22.04.2018

Meiendorfs Matchball misslingt: Prince wird zu Dersims König

Hausherren schlagen MSV nach vier Niederlagen in Serie mit 1:0

Christopher Mahrt (re.) freut sich bei seiner Auswechselung mit Samed Topuzovic. Foto: Knötzsch

Yannick Jonas lag mit dem Rücken auf dem Kunstrasen an der Baererstraße und hatte alle Arme und Beine von sich gestreckt. Neben dem Keeper des Meiendorfer SV lagen seine Handschuhe. Ein paar Meter weiter saß Furkan Pinalik konsterniert auf dem Boden. Haci Gündogan blickte betrübt zu Boden und auch das Gesicht von Osman Celik machte keinen glücklichen Eindruck. Nur wenige Augenblicke zuvor hatte Schiedsrichter Paul Dühring (SVNA) das Auswärtsspiel des MSV bei Dersimspor angepfiffen und damit zwei Fakten besiegelt. Erstens: Der MSV hat es versäumt, seinen ersten Matchball im Kampf um die Meisterschaft und den Oberliga-Aufstieg zu nutzen. Und zweitens: Die Meiendorfer haben ihr erstes Saisonspiel verloren.

Saisonübergreifend war die Mannschaft von Coach Baris Saglam seit dem 23. April 2017 ungeschlagen. Damals gab es gegen den USC Paloma mit 1:5 die letzte Schlappe. Seitdem verließ der MSV in 28 Spielen den Platz nicht mehr als Verlierer. Dass dies seit heute anders ist und die „Super-Serie“ der Meiendorfer ausgerechnet einen Tag, bevor sich die letzte Niederlage jährt, endete, liegt an Prince Boateng Styhn. Der Innenverteidiger der Hausherren machte sich mit seinem Treffer in der 72. Minute, als er einen von Christopher Mahrt aus dem Mittelkreis getretenen Freistoß per Kopf an Keeper Jonas vorbei ins Netz beförderte, zum König des Spiels und brachte Gästetrainer Saglam zu einem deutlichen Fazit: „Heute hat es nicht gereicht. Wir haben unter unseren Fähigkeiten gespielt.“

Siebert: „Wenn heute keine Reaktion gekommen wäre, hätte ich es auch nicht mehr gewusst...“

Meiendorfs Ephrahim Asante (Nummer 3) im Duell mit Marco Löffke, rechts eilt Hischem Metidji heran. Foto: Knötzsch

Auf dem Platz drückte sich das Ganze so aus, dass Dersimspor die Mehrzahl der Chancen für sich verbuchen konnte. Los ging's bereits nach sieben Minuten, als Karim Derouiche zu ungenau zielte. Vier Minuten später landete Mahrts „Risiko-Volleyschuss“ auf dem Lattenkreuz. Erneut vier Minuten danach scheiterte Derouiche an Jonas. Nach 23 Zeigerumdrehungen stand der MSV-„Goalie“ abermals unter Beschuss, doch auch den Versuch von Prince Dzigbede parierte er. Anschließend verfehlte Yildiz nach einer Ecke mit einem Schuss aus der zweiten Reihe das MSV-Gehäuse (25.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte war Yannick Jonas dann noch einmal gefordert: Bei Hischem Metidjis Schuss flog der MSV-Keeper durch die Luft und verhinderte mit einer Glanztat Schlimmeres (45.+3). Und Meiendorf? Der Gast hatte vorm Seitenwechsel nur zwei starke Szenen: Erst schaffte es Leonel Varela Monteiro nicht, den Ball aus kurzer Distanz einzunetzen (36.), dann traf Osman Celik nur den Pfosten (38.).

Im zweiten Durchgang ging es munter weiter: Metidji konnte einen Schuss von Derouiche in aussichtsreicher Position nicht genügend unter Kontrolle bringen (53.), auf der anderen Seite zielte dann Marcin Hercog drüber (61.). Nach Prince Boatens Styhns 1:0 hätten die Gastgeber in der Schlussphase  noch einen zweiten Treffer nachlegen können, doch das alte Leid mit der Chancenverwertung fand seine Fortsetzung: Zana Demir scheiterte nach 87 Minuten an Jonas, im Duell mit Dejan Sekac lenkte der Meiendorfer Schlussmann den Ball über die Latte (90.) und in der Nachspielzeit waren es dann abermals Demir und anschließend Samed Topuzovic, die den Ball nicht an Jonas vorbei bekamen. Dann war Schluss – und Sven Siebert konnte durchatmen: „In der ersten Hälfte habe ich gedacht, dass es so wie häufig laufen würde: Wir machen das Spiel, haben Chancen, in Führung zu gehen, machen das Tor nicht und bekommen stattdessen einen Gegentreffer. Vielleicht war es heute endlich mal verdient, dass wir so ein Ding dann über die Zeit bringen.“

