21.02.2019

„Wir können die Liga halten, das sehe ich nicht als unmöglich an“

Dünebergs Trainer Dennis Tornieporth im Interview

„Aufgeben ist keine Option“, sagt DSV-Coach Dennis Tornieporth. Foto: Bode

Der erste Sieg der Saison gelang dem Düneberger SV erst am siebten Spieltag, insgesamt stehen für die Mannschaft von Coach Dennis Tornieporth bisher nur drei dreifache Punktgewinne zu Buche. Macht zusammen mit einem Unentschieden und 14 Niederlagen zehn Punkte und den vorletzten Platz in der Tabelle der Landesliga Hansa. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt sieben Zähler. Kurzum: Für den DSV geht es in den verbleibenden Partien der Spielzeit um Alles oder Nichts. Wir haben mit Tornieporth über den bisherigen Verlauf der Serie, seinen Kader, die Aussichten für die restlichen Begegnungen und seine Zukunft in Düneberg gesprochen. 

Dennis, Ihr habt Euch mit einem 2:1-Sieg gegen Buxtehude in die Winterpause verabschiedet. Wie ist die Lage jetzt vorm Auftakt in die Restsaison?

Dennis Tornieporth: Die Stimmung ist gut. Natürlich weiß jeder, was die Stunde geschlagen hat. Es ist ein bisschen Anspannung zu spüren. Wir haben jetzt noch zwölf Spiele in dieser Liga. Wir werden das Beste geben, dass wir die Klasse irgendwie halten – aber: Das wird schwierig.

Am Freitagabend müsst ihr bei Dersimspor ran. Was er wartest du für ein Spiel?

Tornieporth: In erster Linie erwarte ich von meiner Mannschaft, dass sie den Abstiegskampf annimmt. Das heißt: kratzen, beißen und alles in die Waagschale hauen, was möglich ist. Darüber hinaus erwarte ich ein offenes Spiel, kein einseitiges. Dersimspor ist für mich zwar eine Spitzenmannschaft, die ins obere Drittel gehört, aber ich glaube: Bei den Platzverhältnissen, die uns da morgen auf uns zukommen, ist spielerisch von beiden Mannschaften nicht so viel zu erwarten. Deswegen kommt es auf die Grundtugenden an. Die brauchen wir im Abstiegskampf sowieso. Das ist ein guter Auftakt, ein guter Gegner. Ich freue mich, dass es endlich losgeht.

Für euch bleibt die Lage prekär: Zehn Punkte aus 18 Spielen, sieben Zähler Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Warum bleibt der DSV deiner Meinung nach am Ende doch drin?

Läuft die Landesliga-Zeit für Tornieporth und Düneberg ab? Aktuell sind es sieben Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Foto: Bode

Tornipeorth: Wir haben ein super Mannschaftsklima und haben zudem im Winter ein bisschen nachgelegt. Die Jungs, die wir dazu bekommen haben, sind tolle Neuzugänge – sowohl sportlich als auch menschlich. Wenn wir eine Chance haben, drin zu bleiben, dann mit dem jetzigen Kader. Man braucht allerdings auch nicht um den heißen Brei herumzureden: Viele bei uns haben bis zu dieser Saison noch nicht in der Landesliga gespielt und Düneberg ist ein Rand-Verein. Es ist schwierig, ohne finanzielle Mittel Spieler ran zu bekommen. Deswegen werden wir in der Landesliga, egal wie lange wir da spielen, immer ein Abstiegskandidat und im unteren Drittel anzusiedeln sein. Wir müssen sportlich immer mehr machen und in die Waagschale werfen als alle anderen. Kämpfen, Laufen, Leidenschaft – nur mit diesen Tugenden haben wir eine Chance. Wenn wir nur ein paar Prozent weniger leisten, wird es sehr schwer für den DSV.

Du hast den Punkt ja schon angesprochen: Wenn man es auf die Leistungsfähigkeit der Spieler bezieht, ist die Landesliga für den DSV eine Nummer zu groß?

