17.03.2019

„Es kotzt mich an“: AFC macht den Sack nicht zu, BU spuckt dem „Leader“ in die Sieges-Suppe

Gastgeber verdienen sich vor 936 Zuschauern ein Remis gegen Altona

Der Moment kurz vorm Ausgleich: AFC-Keeper Tobias Grubba (li.) sieht den Kopfball von BUs Tim Jeske auf seinen Kasten zufliegen. Foto: KBS-Picture.de

Als alles vorbei war, war auch bei Tobias Grubba wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt. Nachdem der Keeper von Altona 93 nach der Partie beim HSV Barmbek-Uhlenhorst (Hier gibt’s den Liveticker des Spiels zum Nachlesen) mit seinen Teamkameraden erst einmal in Richtung Gästefans applaudiert und mit dem AFC-Anhang abgeklatscht hatte, musste Grubba erst einmal seine Utensilien zusammenpacken. Dann, als der Altona-„Goalie“ Handschuhe & Co aufgesammelt hatte, ließ er seinen Blick auf die vorangegangenen 90 regulären und die vier Nachspiel-Minuten schweifen, an deren Ende ein 1:1 stand, wie die Anzeigetafel vor den 936 Zuschauern im Stadion an der Dieselstraße verriet. Etwa eine Viertelstunde vorher war es um Grubbas Gefühlswelt noch ganz anders bestellt gewesen...

Es lief die 79. Minute, als Abdel Hathat für BU eine Ecke in den AFC-Strafraum brachte und Tim Jeske hochstieg und köpfte. Der Ball flog aufs Tor. Aber flog er auch ins Tor? Jeske jedenfalls drehte mit seinen Teamkollegen im Schlepptau jubelnd ab. Grubba hingegen stürzte aus dem Tor heraus und sprintete zielstrebig in Richtung von Schiedsrichter-Assistent Devin Wengorz (TuS Hamburg), der Spielleiter Florian Schwarze (MSV Hamburg) angezeigt hatte: Der Ball war drin, Tor! Schwarz deutete entsprechend zur Mittellinie. Doch Grubba und seine Mitstreiter wollten es nicht wahrhaben und protestierten vehement beim Unparteiischen und seinem Assistenten. Das Ergebnis: Der Treffer zählte weiterhin – und Grubba handelte sich eine Gelbe Karte ein.

Grubba: „Wenn du hier 1:0 führst, musst du das Ding nach Hause bringen“

Aus dem Tritt gebracht: Nico Schluchtmann (am Boden) stört Altonas Vincent Boock. Foto: KBS-Picture.de

„Ich renne los, aber das macht jeder bekloppte Torwart“, konnte Altonas Schlussmann nach dem Schlusspfiff zumindest für einen kleinen Moment schon wieder schmunzeln, auch wenn er klar erklärte: „Freude über dein einen Punkt verspüre ich keine. Es kotzt mich an. Wir führen 1:0, spielen dann die Konter nicht zu Ende. Wenn wir das machen, haben wir das Spiel vorher beerdigt und es passiert nichts. Wenn du hier 1:0 führst, musst du das Ding nach Hause bringen. Das Gegentor nach der Standardsituation ist völlig unnötig.“ Aber war der Ball denn nun wirklich hinter der Linie? „Für mein Empfinden war es mega eng. Er kann drin, aber er kann auch nicht drin gewesen sein“, war sich auch Grubba nicht wirklich sicher. Also musste man es letztlich so halten, wie es AFC-Coach Berkan Algan auf der Pressekonferenz tat: „Der Schiedsrichter sagt, der Ball war drin, also war er drin.“ Dass danach zwei Bälle nicht drin waren, lag derweil an Grubba, der eine Minute vorm Ende gleich zwei Mal in höchster Not rettete. „Klar waren die beiden Dinger nicht schlecht geschossen, aber ich bin ja nun auch keine komplette Blinze“, gab der Schlussmann zu Protokoll.

