05.07.2018

Titz: „Mit so einer Stimmung haben wir nicht gerechnet - das war phänomenal“

Alle Stimmen zum „Test-Kracher“ zwischen Dassendorf und dem HSV

Kein Vorbeikommen: Der ehemalige HSVer und Neu-Dassendorfer Mattia Maggio (li.) bleibt an Rothosen-Zugang David Bates hängen. Foto: KBS-Picture.de

So sehr hatte sich Christian Titz auf eine saftige Bratwurst nach dem Spiel gefreut. Doch der Trainer des HSV kam gar nicht dazu, diese auch zu verspeisen. Immer und immer wieder wurde er von den Anhängern des Bundesliga-Absteigers abgefangen und stand bereitwillig für jedes Foto und jeden Autogrammwunsch zur Verfügung. Nachdem er sich auch noch den Fragen der Presse stellte, war das organisierte Exemplar urplötzlich verschwunden. Doch Titz nahm es mit Humor – und schwärmte stattdessen von der Atmosphäre im ausverkauften Stadion an den Sander Tannen: „Das war phänomenal, einfach überragend! Du kommst hierher, rechnest nicht damit und dann ist das Stadion ausverkauft und die Leute sind alle im positiven Sinne so enorm euphorisch. Eine klasse Unterstützung.“

HSV-Coach Christian Titz erfüllte zahlreiche Autogrammwünsche. Foto: KBS-Picture.de

Am Ende triumphierten die „Rothosen“, die sich nach Abpfiff besonders Fan-nah präsentierten, nach Toren von Pierre-Michel Lasogga (15., 23., FE), Marco Drawz (35.), Bakery Jatta (67., 87.), Joe Warmbier (69., ET), Christoph Moritz (71.), Manuel Wintzheimer (73., 85.) und David Bates (78.) mit 10:0. Ein Resultat, das zumindest in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war. „Das ist auf jeden Fall zu viel!“, befand auch Dassendorf-Akteur Maximilian Dittrich, der den ersten Abschluss der Partie abgab, als er HSV-Neuzugang Khaled Narey auf seiner linken Seite stehen ließ (5.). Es folgte ein Hochkaräter von Sven Möller (11.). „Wir hatten zwei, drei Chancen und hätten ein, zwei Tore machen müssen“, konstatierte Mirko Petersen, Co-Trainer der TuS, und fügte an: „Dann haben wir uns zwei Tore selbst eingeschenkt.“ Erst rutschte der einstige HSVer Henrik Dettmann weg und ermöglichte Lasogga so das 1:0, ehe Finn Thomas einen Strafstoß gegen Tatsuya Ito verursachte, den Lasogga ebenfalls cool verwandelte. Vor der Pause durfte sich Dassendorf-Keeper Christian Gruhne noch einmal auszeichnen, als er einen weiteren Elfer, diesmal von Fiete Arp geschossen, parierte (45.).

Petersen: „Ich habe nicht mit einem zweistelligen Ergebnis gerechnet - absolut nicht“

Bakery Jatta (2. v. re.) durfte sich doppelt in die Torschützenliste eintragen. Foto: KBS-Picture.de

„Das 0:3 zur Halbzeit war noch okay. In der zweiten Halbzeit hat der HSV Dampf gemacht und wir hatten eine Phase, in der wir vier Tore in wenigen Minuten kassiert haben. Danach haben wir durchgewechselt und dann war es auch für Beine und Kopf schwer, den Schalter nochmal umzulegen“, so Petersen, der davon sprach, dass es „schade“ sei, wie „die zweite Halbzeit abgelaufen ist.“ Und weiter: „Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich nicht mit einem zweistelligen Ergebnis gerechnet habe – absolut nicht. Schon gar nicht nach der ersten Halbzeit – aber die zweite hat das Ergebnis so ein wenig widergespiegelt. Das ist einfach schade. Ich will nicht sagen unglücklich, aber wir werden daraus lernen“, ehe er erklärte: „Sechs von Duisburg, dann werden wir sicher die eine oder andere Geschichte anders machen.“ Währenddessen meinte Dittrich: „Man muss es auch so sehen, dass wir mitten in der Vorbereitung sind, viel gewechselt haben und müde Beine durch die vielen Läufe in den letzten Tagen hatten. Es war ein Test, andererseits auch eine Einheit. Das Duisburg-Spiel hat nochmal eine ganz andere Bedeutung.“

Titz: „Wir wussten, dass sie im Amateurbereich die stärkste Mannschaft sind“

Auch Henrik Dettmann (li.) - hier gegen HSV-Neuzugang Christoph Moritz - war mal bei den Rothosen aktiv. Foto: KBS-Picture.de

Dass die Partie zwischen dem Neu-Zweitligisten und dem Hamburger Doublesieger ein solch deutliches Ende nehmen würde, war anfangs noch nicht abzusehen. Auch Titz befand: „In der ersten Halbzeit haben wir es nicht so gut gemacht – vor allem übers Zentrum. Wir hatten zu viele Fehlpässe drin gehabt, das Anlaufverhalten war nicht gut und auch hinten haben wir zu viel zugelassen.“ Die Leistung der „Wendelwegler“ schätzte er wie folgt ein: „In er ersten Halbzeit haben sie es gut gemacht. Danach war mir dann klar, wenn wir auch nochmal elf Neue reinbringen und eine bisschen andere Konstellation im Zentrum haben, dass es dann ein bisschen schwieriger für sie wird. Aber wir wussten, dass sie im Amateurbereich die stärkste Mannschaft sind und das haben sie auch phasenweise gezeigt.“ Auch HSV-Mittelfeldspieler Matti Steinmann war der Meinung: „Man hat am Anfang gesehen, dass sie gut spielen können und einige gute Spieler haben. Am Ende wurde es deutlich. Ich denke, da hat dann auch die Kraft ein Stück weit nachgelassen. Für uns war es ein rundum gelungener Abend.“

Petersen: „Es ist als Highlight und nicht als Dämpfer zu sehen“

Bejubeln einen der zehn Torerfolge: Douglas Santos (li.) und Schütze Christoph Moritz. Foto: KBS-Picture.de

Insbesondere aufgrund des zweiten Abschnitts, indem der HSV „deutlich konsequenter“ war und eine „geringere Fehlpassquote“ hatte, wie Titz erkannte. Sein Gegenüber, Mirko Petersen, der aufgrund des Fehlens von Elard Ostermann, der beim A-Lizenz-Lehrgang weilte, das Sagen hatte, gab derweil zu Protokoll: „Es war ein überragendes Gefühl. Sowas habe ich noch nie erlebt und das erlebt man auch grundsätzlich nicht alle Tage.“ Aber: „Vom Erlebnis her toll, vom Ergebnis her nicht so toll.“ Denn: „Wir hatten uns etwas anderes vorgenommen. Dennoch sehe ich es nicht als Dämpfer. Der HSV war das erste Highlight, das zweite kommt jetzt noch. Diese beiden Spiele nehmen wir als Belohnung. Deshalb ist es als Highlight und nicht als Dämpfer zu sehen. Aber natürlich will kein Fußballer der Welt zehn Gegentore kassieren.“ Abschließend sagte „Naddel“, wie Petersen seit Jahr und Tag nur genannt wird: „Es sieht doof aus, aber wir werden da morgen mal drüber sprechen – und dann ist auch gut. In sechs Wochen kommt der MSV und dann werden wir sicher anders präpariert sein.“

Autor: Dennis Kormanjos

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