08.12.2018

Union 03 beschenkt sich zum Nikolaus selbst

4:2-Sieg gegen überraschte Kummerfelder

Union-Keeper Martin Meier (li.) klärt in höchster Not vor dem einschussbereiten Marcel Braun. Foto: Klaas Dierks

Am Donnerstagabend empfing der Tabellenvorletzte SC Union 03 den Tabellenvierten Kummerfelder SV bei anfangs regnerischen Bedingungen auf dem schlecht ausgeleuchteten Grandplatz an der Memellandallee zum Nachholspiel noch vor der Winterpause. Schnell wurde klar, der Gast aus Schleswig-Holstein war nicht gekommen, um zum Nikolaustag Geschenke zu verteilen.

Bereits nach fünf Minuten hatte Jonas Lienau die erste gute Möglichkeit nach einer Hereingabe von rechts seine Farben frei vor dem Torwart aus sieben Metern in Führung zu bringen. Sein Schuss strich aber knapp am linken Pfosten vorbei ins Aus. Nur drei Minuten später war es der während des ganzen Spiels gefährlich agierende Christopher Klengel, der sich auf dem rechten Flügel einen schon verlorenen Ball zurückeroberte, in die Mitte zog und vom Rande des Strafraums flach unten links zur Führung vollendete (8.).

Der Unioner 1:1-Ausgleich durch Jonas Henke (re.). Foto: Klaas Dierks

Alles schien also seinen erwarteten Verlauf zu nehmen. Doch nicht dieses Mal. Kummerfeld blieb zwar vorerst nach der Führung spielerisch überlegen, aber Union ergab sich keineswegs kampflos und entwickelte auch Momentum nach vorne. Wie gewohnt suchte man Tietz mit langen, hohen Bällen. Der verlängerte diese entweder mit dem Kopf, hielt den Ball und versuchte seine Mitspieler in Szene zu setzen, oder er schloss bei günstiger Gelegenheit selbst ab. So in der zwölften Minute, als er aus circa 20 Metern in halbrechter Position sein Glück versuchte. Der Schussversuch entwickelte sich allerdings zu einer Vorlage für Mannschaftskollege Jonas Henke, der zentral an der Grenze zum Sechzehner sträflich frei stand, mit dem Ball am Fuß auf Torwart Yannik Neumann zu lief und aus fünf Metern an ihm vorbei zum Ausgleich einschob. Das Spiel nun wieder offen.

Spiel gedreht: Farid Abdul (2. v. li.) bejubelt sein 2:1. Foto: Klaas Dierks

Union beschränkte sich nicht darauf sich hinten rein zu stellen, sondern initiierte die eine oder andere Offensivaktion. In der 21. Minute führte dies zu einem Einwurf für Union von der linken Angriffsseite, etwa acht Meter von der Torauslinie entfernt. Ausgeführt von Neuzugang Lino-Rodrigo Paires. Der überraschte die Kummerfelder Verteidigung mit einem Einwurf, wie man sie sonst in der Staffel eher von Hansas Ole-Sven Schatz erwarten würde. Mit mächtigem Schwung warf er den Ball bis auf die rechte Seite des Fünfmeterraumes, wo ein weiterer Neuzugang, Farid Abdul in den Ball hineinlief und ihn aus der Kurzdistanz cool am Keeper vorbei zur Führung einnetzte. Spiel gedreht, großer Jubel. Aber den Skeptikern unter den Zuschauern fiel automatisch der Spielverlauf gegen den SC Pinneberg ein. Auch dort wurde eine Führung aus der Hand gegeben. Am Ende stand man trotz couragierten Spiels ohne Punkte da. Und dieses Mal?

Das 2:2! Christopher Klengel mit seinem zweiten Streich für den KSV. Foto: Klaas Dierks

Kummerfeld antwortete mit eigenen Offensivbemühungen, die oft nur durch Fouls unterbunden werden konnten. So nur vier Minuten nach der Führung der Platzherren. Christopher Klengel legte sich den Ball in zentraler Position zurecht. Entfernung zum Tor 18 Meter. Die Mauer von Union machte noch vor der Ausführung an den Seiten auf. Klengel nutzt die Unentschlossenheit des Gegners und verwandelte sehenswert direkt zum Ausgleich. Frust bei Union. Kommt jetzt der Einbruch? Mitnichten. Nur drei Minuten später versuchte Paires noch fast in der eigenen Hälfte auf dem linken Flügel mit dem Außenrist einen Diagonalpass a la Beckenbauer über 35, 40 Meter auf den rechten Flügel. Dort war der schnelle Johannes Witt seinem Gegenspieler auf und davon gelaufen, bekam zur Überraschung auch so mancher Unioner auf und neben dem Spielfeld die Kugel, fackelte nicht lange, sondern wuchtete das Spielgerät aus halbrechter Position hinein ins Kummerfelder Tor. 3:2 für Union. Was für ein Fußballspiel! Nur eine Minute später hatte Klengel den Ausgleich auf dem Fuß, sein satter Schuss aus 16 Metern verfehlte das Tor jedoch knapp. Da wäre Torwart Meier nicht mehr drangekommen.

