04.03.2019

„Ich habe nicht das Gefühl, dass der Trainer in Frage gestellt wird“

Rugenbergen-Coach Thomas Bohlen spricht über Abstiegskampf und seine Position

Die Tabellensituation für den SV Rugenbergen und Coach Thomas Bohlen wird immer prekärer. Foto: KBS-Picture.de

Die Sätze, die Sven Worthmann wählte, waren deutlich. Keiner der Zuhörer im Teamkreis des SV Rugenbergen konnte das, was der Kapitän nach der 0:2-Niederlage am Sonntagnachmittag gegen die TuS Dassendorf von sich gab, missverstehen. Der Grundtenor von Worthmanns Worten: Wenn auch nur einer der Spieler der Bönningstedter am kommenden Samstag im Auswärtsspiel beim SC Condor (Samstag, 15 Uhr, Berner Heerweg) weniger als hundert Prozent geben würde, „geht das nicht. Dann wird das nichts.“ Kurzum: Die Lage beim SVR ist ernst, sehr ernst. Obwohl der Club derzeit noch fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hat. Den hat Condor inne...

Und so könnte die Lage im schlechtesten Fall eben für Rugenbergen am kommenden Samstag noch schlimmer werden, als sie derzeit ist. Eine Niederlage gegen die „Raubvögel“ – und schon wäre der SCC bis auf zwei Punkte an den SVR herangerückt. Kein Wunder, dass Thomas Bohlen nach dem eigenen Spiel am Sonntag erst einmal genau hinhörte, als der Stadionsprecher die Ergebnisse von den anderen Oberliga-Plätzen durchsagte. „Dass Condor am Ende in Buchholz noch 3:4 verloren hat, ist positiv für uns. Der Abstand bleibt gleich und sie kommen uns nicht näher“, sagte der Trainer der Rugenbergener und fügte hinzu: „Jetzt wird es noch wichtiger als gegen Dassendorf. Die Spiele, die jetzt kommen, müssen wir gewinnen.“

„Wir müssen an uns glauben – dann schaffen wir es auch wieder, Spiele zu gewinnen“

Youngster Pascal Gerber (re.) ist einer der Akteure, die derzeit in die Bresche springen müssen. Foto: KBS-Picture.de

Oder etwas martialischer formuliert: „Kratzen, beißen und spucken – das ist das, was uns die nächsten Wochen auszeichnen muss. Natürlich symbolisch gemeint“, gab Bohlen nach dem Match zu Protokoll. „Wir müssen über den Kampf, den Einsatz und die Leidenschaft zu unserem Spiel finden“, lautet die „Übersetzung“ des Coaches, „so wie wir das in der zweiten Hälfte gegen Dassendorf getan haben. Da haben wir es besser gemacht als noch in der ersten. Die Jungs haben sich zusammengerissen.“ Besagte zweite Halbzeit sei die Grundlage, „auf der wir aufbauen wollen, Es war gut, dass man gesehen hat, dass da keine kopfleere Mannschaft auf dem Platz steht, sondern eine, die wirklich will“, so Bohlen, der auch sagt: „Ich will unsere Situation nicht wieder auf die vielen verletzten Spieler zurückführen.“ Gegen Dassendorf fehlten unter anderem die langfristig verletzten Akteure wie Steven Tegeler, Sergej Schulz, Dennis von Bastian oder auch Raoul Bouveron. Hinzu kamen kurzfristig noch die beiden Grippekranken Pascal Haase und Kevin Beese. So mussten und müssen andere in die Bresche springen.

„Die Dauerverletzten kommen halt einfach nicht so schnell wieder in Gang. Schulz hatte die Woche über Lauftraining absolviert, dann haben wir freitags die Belastung intensiviert und er hatte wieder Schmerzen in der Wade“, berichtet Bohlen, dass er derzeit gezwungen ist „andere Jungs einfach mal reinzuschmeißen.“ So wie die Youngster Pascal Gerber und Jan Schrage, zum Beispiel. „Sie sind gut im Spiel und wir müssen uns jetzt auf sie verlassen können“, so Bohlen. Oder aber Moussa Mané. „Er war mit einer Knieverletzung vier Wochen raus, hat erst vor zwei Wochen das Training wieder aufgenommen. Dafür hat er es gegen Dassendorf gut gemacht“, sagte Bohlen  über den sichtlich bemühten Angreifer, der allerdings wenig Glück hatte und vorne auf sich allein gestellt war. „Ich bin froh, dass er wieder da ist“, so der SVR-Übungsleiter, „zumal nicht absehbar ist, dass die Verletzten zurückkommen. Jetzt müssen die, die da sind, zeigen, dass sie in die erste Elf kommen wollen.“

„Jeder, der irgendwo anfängt weiß: Das kann immer in zwei verschiedene Richtungen gehen“

Dennis von Bastian (re.) zählt zu den Akteuren, die Coach Thomas Bohlen derzeit fehlen. Foto: KBS-Picture.de

Und zeigen, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben und die Liga halten wollen. „Gegen Dassendorf war für uns auch was drin. Lass sie das Spiel machen, aber so viel hatten sie bis zur 27. Minute an Chancen auch nicht. In Sasel (dort verlor Rugenbergen mit 1:2, Anm. d. Red.) ist es das gleiche Thema: Da waren wir 30 Minuten komplett überlegen, müssen das Tor machen, machen aber keins. Gegen Buchholz (0:1-Niederlage für den SVR, Anm. d. Red.) passen wir uns dem Gegner an und kriegen durch einen Individualfehler das Gegentor. Da müssen wir weiter an uns arbeiten. Und: Wir müssen an uns glauben. Dann schaffen wir es auch wieder, Spiele zu gewinnen. Nur über den Willen, Ehrgeiz, gute Teamleistungen und mit einem Teamgefüge, das immer noch in Ordnung ist, werden wir da unten auch punkten. Und genau das müssen wir jetzt“, erklärt Thomas Bohlen, dessen Bilanz in den vergangenen Wochen nicht unbedingt prickelnd aussieht.

Seit sechs Spielen in Serie hat Rugenbergen nicht mehr gewonnen. In den letzten zwölf Spielen gab es insgesamt nur zwei Siege. Zahlen, bei denen andernorts bereits längst eine Trainerdiskussion entbrannt wäre. Nicht so beim SVR. „Ich weiß nicht, ob bei uns noch alles ruhig ist. Klar ist der Vorstand unruhig, aber das ist auch legitim“, befindet Bohlen. „Ich kann nur sagen: Ich gebe alles, wir versuchen von Woche zu Woche alles. Ich bin überzeugt, dass wir die Spiele gewinnen, die wir gewinnen müssen“, fährt er fort, weiß aber auch um seine Situation: „Alles andere liegt nicht in meiner Hand. So ist das Trainergeschäft. Jeder, der irgendwo anfängt, weiß: Das kann immer in zwei verschiedene Richtungen gehen. Aber: Ich habe nicht das Gefühl, dass der Trainer in Frage gestellt wird. Das vermittelt mir auch die Mannschaft nicht, das ist auch entscheidend. Ich glaube, dass der Rückhalt weiter da ist.“

Jan Knötzsch 

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