Tornieporth: Ich glaube, dass ein Aufstieg nie zu früh kommt. Wenn man den Aufstieg schafft, dann sollte man auch hoch gehen. Aber prinzipiell ist es richtig: Düneberg hat in den letzten Jahren – mit wenigen Ausnahmen – eigentlich nur in der Kreisliga gespielt. Dass man jetzt zwei Mal in Folge aufstiegen ist, war für viele – gerade auch im Verein – sehr überraschend. Wir haben sportlich immer ein gutes Tempo an den Tag gelegt, aber jetzt in der Landesliga stößt man einfach an seine Grenzen. Nicht nur der Verein, sondern auch viele Spieler. Von daher ist es für uns ein Lernprozess, den wir durchmachen. Wir können die Liga halten, das sehe ich nicht als unmöglich an. Viele Spiele haben wir durch individuelle Fehler verloren. Wenn wir die abstellen und uns weiter verbessern und an uns arbeiten, dann können wir die Landesliga dauerhaft ins Visier nehmen. Sollten wir in diesem Jahr absteigen, sehe ich das wie gesagt als Lernprozess. Ein Abstieg wäre zum Großteil der personellen Situation geschuldet.

Das ist ein gutes Stichwort. Ihr habt immer wieder unter den besagten Personalproblemen gelitten, du musstest wiederholt sogar selbst spielen. War der Kader vor der Saison nicht ausreichend genug zusammengestellt?

Tornieporth: Es war für uns einfach ein Seuchen-Halbjahr. Es ist wirklich hart, wenn von über 20 Feldspielern in einem 25-Mann-Kader phasenweise mehr als die Hälfte draußen steht und zugucken muss. Das kann eine Mannschaft wie wir nicht auffangen. Dadurch war vielleicht auch der Konkurrenzkampf nicht mehr so hoch, wie wir ihn benötigt hätten. Leider Gottes ist damit dann auch die Anspannung nicht ganz so groß. Es ist eine alles in allem ungünstige Situation. Aber man muss eben auch dazu sagen: Wir haben nicht die Möglichkeit, Spieler aus dem Großraum Hamburg zu holen. Das Feld bei uns in Geesthacht und Umgebung ist abgegrast. Die Spieler, die wir holen konnten, haben wir geholt. Mehr war und ist leider nicht möglich. Meiner Meinung nach war der Kader nach der Aufstiegssaison gut zusammengestellt. Mit so vielen Verletzten, Pech und individuellen Fehlern ist es halt kompliziert, die Klasse zu erhalten.

Im Winter hat euch mit Dominik Schindler ein Spieler verlassen, der bis dahin zusammen mit Ruven Scharnberg der beste Düneberger Torschütze war. Wie schwer wiegt der Verlust?

Volle Kraft voraus: Tornieporth will alles daran setzen, am Ende doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Foto: Bode

Tornieporth: Ich muss ehrlich sagen: Für mich ist das kein großer Verlust. Er hat deutlich unter seinen Möglichkeiten gespielt. Von der Zeit, in der er bei uns war, hatten wir uns deutlich mehr erwartet. Er hat zwar gespielt und man hat schon gesehen, dass er was drauf hat und schon in der Landesliga aktiv war, aber ein Spieler mit seiner Qualität hätte noch mehr vorangehen müssen, noch mehr Tore erzielen und Vorlagen geben müssen. Mit Marcel Bannenberg, Dennis Utecht oder Tolga Cosgun haben wir Neuzugänge, die dem in nichts nachstehen und die das locker auffangen können und auch werden. Da bin ich mir ganz sicher. Ich trauere keinem Spieler nach, der nicht mehr zu unserem Kader gehört.

Kommen wir zu dir: Hast du irgendwann in der Saison mal drüber nachgedacht, angesichts der Situation hinzuwerfen?

Tornieporth: Aufgeben ist keine Option. Wir sind ein Team. Wir haben uns innerhalb von zwei Jahren gemeinsam vom Mittelfeld der Kreisliga da hin gebracht, wo wir jetzt sind: in die Landesliga. Das ist eine beachtliche Leistung für so einen Verein. Deswegen werden wir das auch von Anfang bis Ende durchziehen. Von meiner Seite aus – und ich glaube auch vom Verein aus – gibt’s keine Gedanken, dass wir einen Schluss-Strich ziehen müssen. Wenn wir runter gehen, dann weiß jeder, woran es gelegen hat. Wir sind nicht gezwungen, in der Landesliga zu bleiben, aber es wäre schön, wenn wir es bleiben. Ich gehe mit voller Kraft voraus und werde alles möglich machen, damit wie die Liga erhalten.

Das heißt also, du sitzt – komme was wolle – auch in der nächsten Saison auf der Bank beim DSV?

Tornieporth: Mein Vertrag läuft noch ein Jahr bis zum Sommer 2020 – unabhängig davon ob wir die Klasse halten oder absteigen. Deswegen planen wir jetzt schon die neue Saison. Ich habe keine Gedanken an eine neue Herausforderung.

Interview: Jan Knötzsch

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