09.03.2019

Aus 2:4 mach 4:4 in der Nachspielzeit: „Fairplay-Koster“ überstrahlt Falke-Aufholjagd!

„Kellerkind“ VfL 93 macht Top-Team Falke „mausetot“ - doch dann...

Die Szene des Abends am Borgweg: Thomas Koster (2. v. li.) bekommt einen Elfmeter zugesprochen, deutet aber auf den Rasen, in den er trat. Daraufhin nimmt der Referee den Pfiff zurück. Foto: Bode

„Drama können wir“, schnaufte Dirk Hellmann mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht erst einmal durch, ehe der Trainer des HFC Falke nach dem völlig verrückten Spiel beim VfL 93 selbst nicht so richtig wusste, wie er das 4:4 – nach einem 2:4-Rückstand in der 90. Minute – einordnen sollte: „Gefühlsmäßig stehe ich zwischen einem völlig unzufrieden, weil wir kein gutes Spiel und unfassbare Fehler gemacht, zudem vier Gegentore gegen eine Mannschaft, die im unteren Bereich steht, kassiert haben – das ist einfach viel zu viel. Auf der anderen Seite muss man sagen: Wenn man in der 90. Minute durch einen katastrophalen Fehler das 2:4 fängt, dann ist man eigentlich mausetot.“

Die Situation, in der Koster (mi.) unglücklich im rasen hängenbleibt. Foto: Bode

Aber auch nur eigentlich. „Ich kenne keine Mannschaft, die da wiederkommt“, sinnierte Hellmann. „Wer weiß, für was dieser Punkt am Ende noch wert ist?!“ Eine ganze Menge war jene Szene wert, die sich in der achten Minute am Borgweg ereignete – und zwar in Sachen Fairplay: Nach toller Kombination bekam Falkes Thomas Koster den Ball in den freien Raum durchgesteckt, kam im Duell mit seinem Gegenspieler zu Fall und von Schiedsrichter Thomas Maziarz einen Strafstoß zugesprochen. Doch was machte Koster? Er teilte dem Unparteiischen mit, dass es keinen Kontakt von Seiten des Gegners gab und er mehr in den Boden getreten habe, woraufhin der Referee seine Entscheidung zurücknahm. Respekt vor dieser Ehrlichkeit, die auch sein Trainer „beeindruckend“ fand. „Eine mega-faire Aktion von ihm, da ziehe ich den Hut vor dem Fairplay“, so Hellmann, der anfügte: „Das ist eine Sache, die den Amateurfußball – gerade in den Tagen von Spielabbrüchen und sonstigen Sachen – auszeichnet.“

Falke-Fehler laden „Borgwegler“ zum Toreschießen ein

VfL-Akteur Sandro Danschke (li.) kann es nicht glauben, dass Schiri Maziarz auf den Punkt zeigt. Foto: Bode

Eine Auszeichnung hat er sich damit allemal verdient. Doch zunächst einmal wollte der Ex-Pinneberger noch sportliche Schlagzeilen schreiben – und tat dies auch, als er auf dem extrem tiefen Platz nach einem hohen Ball und anschließender Kopfballverlängerung von Timo Riemer mit seinem Querpass Alexander Briegert fand. Dieser traf zur HFC-Führung (16.). Wenn die Hausherren im ersten Durchgang mal gefährlich wurden, dann höchstens bei Standardsituationen. Eine solche führte dann auch zum Ausgleich, als Marco Wendt bei einem 40-Meter-Freistoß von Jonathan Dinse alles andere als glücklich aussah und die Kugel zentral unter der Latte einschlug. In der 64. Minute hatten die „Stadtparkkicker“ das Geschehen gedreht, als Falke-Rechtsverteidiger Dennis Grienig mit seinem haarsträubenden Fehlpass ins Zentrum den Gegner einlud. Philipp Lürwer bediente Sebastian Meyer, der auf 2:1 stellte. Nachdem ein Ballverlust im Mittelfeld das 1:3 aus Falke-Sicht einleitete – Jan-Hendrik Rathmann köpfte eine Rechtsflanke von Dinse am zweiten Pfosten ein – schienen dem Spitzenteam die Felle davon zu schwimmen.

Das unfassbare Comeback nimmt seinen Lauf

Der Führungstreffer für den HFC durch Alexander Briegert (re.). Foto: Bode

HFC-Coach Hellmann reagierte, brachte erst Sebastian González (67.), dann Steven Schönfeld (70.) sowie Yannick Bräuer (75.). Alle drei „Joker“ sollten noch ihre Momente bekommen. Erst war es der ehemalige Osdorfer Gonzalez, der einen diesmal unstrittigen Elfmeter an Koster zum 2:3 verwandelte und die HFC-Hoffnung zurückbrachte (83.). Doch dann das: Nach einer geklärten Ecke agierte Grienig 40 Meter vor dem eigenen Tor zu zögerlich und versuchte dann auch noch, einen Haken zu schlagen. Das misslang gründlich, Ole Schüler und Dinse steuerten auf Wendt zu. Letztgenannter vollstreckte – 4:2 (90.). Die Entscheidung?! Dachten zumindest alle – doch dem war nicht so! Denn „dann nahm das unfassbare Comeback seinen Lauf“, wie selbst Hellmann befand. Erst bediente Bräuer abermals Briegert. In dessen Chip ins Zentrum wuchtete sich Schönfeld – „mit allem, was er hat“, so Hellmann – rein und zwang Florian Brandt zu einem Eigentor (90. +2)! Dann pflückte Bräuer einen weiten Ball, der von Onno Lorenzen verlängert wurde, überragend aus der Luft und ermöglichte Briegert, der aus acht Metern ganz cool blieb, das kaum mehr für möglich gehaltene 4:4 (90. +4). Wahnsinn am Borgweg!

„Die heutigen Fehler dürfen wir uns nächste Woche nicht erlauben“

Nach einem 2:4 in der Nachspielzeit zurückgeschlagen - und doch irgendwie unzufrieden: HFC-Coach Hellmann (mi.) und seine Spieler. Foto: Bode

Hellmanns Resümee: „Unterm Strich steht ein Punkt bei einem ‚Kellerkind‘. Tendenziell irgendwie ein bisschen wenig, aber so wie der zustandegekommen ist, muss man einfach wieder mal die Mentalität – wie schon letzte Woche mit dem 1:0 in der 90. Minute – hervorheben. Das macht absolut Mut.“ Allerdings wisse man auch, „dass wir die Fehler, die wir uns heute erlaubt haben, in der nächsten Woche im Spitzenspiel gegen den ETV nicht machen dürfen. Da müssen wir konsequenter und fehlerfreier sein“, so Hellmann, der mit seinen „unfassbar belebenden Einwechslungen“ ebenfalls ein glückliches Händchen bewies und durch den Punktgewinn vorübergehend mit seinen Falken die Tabellenführung übernahm. Schon am Sonntag kann der ETV mit einem Unentschieden im Topspiel gegen BU II jedoch wieder vorbeiziehen.

Autor: Dennis Kormanjos

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