18.02.2019

BUsenfreunde: "Kein Rassismus-, sondern ein Intelligenzproblem"

BU-Fans mit Stellungnahme zum Vorfall im Meiendorf-Spiel

Foto: Bode

Mit ihrer Reaktion, den Platz als Team zu verlassen, setzten die Akteure und Verantwortlichen des Meiendorfer SV am gestrigen Sonntag im Gastspiel beim HSV Barmbek-Uhlenhorst ein klares Zeichen gegen Rassismus - nachdem einer ihrer Spieler von einem Fan, dem BU daraufhin "aus dem Verein ausschloss und Stadionverbot erteilte", beleidigt wurde (Alles zu dem Thema - hier). Nun haben sich die "BUsenfreunde", eine Fan-Gruppierung der Barmbeker, zu Wort gemeldet und ein Statement zu dem Vorfall abgegeben.

Folgende Stellungnahme veröffentlichten die "BUsenfreunde" auf facebook:

Das Dilemma der Dummheit

Aufgrund der aktuellen Berichterstattung in regionalen und überregionalen Medien, zum gestrigen Spielabbruch bei unserer 1. Herren, sehen wir uns zu einer etwas längeren Ergänzung zu unserem gestrigen Statement gezwungen.

Die Bild-Zeitung, bekannt für ihren konsequenten Einsatz gegen rechte Hetze und für Diversität, nennt den vollen Klarnamen des gestrigen Übeltäters. Wer diesen unbedingt nachlesen will, soll sich bitte selbst bemühen, wir werden das hier nicht verlinken. Nennen wir den Herrn einfach kurz DG.

DG ist unserer Gruppe bekannt. Er geht seit mehreren Dekaden zu BU, was er auch nicht müde wird zu erzählen. DG ist selbsternannter Fanbeauftragter, was er ebenfalls nie müde wurde zu erwähnen, auch Medien wie der Bild-Zeitung gegenüber nicht. Mit dieser Selbstdarstellerei fiel uns DG sicher einige Male auf den Wecker, daraus haben wir nie ein Geheimnis gemacht. Der Verein hätte gut daran getan, dies einmal richtig zu stellen.

DG ist Teil des Barmbeker Pöbels, der seinen Namen nicht daher hat, dass er unbedingt Rücksicht auf die Gefühlslage des Gegners nimmt. Bei Barmbek wurde schon immer gepöbelt; auch unsere Gruppe kann sich davon nicht freisprechen. Die Pöbeleien sind oft augenzwinkernd, teilweise aber auch unter der Gürtellinie. Was unsererseits aber immer unterbunden wurde, sind rassistische, antisemitische oder homophobe, sprich diskriminierende Entgleisungen, sollte sich eine Person mit solchem Gedankengut doch mal zu BU verirrt haben. Je nach Schwere der Entgleisung gab es eine deutliche Ansage von uns und anderen Personen, oder aber der Übeltäter wurde hinaus komplimentiert. So sind wir über die Jahre verschiedene Einzelpersonen, aber auch Personengruppen losgeworden, die BU für ihren Gedankenschmutz missbrauchen wollten. Eine Leistung, für die wir durchaus Lob und Anerkennung eingeheimst haben und auf die wir auch stolz sind.

Pöbeleien also. DG hat den Schiedsrichter gerne als "Schneeschieber" betitelt, Gegenspieler gerne anhand der Rückennummer ("Du halbe 10!") verbal identifiziert. Oder eben an deren Trikotfarbe. ("Immer der Blaue!", "der Rote ist nur am Treten!") Und damit kommen wir zum Dilemma der Dummheit.

DG war kognitiv nicht befähigt, zu erkennen, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man jemanden aufgrund der Trikotfarbe als "scheiß Blauen" oder eben als "Schwarzen" betitelt. Es ist natürlich so, dass dies rassistisch aufgefasst werden kann und wir sind die Letzten, die das irgendwie verteidigen würden. In diesem Fall, gerade wenn man die Greatest-Pöbel-Hits von DG kennt, kommen wir jedoch zu dem Schluss, dass hier kein Rassismus-Problem, sondern viel mehr ein Intelligenzproblem vorliegt.

Uns ist klar, dass wir uns mit diesem Statement angreifbar und der Relativierung verdächtig machen. Wir halten es jedoch für entscheidend, hier den Kontext herzustellen. Das gestrige Statement wurde unter der Annahme verfasst, es handele sich um einen definitiv rassistischen Vorfall. Diese Annahme hat sich als falsch herausgestellt.

Wir appellieren an den Hamburger Sportverein Barmbek-Uhlenhorst von 1923 e. V., hier mit Augenmaß vorzugehen, auch wenn uns natürlich klar ist, dass der mediale Druck, öffentlichkeitswirksam zu handeln, natürlich groß ist. Zu groß, angesichts dessen, was passiert und wie es einzuordnen ist.

DG ist ein Pöbler, ein Selbstdarsteller, ein spannender Gesprächspartner und ein BU'ler durch und durch; ein Rassist ist er jedoch nicht.

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