft ist gierig und willig – das könnte unser Pluspunkt werden“

ASV-Trainer Mo Wadhwa spricht im Interview über den Titelkampf

Blick in Richtung Landesliga? Momentan ist Coach Mo Wadhwa mit dem ASV Hamburg Zweiter. Foto: Bode

Momentan sind sie punktgleich. Nur das Torverhältnis trennt den Oststeinbeker SV als Tabellenführer der Bezirksliga Ost vom Rangzweiten ASV Hamburg. Nachdem der OSV am vergangenen Wochenende gegen den SV Börnsen verlor, ist nun der ASV am Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr) Gastgeber des Tabellendritten SVB. Wir haben vor dem Match mit ASV-Coach Mo Wadhwa auf genau dieses Spiel vorausgeblickt sowie über das Kräftemessen des ASV mit dem OSV in zwei Wochen und das weitere Aufstiegsrennen gesprochen. 

Mo, am vergangenen Wochenende verlor euer stärkster Konkurrent Oststeinbek beim SV Börnsen 1:2, während ihr mit dem ASV Hamburg 2:1 gegen Glinde gewonnen habt. Welcher Sieg hat dich mehr gefreut?

Mo Wadhwa: Unser Sieg. Ich habe es mir angewöhnt, nicht nach rechts und links zu gucken, sondern den vollen Fokus auf unsere Truppe zu legen. Klar nimmt man das zur Kenntnis. Aber was die Freude angeht – da überwiegt ganz klar unser Sieg in Glinde.

Am Sonntag spielt ihr nun selbst gegen Börnsen. Wie groß ist die Angst vorm Spitzenreiter-Besieger?

Wadhwa: Angst hab' ich gar nicht. Ich weiß, dass Börnsen zuhause eine Macht ist.  Wir haben selbst am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass es dort ein ganz anderes Spiel ist. Jetzt muss Börnsen zu uns kommen. Ich glaube, jeder weiß, dass wir in der Heim-Tabelle sehr gut dastehen mit neun Spielen, neun Siegen und nur sieben Gegentoren. Da muss schon viel passieren, dass wir überhaupt Angst haben.

Was macht dich abgesehen von der Heimbilanz sicher, dass der ASV am Sonntag die Punkte an der Snitgerreihe behält?

Am Sonntag trifft Wadhwa mit seinem Team auf den Tabellendritten SV Börnsen. Foto: Herzog

Wadhwa: Die Art und Weise, wie wir momentan arbeiten. Früher war es immer ein ASV-Phänomen, die ersten Spiele nach der Winterpause nicht erfolgreich zu gestalten. Dieses Jahr haben wir das in den Test- und Punktspielen eigentlich ganz gut geschafft. Wir haben in der Liga in drei Spielen drei Siege eingefahren. Jetzt kommt natürlich eine entscheidende Phase auf uns zu mit den Spielen gegen Börnsen, den SC Eilbek, Ahrensburg und Oststeinbek. Das sind vier Partien, auf die es ankommen wird. Wir sind voll fokussiert und bereit. Deswegen mache ich mir keine Sorgen.

Du hast es ja bereits angesprochen: Kurz nach dem Börnsen-Spiel empfangt ihr dann den OSV. Entscheidet sich in diesem Spiel die Meisterschaft?

Wadhwa: Nach den vier Spielen, von denen ich gerade sprach, wird es in eine Richtung gehen. Feststehen wird dann aber noch nichts. Wir haben danach noch Spiele wie zum Beispiel das gegen den ASV Bergedorf, was auch nicht so leicht ist. Aber es wird sich danach auf jeden Fall eine Tendenz feststellen lassen.

Warum wird am Ende der Saison der ASV und nicht der OSV oben stehen? Wa spricht für euch, was gegen Oststeinbek?