Al: „Wir haben nur bei den Gesprächen mit den Spielern die Verträge ein bisschen angepasst“

Beim Teamkreis vor dem Spiel waren die Meiendorfer noch optimistisch... Foto: Knötzsch

„Wenn heute nach vier Niederlagen am Stück mit unfassbar vielen Gegentreffern und Spielen, in denen wir teilweise kein Landesliga-Niveau hatten, keine Reaktion gekommen wäre, dann hätte ich es auch nicht mehr gewusst...“, bekannte Dersimspors Coach. „Für Meiendorf“, so Siebert weiter, „ist das natürlich eine bittere Niederlage. Für mich ist es aber völlig uninteressant, gegen wen wir gewonnen haben. Wir sind in einer komischen Situation. Die Saison geht rauf und runter, es gibt überall Bausteine, an denen wir arbeiten. Es läuft definitiv nicht rund, das sieht man auch an den Ergebnissen.“ Aber: Liegt's wirklich nur an den Resultaten? Seit Wochen gibt es auf Hamburgs Plätzen das Gerücht, Dersimspor täte ein möglicher Oberliga-Aufstieg nicht gut, weil der Verein sein finanzielles Volumen herunterfahren müsse. „Mit allem, was das Finanzielle angeht, habe ich nichts zu tun. Was ich in Sachen Motivation der Spieler sagen muss, ist, dass wir überragend trainieren. Wir geben in jeder Einheit Gas, die Jungs brennen. Aber wir kriegen es an den Wochenenden nicht auf die Reihe“, sagte Siebert. 

Angesichts dessen „müssen wir uns fragen, ob wir drumherum alles tun. Andererseits: Der Verein tut viel für die Jungs, da muss auch mal was zurückkommen. Heute sind wir alle zufrieden – aber das ist nur eine Momentaufnahme. Wir müssen auch mal 30 Spiele gut bestreiten und nicht immer nur ein, zwei Highlights setzen. Insofern taten die letzten Wochen weh“, so Siebert. Was nun mit den Gerücht ist? „Das sind nur Gerüchte“, sagt Dersims Vorstandsmitglied Yücel Al. Das einzige was Fakt ist: „Wir haben bei den Gesprächen mit den Spielern die Verträge ein bisschen angepasst“, so Al. Soll heißen: Abstriche müssen die Spieler, die aus dem aktuellen Kader bereits zugesagt haben, wohl hinnehmen, aber dass beim Club von der Baererstraße die „Kohle“ knapp ist, verneint Al: „Das müsste man mal denjenigen aus unserem Vorstand erzählen, die immer wieder Geld in den Verein investiert haben und das auch weiterhin tun.“

Saglam: „Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten den Sack heute zugemacht“

Baris Saglam musste derweil eingestehen, dass seine Mannschaft „nicht ansatzweise ins Spiel gefunden“ habe. „Wir haben dem Gegner zu viele Räume gegeben und keinen strukturierten Fußball nach vorne gespielt. Von daher muss man sagen, das Dersimspor absolut verdient gewonnen hat. Die Jungs müssen auch diesen Punkt, mal ein Spiel zu verlieren, kennenlernen, Heute war es leider so weit“, befand Meiendorfs Coach, der anschließend schon einmal nach vorne blickte: Am Dienstag empfängt der MSV (60 Punkte/Torverhältnis: +48) den VfL Lohbrügge zum Heimspiel, Verfolger Bramfelder SV (47 Punkte/+15) erwartet den FC Voran Ohe. Dersim hat 46 Zähler (Torverhältnis: +14), aber ein Spiel weniger. Heißt: Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, sollte Meiendorf Dienstag gegen Lohbrügge und am Samstag zuhause gegen Bramfeld dreifach punkten. „Es ist natürlich schön, wenn man vor der Heimkulisse aufsteigen kann, aber mir wäre es lieber gewesen, wir hätten den Sack heute schon zugemacht. So haben die Jungs jetzt Druck in den Heimspielen, aber mit dem sollten sie umgehen können“, so Saglam abschließend.

Jan Knötzsch

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