10.03.2019

Erst ungläubig, dann unnachahmlich schön: „Sasel liegt uns!“

Zankl hadert: „Das hat sich im Training schon angedeutet“

Überschwänglicher Jubel: Lawrence Schön (re.) zelebriert seine mustergültige Vorarbeit beim 2:0 mit Abnehmer Tomas Xhelili. Foto: Stefanie Balle

In der Sommer-Vorbereitung wies man den TSV Sasel gleich zweimal in die Schranken (3:0/6:1). In der Hinrunde erkämpfte man sich nach einem 0:1-Rückstand dank des Doppeltorschützen Michael Sara ein 2:2-Unentschieden – und nun stürmte der Meiendorfer SV auch noch das Alfred-Mager-Stadion (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Ich muss gestehen, dass ich die Mannschaft nicht unbedingt zu motivieren brauche, wenn wir gegen Sasel spielen. Die Jungs kennen sich untereinander sehr gut, so dass Ehrgeiz und Motivation automatisch da sind“, erklärte MSV-Coach Baris Saglam anschließend, um dann festzustellen: „Sasel liegt uns!“

Paul Herrdum (li.) - hier gegen Nico Zankl - stellte mit seinem ersten Tor im MSV-Dress die Weichen auf Sieg. Foto: Stefanie Balle

Sein Einsatz stand lange auf der Kippe. „Er ist angeschlagen in das Spiel gegangen und hat nur zu Beginn der Woche einmal trainiert“, verriet Saglam – und sprach damit auf Marcel Hoffmann an. Den Innenverteidiger plagten Leistenbeschwerden. Nach Rücksprache biss Hoffmann jedoch auf die Zähne, konnte spielen – und wie er das tat: „Es war eine Menge zu tun, viel Laufarbeit zu verrichten. Jeder hat sein Letztes gegeben“, befand der 28-Jährige, ehe er auf Nachfrage, ob man mit dem klaren Ziel, die drei Punkte mitzunehmen, ins Spiel gegangen sei, entgegnete: „Um ehrlich zu sein: Nein. Dadurch, dass wir so viele Ausfälle und Sperren hatten, war es für uns heute so, dass wir frei aufspielen und nur gewinnen konnten. Das Maximum waren die drei Punkte. Wenn wir die mitnehmen würden, hätten wir alles erreicht. Wenn nicht, dann hätten es eh alle erwartet.“ Saglam dazu: „Wir wussten, dass es für uns kein leichtes Spiel wird – gerade in der Situation, in der wir uns momentan befinden. Wir sind mit einem sehr dünnen Kader angereist und wussten, dass wir nur über das Kollektiv ins Spiel finden können.“ Genauer gesagt reiste der MSV mit einem 16-Mann-Aufgebot an den Parkweg und überließ dem Gegner ganz bewusst die Spielkontrolle, arbeitete aber „als Mannschaft sehr gut – vor allem gegen den Ball“, wie auch Hoffmann konstatierte.

Unnachahmlicher Schön sorgt für Vorentscheidung

„Geburtstagskind“ Bazier Sharifi (li.) - im Duell mit Edin Tanovic - blieb ohne Torerfolg. Foto: Stefanie Balle

Sasel diktierte das Geschehen, schaffte sich immer wieder durch gute Seitenverlagerungen Räume, die allerdings schlecht genutzt wurden. „Wir haben es vernünftig gemacht, auch wenn wir nicht einen Spieler hatten, der auf 100 Prozent war. Aber es hat gereicht, um das Spiel zu kontrollieren“, konstatierte Danny Zankl, ehe er zu Protokoll gab: „Es hat uns im letzten Drittel extrem an Qualität gefehlt.“ Dennoch hatte man „drei, vier Situationen, in denen man in so einem Spiel einfach in Führung gehen muss“. Stattdessen schlug der Gegner mit der ersten echten Aktion zu: Nach Zuspiel von Can Düzel war es Paul-Luca Herrdum, der das Leder aus 22 Metern staubtrocken ins linke untere Toreck jagte (39.)! Der TSV versuchte es weiter, rannte an, kam aber nur selten in die gefährliche Zone. Und so war es ein Ballverlust von Stefan Winkel, der dafür sorgte, dass Lawrence Schön auf der rechten Seite einen unnachahmlichen „70-Meter-Sprint“ hinlegte, um von der Grundlinie im richtigen Moment den am ersten Pfosten eingerückten und kurz zuvor erst eingewechselten Tomas Xhelili das 2:0 auf dem Silbertablett zu servieren (80.)! „Im Großen und Ganzen kann ich der Mannschaft nur gratulieren, dass wir heute das Maximum abgerufen haben“, freute sich Saglam über den Auswärtsdreier. „Wenn wir an uns arbeiten und alle 100 Prozent geben, dann sind wir in der Lage, guten Fußball zu zeigen – auch gegen solche Mannschaften“, meinte derweil Hoffmann.

Zankl: „Uns fehlten überall zehn Prozent“

Das 2:0! Tomas Xhelili (re.) kommt vor Lars Tiedemann an den Ball und vollstreckt. Foto: Stefanie Balle

Als Jo-Daniel Krohn, der nach langer Zeit sein Comeback zwischen den Pfosten der „Parkwegler“ feierte, im Anschluss an Zankls Appell in Richtung eigener Mannschaft die turnusmäßige PK mit dem Satz „Das scheinen ganz gute letzte Worte gewesen zu sein“ beendete, sorgte Zankl mit seinem Konter für lautes Gelächter: „Gefeuert!“, scherzte er, um hinterherzuschieben: „Nach zwei Niederlagen: Negativserie in Sasel.“ So sarkastisch das auch gemeint war, so „unnötig und bitter“ sei die Pleite gegen Meiendorf gewesen. „Ich habe der Mannschaft eben vorgeworfen, dass sich das im Training leider ein bisschen angedeutet hat“, verriet er, und führte erklärend aus: „Die Ernsthaftigkeit für die letzten zehn Prozent, die dann auch mal wehtun, die hätten wir heute gebraucht. Das ist der Reifeprozess, den ich bereits in der letzten Woche angesprochen habe. Jetzt ist er vielleicht für alle offensichtlich“, haderte er – und gab abschließend zu Protokoll: „So werden Oberligaspiele entschieden – durch zwei Umschaltsituationen und gutes Verteidigen. Uns fehlten überall zehn Prozent. Um Spiele in dieser Liga zu gewinnen, müssen wir unsere Spieler am Limit haben – und das hatten wir heute nicht immer.“

Die komplette PK mit allen Aussagen, Zankls Appell und Schmunzler - hier:

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren