28.07.2018

Erstes Ausrufezeichen: „Die Maschinen“ kommen ins Rollen

„Mit so einer Haltung wird es schwer in der Oberliga“

Nach seinem Traumtor zur Führung: Die Teamkollegen Louca (li.), Möller und Nägele (re.) herzen Mattia Maggio (2. v. re.). Foto: KBS-Picture.de

Neue Saison, neuer Trainer, neuer Anlauf – und das erste Ausrufezeichen: Die TuS Dassendorf ist mit einem äußerst souveränen, nie gefährdeten und auch in der Höhe gänzlich verdienten 4:0-Erfolg über den Wedeler TSV in die Mission „Sechste Hamburger Meisterschaft in Folge“ gestartet. Neucoach Elard Ostermann zeigte sich dementsprechend „zufrieden“ mit dem Aufgalopp und der Performance seiner Jungs. „Wir haben es sehr seriös gespielt und nicht mal andeutungsweise eine gewisse Spur von Überheblichkeit gezeigt, sondern das Ganze sehr konzentriert runtergespielt.“

Kjell Ellerbrock (li.) kommt gegen Maggio bei dessen Kunstschuss zu spät. Foto: KBS-Picture.de

Wedels Co-Trainer Holger Weinsheimer, der den urlaubenden „Chef“, Daniel Domingo, vertrat, sah sein Team vor dem Aufeinandertreffen mit dem „Serien-Champ“ zumindest in einem Punkt sogar im Vorteil: „Ich hätte gedacht, dass das Wetter uns in die Karten spielt, weil wir gegen eine ältere Mannschaft spielen“, gestand er – und sprach damit auf die tropischen Temperaturen am Wendelweg an. Doch die Ernüchterung folgte schnell. „Es ist offensichtlich eine erfahrene ältere Mannschaft“, hatte er die Lacher auf seiner Seite, um dann anzufügen: „Ich dachte, dass es unseren jungen Burschen, die rennen, tun und machen, entgegenkommt. Aber wenn du natürlich gegen so eine Dominanz spielst, und immer nur hinterher rennst, dann hast du ein Problem.“ Ein Problem, das sich von der ersten bis zur letzten Minute wie ein roter Faden durchs Spiel der Elbstädter zog. TuS-Fänger Christian Gruhne trieb, wenn überhaupt, nur die brütende Hitze einige Schweißperlen auf die Stirn. Ansonsten war der Torsteher der Hausherren komplett beschäftigungslos. Auf die Frage, ob die Köpfe zu früh nach unten gingen, entgegnete Weinsheimer: „In den ersten 20 Minuten waren die Köpfe gar nicht oben.“

Maggio schnürt bei Liga-Debüt einen Doppelpack

Erfolgreiche Premiere: Elard Ostermann durfte zum Liga-Auftakt einen Sieg mit seiner TuS bejubeln. Foto: KBS-Picture.de

Der Titelverteidiger konnte schalten und wollten, wie er wollte. Folgerichtig dauerte es auch nicht lange, bis Neuzugang Mattia Maggio den Torreigen eröffnete – und wie! Aus 18 Metern rechter Position jagte der Ex-Profi den Ball ansatzlos und mit nur einem kurzen Blick schnurstracks in den rechten Winkel – 1:0 (9.)! Dassendorf diktierte und dominierte, verpasste es aber, das zweite Tor nachzulegen. „Mit dem 0:1 zur Halbzeit konnten wir noch zufrieden sein“, befand selbst Weinsheimer. Während Ostermann konstatierte: „Solange es nur 1:0 steht, ist es immer gefährlich. Da kann ein Standard oder ein guter Konter ausreichen. Umso wichtiger war der Doppelschlag nach der Pause.“ Womit die „Wendelwegler“ auch endgültig den Deckel auf die einseitige Partie drauf setzten. Wieder war es Maggio, der nach einem Thomas-Zuspiel von der rechten Seite von einem Schnitzer des Wedeler Schlussmannes, André Alves Lopes, profitierte. Der bis dato starke Rückhalt kam aus seinem Kasten, schlug jedoch über den Ball, sodass der einstige HSVer nur noch einschieben musste (57.)! Wenige Augenblicke darauf setzte Samuel Louca, der Henrik Dettmann aus der Startelf verdrängte, am rechten Strafraumeck Pascal Nägele in Szene. Dessen 16-Meter-Flachschuss schlug im kurzen Eck ein (60.)!

Weinsheimer: „Das sind alles Maschinen - und das ist nicht despektierlich gemeint“

Mit zwei Toren feierte der ehemalige HSVer Mattia Maggio (re.) ein gelungenes Debüt im „Dasse-Dress“. Foto: KBS-Picture.de

Den letzten Treffer des Tages erzielte „Geburtstagskind“ Marcel von Walsleben-Schied, der sich an seinem Ehrentag zunächst einmal etwas überraschend auf der Bank wiederfand. „Ich habe es noch nie erlebt, dass die Startelf vom ersten Spieltag auch am 17. Spieltag noch gestartet ist. Das wird auch in dieser Saison nicht der Fall sein“, lässt Ostermann all seinen „Stars“ ein Hintertürchen offen – und erklärte, dass es ihm nur um Leistung und um den jeweiligen Gegner gehen würde. Nach einem Möller-Freistoß aus dem Halbfeld flankte der frisch gebackene Papa Rinik Carolus von links präzise ins Zentrum, wo von Walsleben-Schied die Kugel zentral unter die Latte hechtete (77.)! Erneut wirkte der Ball nicht komplett unhaltbar, wenngleich Alves Lopes eine noch höhere Niederlage verhinderte. „Die Erfahrung hat heute einen Ausschlag gegeben“, bilanzierte Ostermann.

Während sein Gegenüber treffend analysierte: „Ein auch in der Höhe verdienter Sieg. Wir wussten von vornherein, dass wir es schwer haben, wenn Dassendorf mal ins Rollen kommt. Das sind alles Maschinen – und das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint. Wir haben eine relativ gute Vorbereitung gespielt, aber eben nicht gegen Dassendorf, sondern gegen Landesligisten.“ Und weiter: „In den ersten 20 Minuten haben wir überhaupt keine Körperspannung, keine Körpersprache und auch keinen Zugriff bekommen. Wir haben sie ins Rollen kommen lassen. Der Plan ist überhaupt nicht aufgegangen. Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, gar nicht umsetzen können. Mit so einer Leistung und so einer Haltung wird es schwer, in der Oberliga ein Spiel zu gewinnen. Die Jungs, auf die man sich verlässt, die auch ein Stück weit die Führungsspieler sind, haben es heute auch nicht hingebracht. Und so kam eines zum anderen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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