03.03.2019

Zwischen Genugtuung und Provokation: Sembolo-Aura sorgt für Sasel-Aua!

Turbulentes Topspiel: Ex-Profi kontert Ex-Teutonen-Spieler

Am Ende kam es zu einigen hitzigen Rudelbildungen am Parkweg. Doch der FC Teutonia 05 blieb cool und siegte nicht zuletzt dank Francky Sembolo (li., Nr. 15). Foto: KBS-Picture.de

Erst empfand er nach seinem späten Tor gegen den Ex-Club „sehr viel Genugtuung“ und schien dem TSV Sasel „den Punktgewinn damit ein Stück weit zu vergolden“ – doch am Ende überwog bei Stefan Winkel der pure Frust: „So ist es natürlich super ärgerlich und bitter, dass wir durch solch einen einfachen Fehler noch das 1:2 kriegen!“ Dabei fehlte nicht viel, und Winkel hätte den Ambitionen des FC Teutonia 05 schon fast den Garaus gemacht (alle Highlights im LIVE-Ticker). Aber: „Das Glück war heute nicht auf unserer Seite.“ Wenngleich der 28-Jährige auch befand: „Wir waren heute nicht ganz so präsent und konnten uns auch nicht so viel herausspielen, wie sonst. Es kamen einige Bälle ins Nichts. Und wenn man dann auch noch so einfache Fehler macht, ist es kein Wunder, dass die ausgenutzt werden.“

Die Gäste bejubeln das Führungstor durch Deran Toksöz (2. v. re.). Foto: KBS-Picture.de

Als noch acht Minuten auf der Uhr waren, vollendete Winkel – nach einer Schwalbe von Deran Toksöz, die zum Gegenzug führte – einen Angriff über Timo Adomat und Jean-Lucas Gerken zum 1:1, riss sich das Trikot vom Leib, jubelte überschwänglich, und deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf den Mund. „Ich habe da etwas von der Bank gehört“, verriet Winkel hinterher, dass er mit dem Fingerzeig auf Kommentare aus dem Teutonen-Lager reagierte. Die Antwort der „Kreuzkirchler“: Keine 60 Sekunden später sorgte der eingewechselte Francky Sembolo nach einem langen Ball, den die Saseler Defensive nicht klären konnte, per Kopf über dem herausstürzenden Todd Tuffour hinweg für das 2:1 der Gäste (83.)! Die Reaktion: Co-Trainer Matthias Reincke stürmte auf den Platz und jubelte mehrfach provokant in Richtung Ex-Schützling Winkel. „So ist das im Fußball“, wollte der „tragische Held“ die Situation nicht überbewerten, scherzte sogar: „Fast machen wir noch das 2:2. Dann wäre ich wahrscheinlich auch nochmal zu ‚Matte‘ gelaufen. Aber nach dem Spiel ist alles vergessen. Wir haben uns die Hand gegeben und alles ist gut.“ Die von Winkel bereits angesprochene Chance auf das vermeintliche 2:2 hatte Gerken in der Nachspielzeit auf dem Kopf, konnte die Kugel im Fünfmeterraum aber nicht mehr entscheidend platzieren – und so hielt Yannick Zummack in einer äußerst turbulenten und hitzigen Schlussphase dem Dreier für die Ottensener fest.

„Ich kann keine Profis von der Bank bringen“

Der Ausgleich! Ex-Teutone Stefan Winkel (Mi.) brachte die Hoffnung kurzzeitig zurück. Foto: KBS-Picture.de

Maßgeblich dafür verantwortlich: Ex-Profi Francky Sembolo. In der 58. Spielminute brachte Trainer Sören Titze den Torjäger für den glücklosen Aytac Erman. Eine Viertelstunde vor Ultimo verlängerte dieser einen langen Ball genau in den Lauf von Pascal Eggert. Der flankte punktgenau ins Zentrum, wo Deran Toksöz das Leder in die Maschen schädelte (75.). Leitete der 33-jährige ehemalige Nationalspieler der Republik Kongo den Führungstreffer noch mustergültig ein, besorgte er den Siegtreffer höchstselbst! „Meine Mannschaft ist nicht mit der Erfahrung bestückt, wie unser heutiger Gegner – und vor allem auch nicht mit der individuellen Klasse im Gesamt-Kader. Ich kann keine Profis von der Bank bringen“, sprach Sasel-Coach Danny Zankl auf die „Joker-Qualitäten“ der Teutonen – unter anderem mit dem 40-fachen Zweitliga-Spieler Sembolo – an. „In einer so hitzigen Phase, wo auch mal die Emotionen hochkommen, und bei solch einem engen Ergebnis, hatte ich nicht so jemanden auf der Bank. Aber ich hoffe, dass unsere Jungs irgendwann auf dem Oberliga-Niveau in solch hitzigen Momenten noch besser gewappnet sind.“

„Ein 20-Jähriger hätte Angst vor dem Torwart gehabt“

Jubeln durften schlussendlich aber nur die Mannen von der Kreuzkirche. Foto: KBS-Picture.de

Währenddessen schwärmte Sören Titze von seinem Neuzugang, der noch längst nicht bei einem Fitnesszustand von 100 Prozent ist: „Er hilft den Jungs im Training, gibt ihnen kleine Tipps, hat immer ein Lachen auf den Lippen und versprüht in der Kabine eine Aura, die man sich nicht antrainieren kann – sondern er hat sie einfach. Damit gibt er den Spielern eine große Sicherheit. Und obwohl er auf der Bank sitzt, motiviert er seine Konkurrenten und klatscht alle ab. Deshalb freut es mich ungemein, dass er sich heute auch für seinen Aufwand heute belohnt hat“, so der Teutonen-Trainer, der dann auf Zankls Aussage einging und den „Torriecher“ Sembolos hervorhob: „Er hat sich das über die letzten zehn Jahre erarbeitet und in der Szene einfach dem Riecher, dort so durchzugehen. Der Unterschied ist wahrscheinlich: Ein 20-Jähriger hätte Angst vor dem Torwart gehabt und wäre da wohl nicht mit dem Kopf hingegangen. Aber er geht da so hin – und anders wäre es nicht möglich gewesen. Ich bin froh, dass ich ihn bei mir habe – und er macht uns sowohl auf als auch abseits des Platzes viel Freude.“ Und lässt den FC Teutonia 05 weiter vom Titel träumen…

Was beide Trainer zum emotionalen Topspiel zu sagen hatten: Die PK in voller Länge!

Autor: Dennis Kormanjos

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