Im Endeffekt, so Grubba weiter, „haben wir uns mit zehn Mann dagegen gestellt. Da gehöre ich zu. Wenn ich da irgendwie der Mannschaft einen Dienst erweisen kann, dann mache ich das natürlich.“ Zu zehnt? Ja, richtig gelesen. Denn: Der AFC beendete das Spiel mit einem Mann weniger, da Pablo Kunter in der 90. Minute glatt „Rot“ sah, weil er nachtrat. „Ich habe es nicht so richtig gesehen, aber das ist für uns nicht gut“, hielt sich AFC-Coach Algan mit seiner Beurteilung zu dieser Szene zurück, konzentrierte sich vielmehr auf die Analyse des Spiels. „Ich bin ein bisschen traurig, weil wir zum Schluss zwei Punkte verloren haben. Wir haben mit 1:0 geführt und hatten gute Kontersituationen, aber die haben wir nicht zu Ende gebracht“, konstatierte Altonas Trainer, dessen Elf durch Vincent Boock getroffen hatte (60.). „So eine Standardsituation kann immer mal rein flutschen“, kommentierte Algan den Ausgleichstreffer und erklärte: „Wir fahren mit einem Punkt zurück, aber wir wussten aufgrund der letzten BU-Ergebnisse, dass das eine der schwersten Auswärtsaufgaben wird. Wir hätten gerne gewonnen, trotzdem bin ich stolz auf die Jungs, die unwahrscheinlich gut gekämpft und dagegen gehalten haben. Jetzt analysieren wir das Spiel und konzentrieren und auf unsere nächste Aufgabe.“ Die heißt Curslack-Neuengamme und kommt kommenden Sonntag an die Griegstraße.

Stier: „Ich werde ja inzwischen schon ein bisschen von der Presse verarscht“

Der eingewechselte Altonaer Pablo Kunter (li.) sah in der 90. Minute die Rote Karte. Foto: KBS-Picture.de

Und damit rein in die Analyse von Marco Stier. Auch Algans Gegenüber bekannte, er sei „sehr enttäuscht. Nicht für Altona waren es zwei verschenkte Punkte, sondern wieder einmal für uns“, befand der BU-Coach und begründete: „Wir hatten – über das ganze Spiel betrachtet – die Spielkontrolle, aber wir hatten auch unerklärlicher Weise wieder einmal zehn schlechte Minuten im Spiel. So wie gegen den HEBC (dort spielte BU 4:4, Anm. d. Red.). Zwischen der 55. und 65. Minute laufen wir im eigenen Stadion drei Mal in Konter. Das darf uns nicht passieren. Wir hatten gesagt: Wir spielen keine gefährlichen Bälle ins Zentrum. Und was machen wir? Wir verlieren drei Mal hintereinander im Zentrum, den Ball. Altonas Spiel war nur darauf ausgelegt: Die stehen mit sieben Mann hinten drin und kontern mit drei schnellen Stürmern.“ Seine Elf, so Stier, habe so dem AFC „in die Karten gespielt. Dennoch: Die Jungs haben gekämpft. Wir hatten ganz viele Rückschläge unter der Woche erlitten. Bei uns haben fünf Stammspieler gefehlt. Wenn man sich das mal überlegt... – und trotzdem haben wir den Spitzenreiter dominiert.“

Genau das sah und sieht Barmbeks Übungsleiter übrigens nicht genügend wertgeschätzt. „Ich werde ja inzwischen schon ein bisschen von der Presse verarscht, aber: Wir hatten wieder ein deutliches Chancenplus. So will ich das mal nennen. Was ihr daraus schreibt, ist eure Sache“, stellte er in Richtung der Journaille fest, die nach dem HEBC-Spiel, das sei hier erwähnt, nicht mehr getan hatte, als die Worte von HEBC-Coach Jörn Großkopf („Ich höre und lese wahrscheinlich nachher wieder in der Presse vom BU-Coach: 'Wir haben acht, neun Torchancen nicht genutzt.' Bei aller Wertschätzung Marco Stier gegenüber. Aber wir müssen das 2:0 machen! Ich glaube, dann kommen die nicht wieder“) zu zitieren. „Wie gesagt: Die Jungs haben viele Tiefschläge weggesteckt. Aber BU muss sich ja offenbar damit abfinden, dass wir nur mittelmäßig sind. Wir zeigen seit Wochen, dass wir alles andere als mittelmäßig sind. Über solche Aussagen lachen wir in der Mannschaft, die motivieren uns nur noch mehr. Wir sind jetzt acht Spiele am Stück ungeschlagen und haben heute wieder ein riesig gutes Spiel gezeigt. Und wir haben gezeigt, dass wir deutlich zu wenig Punkte haben. Aber die holen wir uns alle nächste Saison – definitiv“, schloss Stier sein Fazit.

Jan Knötzsch 

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