Nur knapp verpasst Klengel (re.) sein drittes Tor. Foto: Klaas Dierks

Kummerfeld versuchte Struktur ins Spiel zu bringen. Klengel und der dribbelstarke Dominik Berlin versuchten es zentral und über die Flügel, blieben aber entweder hängen, oder die Schüsse fanden nicht den Weg ins Netz. Vor allem über rechts gab es zudem zwei gute Möglichkeiten in der ersten Halbzeit den erneuten Ausgleich zu erzielen, aber es sollte nicht sein. Auch Union spielte weiter nach vorne. Witt passte auf Farid Abdul, der sich gegen die längeren Verteidiger durchsetzte und aus fünf Metern zum Kopfball kam. Aber er setzt den Ball knapp über die Latte. So geht die Heimmannschaft mit einer knappen Führung in die Pause. Ein seltenes Erlebnis für Union, die in der zweiten Hälfte bisher konditionell häufig Schwächen offenbarten. Ist das die Chance für die Jungspunde aus Kummerfeld?

Pech für Kummerfeld! Von der Unterkante der Latte prallt der Ball zurück ins Feld. Foto: Klaas Dierks

Die zweite Hälfte sieht jedoch erstmal Union weiter in der Vorwärtsbewegung. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff bedient Johannes Witt, der sich von der rechten Eckfahne bis in den Sechzehner vorarbeitet von der Grundlinie den Torschützen zum 1:0 Henke, der jedoch aus fünf Metern Distanz das Spielgerät links neben das Tor setzt. Dann ist erneut Kummerfeld am Zug. In der 55. Minute wird Christopher Klengel in der Spitze angespielt. An der Grenze zum Torraum hat Torwart Meier die Hände am Ball. Der wird ihm aber vom nachsetzenden Klengel mit gestrecktem Bein abgeluchst und ins Tor befördert. Zurecht wird das Tor von Schiri Patrick Silvester wegen gefährlichen Spiels nicht gegeben. Nur drei Minuten später pfeift er jedoch an der Strafraumgrenze der Unioner Freistoß für Kummerfeld.

Der erste Ball bleibt zwar in der Mauer hängen, kommt aber zu einem Kummerfelder Spieler, der den Ball aus spitzem Winkel von rechts unter die Latte hämmert, von wo aus er vor der Linie zurück ins Spiel springt. Das hätte der erneute Ausgleich sein können. Glück für Union. Auf der anderen Seite darf in der 63. Minute auch Yannik Neumann im Tor der Schleswig-Holsteiner sein Können unter Beweis stellen, als er nach einer Ecke den Kopfball von Denis Lübke aus ca. fünf Metern mit Klasseparade über die Latte befördert. Nur zwei Minuten später ist er dann allerdings machtlos. Erneut wird Tietz hoch angespielt, seine Verlängerung geblockt. Den zweiten Ball bekommt er in etwa 25 Meter in halbrechter Position vor dem gegnerischen Tor. Nachdem er es zuvor schon ein paarmal vergeblich versucht hatte, funktioniert es nun. Er erwischt den aufspringenden Ball optimal und zimmert ihn halbhoch zum 4:2 in das Kummerfelder Gehäuse. Union führt mit zwei Toren!

Die Entscheidung! Alexander Tietz gibt Yannik Neumann mit dem 4:2 das Nachsehen. Foto: Klaas Dierks

Kummerfeld drängt. Kann einen verunglückten Abschlag des Gegners nicht nutzen. Dann bekommt Marcel Braun die Chance aus kurzer Distanz den Anschlusstreffer zu erzielen, doch Meier riskiert Kopf und Kragen und verhindert den Einschlag. In der 90. Minute kassiert Unions Kapitän nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Freistoß am Sechzehner. Doch nachdem Meier den Freistoß in der ersten Halbzeit hatte passieren lassen müssen, taucht er nun in die rechte Ecke ab und dreht den gut getretenen Ball gerade noch zur Ecke um den Pfosten. Durch zahlreiche Unterbrechungen zieht sich das Spiel in die Länge. Der Schiedsrichter zeigt an: acht Minuten Nachspielzeit. Kummerfeld wirft alles nach vorne, der Torwart steht oft an der Mittellinie. Ein Schuss aus knapp 50 Metern vom eingewechselten Pascal Gertschat, der für Union sein letztes Spiel macht, verfehlt das Tor knapp.

Ein enttäuschender KSV-Knipser Christopher Klengel. Foto: Klaas Dierks

Kummerfeld drückt, aber ohne noch etwas am Ergebnis zu ändern. Union siegt 4:2 und sorgt für Hochstimmung beim Anhang der Schwarz-Weißen. Der Einsatz der Neuzugänge, der Auftritt des selten verfügbaren Johannes Witt und der ausbleibende Einbruch in der zweiten Halbzeit, in der Union kämpferische Tugenden offenbarte, zeigen, daß Union durchaus auch nach der Winterpause punkten kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Kummerfeld überwintert auf dem vierten Platz und wird sich trotz der Niederlage die anstehende Weihnachtsfeier nicht vermiesen lassen. Obwohl mit dem Ergebnis natürlich unzufrieden, zeigte sich Trainer Nils Hachmann in Bezug auf die Spiele nach der Winterpause optimistisch. Das letzte Wort gebührt Trainer Holger Werner von Union: "4:2. Großartige Mannschaftsleistung."

Klaas Dierks

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