15.03.2019

„Der Schiedsrichter hat heute das Spiel entschieden!“

Bramfeld siegt und robbt sich an Hamm ran - „Das Pferd kann springen, wenn es muss“

Robin Polzin (li.) sorgte mit seinem Doppelpack in der Schlussphase für Bramfelder Jubel. Foto: Bode

Es war die spielentscheidende Szene: 77 Minuten waren an der Ellernreihe vorüber (alle Highlights im LIVE-Ticker), als Marcel Perz mit seinem Pass aus dem rechten Halbfeld links im Oher Strafraum seinen Mitspieler Patrick Lüth fand. Dieser wollte den Ball mit der Hacke an Jens Schenkenberg vorbeilegen – doch der Voran-Verteidiger bekam die Kugel aus kurzer Distanz an die Hand. Schiedsrichter Gerrit Breetholt deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger sofort auf den Elfmeterpunkt. „Da pfeifst du keinen Elfmeter!“, schimpfte Ohe-Coach Rainer Seibert nach dem Spiel – und legte nach: „Ich muss ganz ehrlich sagen – und das ist nicht böse gemeint: Der Schiedsrichter hat heute das Spiel entschieden!“

Ohes Marc Ohl hatte einige gute Szenen, aber Pech im Abschluss. Foto: Bode

Den fälligen Strafstoß verwandelte Robin Polzin zum 2:1 für den Bramfelder SV (78.), ehe der bis zu diesem Zeitpunkt glücklose Angreifer – nachdem er vier Zeigerumdrehungen vor Ultimo noch am Pfosten scheiterte und die Vorentscheidung verpasste – in der Schlussminute nach perfektem Perz-Zuspiel auch noch das 3:1 folgen ließ (89.). Doch zurück zur Entscheidung vor dem 2:1: „Zunächst einmal muss ich sagen, dass wir nicht mit einem Hackenpass gerechnet haben. Aber der Gegner hat dann Handball-Torwart gespielt. Von daher: Berechtigter Strafstoß – auch wenn’s aus zwei Metern Entfernung war“, schätzte Bramfeld-Trainer Carsten Henning, der zusammen mit Mirko Schulz die Geschicke beim Hansa-Zweiten leitet, die Szene naturgemäß komplett anders als sein Gegenüber ein. „Der Ball wäre zu unserem Spieler gekommen. Dementsprechend hat der Schiedsrichter alles richtig gemacht“, fügte Henning an – und verriet auf Nachfrage zum Elfmeter-Protagonisten Polzin: „Wir haben einen Schützen bestimmt, aber der hat sich scheinbar nicht getraut. Robin hat sich wohl besser gefühlt.“ Mirko Schulz fügte an: „Unterm Strich entscheidet ja die Tagesform. Und wenn sich der erste Schütze nicht fühlt, dann gibt es einen zweiten.“

„Heute hat die bessere Mannschaft verloren“

So unterschiedlich die Meinungen zum „Penalty“ waren, so gegensätzlich waren sie im Nachgang auch zu den 90 Minuten: „Heute hat die bessere Mannschaft verloren“, befand Seibert, der trotz seiner Schiri-Schelte eingestand: „Wir haben aber auch selbst schuld, weil wir die Dinger nicht reingemacht haben. Für die Truppe tut mir das wirklich leid, weil wir die bessere Elf waren. Ich war mit der Leistung sehr zufrieden, wir haben uns nur nicht belohnt.“ Abschließend meinte der Übungsleiter der „Amselstiegler“, der nach frühem Rückstand – Nick Mohr, der wenig später angeschlagen raus musste, köpfte eine mustergültige Flanke von Christopher Skalnik ein (11.) – den Ausgleich durch Marco Braesen, der einen Traumpass von Robin Woost an Torben Rehnert vorbei in die Maschen beförderte (27.), bejubeln durfte und im zweiten Durchgang die besseren Chancen auf Seiten seines Teams sah: „Fußball ist leider ergebnisorientiert, so dass wir uns für die gute Leistung nichts kaufen können. Glückwunsch an Bramfeld, aber es war heute wirklich nicht gerechtfertigt. Das ist bitter!“

„Die Crunchtime hat gezeigt, dass das Pferd springen kann, wenn es muss“

Am Ende dürften Skalnik (li.), Stoppel, Perz und Co einen wichtigen Sieg im Kampf um die Meisterschaft feiern. Foto: Bode

Carsten Henning hielt auf Nachfrage, ob man von einem glücklichen Sieg sprechen könne, dagegen: „Nein, der war verdient“, und begründete dies wie folgt: „Wir haben drei Tore gemacht, der Gegner nur eins.“ Und weiter: „Wir haben das Spiel bestimmt, hatten Einsatz- und auch den unbedingten Siegeswillen, den wir vor dem Spiel angesprochen haben. Zwar lief spielerisch nicht allzu viel zusammen, aber man hat gemerkt und gespürt, dass die Mannschaft will. Das hat sie gerade in der zweiten Halbzeit und zum Ende des Spiels gezeigt. Dass Ohe die eine oder andere Konterchance kriegt, das war uns bewusst. Aber wir haben die Dinger vorne gemacht und dementsprechend berechtigt gewonnen.“ Wenngleich Schulz konstatierte: „Für das erwartete Spitzenspiel war das eindeutig zu wenig. Es war natürlich auch den Windverhältnissen und den Bedingungen geschuldet. Aber zum Ende des Spiels muss man ganz klar sagen, dass wir verdient gewonnen haben, weil wir es wollten und uns nicht kleiner gemacht haben, als wir sind. Wir sind ins Spiel gegangen und wollten gewinnen. Die ‚Crunchtime‘ hat gezeigt, dass das Pferd springen kann, wenn es springen muss.“ Nach dem Ausrutscher von Primus Hamm gegen Verfolger Lohbrügge (1:4), was an der Ellernreihe mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde, ist nun wieder alles ganz dicht beisammen. Folgt denn nun auch der Sprung an die Spitze? „Wir haben jetzt wieder alles in eigener Hand und sind natürlich Sportler mit Leib und Seele“, so Schulz. Während Henning abschließend zu Protokoll gab: „Wir wollen da bleiben, wo wir aktuell sind – und schielen nach oben.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren