23.02.2019

MSV mit Köpfchen, SVCN mit „Scheiße am Schuh“ – aber: „Ich habe keine Angst, dass wir absteigen“

Meiendorf zieht mit 2:1 in der Tabelle an Curslack vorbei und vergrößert Sorgen beim Gast

Torschütze Marcin Hercog (Mitte) setzt – gefolgt von Leonel Varela Monteiro und Haci Gündogan (re.) – nach seinem Treffer zum 2:1 zum Jubellauf an. Foto: Bode

Er war einfach nicht mehr zu halten. Soeben noch hatte Marcin Hercog im Strafraum des SV Curslack-Neuengamme völlig freigestanden, als sein Teamkollege Michael Sara im Anschluss an ein Foulspiel vom rechten Strafraumeck den Ball punktgenau halbhoch in die Mitte vor das Tor servierte. Hercog hatte Anlauf genommen, war heran geflogen und hatte schließlich die Kugel per Kopf an Keeper Gianluca Babuschkin vorbei ins Tor gewuchtet. Nun drehte Herocg ab. Die Zunge herausgestreckt und ausgebreiteten Armen. Leonel Varela Monteiro und Haci Gündogan kamen beim Jubellauf kaum hinterher. Hercogs Freude war verständlich: Sein Treffer zum 2:1 sieben Minuten vor Schluss bedeutete für den Meiendorfer SV im Match gegen den SVCN (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) letztlich den Sieg. 

Und es war ein Treffer, der den Gästen mächtig weh getan hatte. Der beste Beleg dafür: Marvin Schalitz. Curslacks baumlanger Abwehrspieler saß nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Janik Möller (SV Lieth) am Pfosten des Tores. Minutenlang kauerte Schalitz dort. Mitgenommen. Enttäuscht. Den Blick ins Leere gerichtet. Der Stachel der Enttäuschung – er saß tief in diesem Moment. Nicht nur, weil der SVCN gerade verloren hatte. Nein, auch weil der MSV mit diesem „Dreier“ in der Tabelle an den Kickern von Gramkowweg vorbeigezogen war. Und: Weil diese Niederlage einfach nicht hätte sein müssen. In zweierlei Hinsicht: Zum einen führte Curslack vor den 158 Zuschauern in der Flens-Arena und war, das hatte nicht nur Schalitz erkannt, dem Sieg lange näher als die Meiendorfer. Und zum anderen war da noch die Entstehungsgeschichte des spielentscheidenden Tores.

Wulff: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, uns auf das Thema Qualität zu verlassen“

Enttäuschung pur: Curslacks Marvin Schalitz verharrte nach dem Abpfiff minutenlang am Pfosten sitzend. Foto: Bode

„Beim Foul dreht er sich in mich rein. Da hat der Schiedsrichter, der meiner Meinung nach kein guter Spielleiter war, unglücklich entschieden. Aber wir haben das Spiel nicht wegen des Schiedsrichters verloren“, erklärte Schalitz nach Spielschluss mit Blick auf seinen Zweikampf gegen Bazier Sharifi, der den Freistoß auslöste. Und bei der Hereingabe von Sara, bei der Hercog völlig mutterseelenallein stand? „Ich weiß nich, was hinter mir passiert. Ich war bei Sharifi, hatte meinen Blick nach vorne gerichtet. Als ich mich umdrehe, sehe ich nur noch, dass wir hinter mir zu zweit gegen drei stehen“, analysierte der Abwehrmann und bekannte: „Wenn du mit Sebastian Spiewak und mir zwei Zwei-Meter-Leute hinten drin hast, darfst du kein Tor nach einer Standardsituation kassieren.“ So viel zur Theorie. Passiert war es nun doch – und mündete in Schalitz' Feststellung: „Das ist alles ganz schwer in Worte zu fassen. Normalerweise müsste man sagen, wir haben Scheiße am Schuh. Und wenn du Scheiße am Schuh hast, hast du halt Scheiße am Schuh. Aber das können wir nicht sagen, weil Meiendorf auch unten drin steht. Unser Blick geht ganz klar nach unten jetzt. Wir sind mitten im Abstiegskampf – das brauchen wir uns nicht schönreden.“

Dass der 22-Jährige ein derart dunkles Szenario an die Wand malen musste, war nicht nur Hercogs Siegtreffer für den MSV geschuldet. Sondern auch der Tatsache, dass der SVCN eben nach einer ersten Hälfte, „in der wir klar die bessere Mannschaft waren“ (O-Ton Schalitz) zwar durch Hamed Mokhlis (54.) in Führung ging, den Vorsprung dann aber wieder herschenkte, als Andrej Blum nach 71 Minuten ausglich. Zu allem Überfluss holte sich Mike Beldzik beim 1:2-Rückstand vier Minuten vorm Ende auch noch die „Ampelkarte“ ab. „Wir gehen in Führung und dann passiert das, was in den letzten Wochen in jedem Spiel bei uns passiert: Irgendwann ist ein Bruch drin und wir kommen nicht mehr in die Zweikämpfe. Danach fangen wir uns das 1:1, dann läuft das Spiel nur noch auf unser Tor und letztlich können wir uns über das 1:2 nicht beschweren“, resümierte Schalitz und ergänzte: „So eine Situation hatte ich in Curslack noch nicht und ich spiele jetzt mein fünftes Jahr hier.“ Immerhin: Die Flinte ins Korn werfen wollte der Innenverteidiger auch in diesem dunklen Moment nicht: „Ich habe keine Angst, dass wir absteigen. Wir werden uns als Mannschaft dagegen beugen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir nicht absteigen werden.“ 

Saglam: „Ich freue mich, weil wir gegen die Kopfball-Ungeheuer per Kopf den Siegtreffer erzielen“

Beim Führungtstreffer für Curslack ließ MSV-Keeper Briant Alberti (Zweiter v. re.) im Duell mit Sebastian Spiewak (Vierter v. re.) den Ball fallen. Foto: Bode

Sein Trainer mahnte derweil nach dem Spiel zur Vorsicht. „Wir hätten aus den beiden Spielen gegen Condor (dort spielte Curslack remis, Anm. d. Red.) und Meiendorf vier Punkte holen müssen, das ist uns nicht gelungen. Natürlich: Bei uns im Kader ist genügend Qualität, das haben wir schon gezeigt. Aber: Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, uns genau auf dieses Thema zu verlassen. Wir haben viele Spiele unglücklich remis gespielt oder verloren und hätten mehr Punkte verdient. Aber das ist alles Bla-Bla, auf das man sich nicht verlassen kann. Es gibt genügend Beispiele, wo es solche Teams am Ende getroffen hat“, gab Matthias Wulff auf der Pressekonferenz zu Protokoll und erklärte: „In der ersten Hälfte haben wir zwei sehr kompakte Mannschaften gesehen, die defensiv wenig zugelassen und offensiv wenig kreiert haben. In den ersten 20, 25 Minuten der zweiten Hälfte sind wir gut drin gewesen und haben das Spielgeschehen bestimmt. Dann erwischt es uns wie so oft und wir werden immer passiver im Zweikampfverhalten.  Für uns ist as eine ganz bittere Niederlage.“

Baris Saglam hingegen durfte den Moment des Sieges eine Woche nach dem abgebrochenen Spiel bei BU (wir berichteten) auskosten. „Wir wollten die Geschehnisse vom letzten Wochenende ausblenden. Aber wir wussten nicht, ob uns das gelingt. Wir wollen das Ganze nicht mehr zum Thema machen, es nicht mehr weiter aufhitzen und auch unseren Gegenüber – denjenigen, der die Sache ausgelöst hat – schützen. Daher werden wir nichts mehr dazu sagen“, teilte Meiendorfs Übungsleiter mit. Die Sache mit dem Ausblenden funktionierte – auch bei Kevin Heitbrock, dem Betroffenen, der am vergangenen Sonntag an der Dieselstraße vermeintlich beleidigt wurde: „Ich hatte keine Zweifel daran, dass Kevin sich aufs Spiel konzentrieren kann. Wir wissen ums eine Qualitäten“, konstatierte Saglam und ließ das Match gegen den SVCN wie folgt Revue passieren: „Es war kein schönes Spiel von uns, aber dennoch haben wir Charakter bewiesen – leider wieder nach einem Rückstand. Nach dem 0:1 haben wir besser ins Spiel gefunden. Ich freue mich, dass André Blum getroffen hat und immer besser in den Rhythmus kommt. Ich freue mich, dass auch Leonel Varela Monteiro, der mit einer Grippe lange ausgefallen ist, wie die anderen Jungs das Maximum abgerufen haben, was geht. Und ich freue mich, weil wir gegen die Kopfball-Ungeheuer, gegen die wir bis dahin alle Luftduelle verloren hatten, am Ende trotzdem noch per Kopf den Siegtreffer erzielen.“

Jan Knötzsch      

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