Wadhwa: Was gegen Oststeinbek spricht, weiß ich nicht. Dazu bin ich nicht nah genug dran. Es spricht vieles für Oststeinbek. Aber es spricht auch vieles für uns. Bei uns ist definitiv der Teamspirit eine große Eigenschaft. Wir verfügen natürlich über viel individuelle Klasse, das brauche ich keinem mehr extra zu sagen. Es ist wichtig, diese individuelle Klasse in einem funktionierenden Team umzumünzen – was wir zuletzt auch geschafft haben. Es kommt drauf an, wie wir aus den nächsten Spielen rauskommen. Stand jetzt habe ich keine großen Bedenken, weil wir zum Beispiel in Glinde 35 Minuten in Unterzahl gespielt und es eigentlich doch ganz gut gemacht haben. Klar kannst du mit einem Mann weniger nicht dafür sorgen, dass der Gegner gar keine Chancen mehr hat. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber wir haben im Kollektiv ein gutes Spiel gemacht. Das zeigt mir einfach, dass die Mannschaft will. Sie will unbedingt rausgehen und das das Spiel gewinnen – da ist der Gegner relativ schnuppe. Das stimmt mich optimistisch. Auch, dass wir in der Vorbereitung ganz gut vorgelegt haben. Die Mannschaft ist fit. Die Mannschaft ist gierig und willig – das könnte unser Pluspunkt werden.   

In eurem Kader stehen etliche höherklassig erprobte Spieler wie Serhat Cayir, Viktor Streib, Argetim Kaba, Samey Ludin oder aber Timo Aschenbrenner, um nur einige zu nennen. Ist der Aufstieg mit so einer Mannschaft nicht eigentlich Pflicht?

In zwei Wochen kommt es zum Spitzenspiel zwischen Wadhwas ASV und Tabellenführer Oststeinbek. Foto: Bode

Wadhwa: Das sollen andere beurteilen. Letztlich liegt die Vermutung nahe, wenn man die Namen liest. Aber die Namen allein garantieren keinen Erfolg. Es gibt genügend Beispiele, wo das nicht funktioniert hat – sowohl aktuell als auch in den vergangenen Jahren. Es gibt Teams, die kommen über das Kollektiv und haben keine großen Namen. Und trotzdem sind sie brandgefährlich. Das beste Beispiel dafür ist Börnsen. Die habe nicht die großen Namen, wo man sagt: 'Oh, der ist extrem bekannt, weil er mal da oder da gespielt hat'. Die arbeiten im Kollektiv und das zeichnet sie aus. Das ist eine Einheit. Die sind heiß auf den Gegner. Es ist ja immer so: Wenn du gegen den Spitzenreiter oder gegen den Zweiten, willst du dich auf Augenhöhe duellieren. Dann kommen Mannschaften wie Glinde oder Börnsen und sind extrem heiß, gegen solche Gegner zu bestehen, um dann sagen zu können: 'Wir sind Spitzenreiter-Besieger'. Das ist für viele ein besonderer Anreiz. Wir sehen uns nicht verpflichtet, aufzusteigen. Aber wir haben natürlich einen gewissen Druck. Der ist allerdings normal.

Mal abgesehen davon, dass ihr dann noch ein Jahr in der Bezirksliga spielt: Was passiert im Fall des Nichtaufstiegs beim ASV?

Wadhwa: Das kann ich noch gar nicht sagen. Das sind alles Dinge, mit denen man sich noch gar nicht befasst hat. Es wird definitiv weitergehen. In welcher Konstellation – das werden wir dann sehen. Stand jetzt beschäftigen wir uns noch gar nicht mit der Saison 2019/2020, weil die Saison 2018/2019 dafür noch viel zu frisch für uns ist. Wir werden uns Ende April zusammensetzen, um zu gucken: Was haben wir bisher geschafft? Was haben wir nicht geschafft? Was müssen wir verbessern und was nicht? Aber aktuell sind wir in einer Phase, die es gar nicht zulässt, sich über die nächste Saison so intensiv nachzudenken. Klar: Intern planen wir schon ein bisschen, aber das ist halt noch intern und bleibt es auch.

Interview: Jan Knötzsch  

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