19.01.2019

Ex-Club geärgert: Zufriedener Boll bei St. Pauli-Rückkehr

Vicky mit starker Halbzeit - Boll: „Habe die richtige Kabine gefunden“

Hatten gut lachen: St. Pauli-Legende und Vicky-Neucoach Fabian Boll (li.) sowie Torschütze Dennis Bergmann nach dem 1:1 gegen den Kiez-Nachwuchs. Foto: KBS-Picture.de

Für Fabian Boll war es so, „als wäre ich nie weggewesen“, wie er nach der Rückkehr an seine langjährige Trainingsstätte an der Kollaustraße gestand. Dort nämlich testeten „Boller“ und dessen Co-Trainer Marius Ebbers mit dem SC Victoria gegen die U23 des FC St. Pauli. Während Boll insgesamt 14 Jahre lang bei den „Kiezkickern“ aktiv war, über die damalige Zweite - damals sogar für wenige Tage unter dem Trainer Joachim Philipkowski - den Sprung zu den Profis und dann sogar in die Bundesliga schaffte, um seine Karriere 2016 in der U23 ausklingen zu lassen, kann „Ebbe“ auf drei Jahre und 46 Tore in 143 Pflichtspielen für die Braun-Weißen zurückblicken. Nichtsdestotrotz: „Ich habe schon noch die richtige Kabine gefunden“, witzelte Boll nach dem achtbaren 1:1 seines SCV beim klassenhöheren Viertligisten.

Bibie Njie (li.) wurde beim Strafstoß zur Führung von Clifford Aniteye zu Fall gebracht. Foto: KBS-Picture.de

„Überrascht war ich nicht wirklich“, so Boll. „Das ist das Produkt, wenn man an ein, zwei Stellschrauben dreht. Ich kann vor den Jungs nur den Hut ziehen. Sie sind sehr lernwillig, immer engagiert im Training und wollen sich verbessern“, führte der neue starke Mann beim SC Victoria aus – und spielte damit auf den starken Auftritt seiner Schützlinge in der ersten Hälfte beim Regionalligisten an. „Insbesondere mit den ersten 25, 30 Minuten waren wir sehr zufrieden. Da haben wir genau das umgesetzt, was wir auch spielen wollten“, freute sich der 39-Jährige, dessen Mannen nach 27 Minuten die längst überfällige Führung erzielten. Nachdem Felix Schuhmann schon zuvor das 1:0 für den Gast auf dem Fuß hatte (18.), war es ein Zuspiel von Len Aike Strömer, das Bibie Njie frei auf das Tor zusteuern ließ. Doch Clifford Aniteye fuhr dem Angreifer in die Parade. Elfmeter. Diesen verwandelte Dennis Bergmann ganz abgezockt (27.)! „Das war schon sehr gut, wie die Jungs das in der ersten Halbzeit gespielt haben“, zeigte sich Boll zufrieden.

Carolus zurück, Brüning dabei

Dennis Bergmann (li.) verwandelte sicher. Timo Stegmann kommt als erster Gratulant. Foto: KBS-Picture.de

Doch kurz vor der Pause erwachten die Philipkowski-Kicker und hatten erst einen Pfostenschuss von Miguel Coimbra Fernan zu verzeichnen (35.), ehe Damir Bektic freistehend am herausragend reagierenden Dennis Lohmann scheiterte (36.). Doch die Führung der Gäste war alles in allem absolut verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können. Lange ärgerte Boll seinen Ex-Club. Nich umsonst war Philipkowski mit dem ersten Abschnitt „überhaupt nicht zufrieden“. Am Ende sorgte Seung-Won Lee jedoch für Schadensbegrenzung und verhinderte mit seinem Treffer zumindest die Niederlage der „Kiezkickerchen“ (68.), die am vergangenen Samstag bereits der U23 des FC Schalke 04 unterlegen waren (1:3). „In der zweiten Halbzeit haben wir uns gefangen“, bilanzierte „Piepel“, der auf einige „Testspieler“ zurückgriff. Darunter Nils Brüning, der von 2013 bis 2015 für den HSV II auf Torejagd ging und seither auf dem US-College bei den North Carolina Tar Heels sein Glück versucht, sich für einen Vertrag in der „MLS“ zu empfehlen. Ebenfalls wieder mit dabei: Kerim Carolus, der die Defensiv-Lücke schließen könnte. „Da wollen wir noch etwas machen“, kündigte Philipkowski an.

Boll: „Ich ziehe voll durch - die Liga spielt keine Rolle“

Kerim Carolus (li.) - hier gegen Len Strömer - feierte bei den „Kiezkickern“ sein Comeback. Foto: KBS-Picture.de

Währenddessen kann auch Vicky zwei Rückkehrer begrüßen: Marc Lange, kam nach der Pause zum Einsatz, gehört künftig ebenso wieder zum Kader wie auch Tom Wohlers, der Ende Januar zum Team stoßen wird, wie Boll verriet. Sein Fazit zum Spiel: „Das war schon sehr okay. Wir haben intensiv trainiert und man hat auch gesehen, dass hintenraus ein bisschen die Frische fehlte. Aber St. Pauli hat natürlich auch eine gute Qualität. In der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen was anderes probiert. Das Wichtigste ist aber, dass alle engagiert waren und sich keiner verletzt hat. Insofern bin ich rundum zufrieden“, erklärte Boll, der seine neue Aufgabe mit 100-prozentiger Leidenschaft angeht: „Es gibt noch viel zu tun. Mir ist egal, ob es die fünfte, sechste oder die zweite Liga ist. Ich ziehe es voll durch – das ist meine Art. Da spielt die Liga keine Rolle!“

Autor: Dennis Kormanjos

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