22.04.2018

Slapstick pur, stille Genugtuung und „Erman Goal“: Neun Concorden zähmen Teutonias „Power-Fußball“

„Kriegen billigste Gegentore, weil unsere Defensive nicht wach genug für die Oberliga ist“

Georgios Cholevas ärgerte seinen Ex-Club mit dem wichtigen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1. Foto: KBS-Picture.de

Nach der 2:3-Pleite in der Vorwoche beim SVCN platzte Sören Titze der Kragen: „Wenn wir uns weiter so präsentieren, werden wir keinen Punkt mehr holen“, klagte der Teutonen-Chefcoach, der mit seinen 05ern den Regionalliga-Aufstieg anpeilt. Die Reaktion seiner Mannen: Ein 4:2-Erfolg über Concordia. Allerdings war erneut nicht alles Gold, was glänzt. Zwar zeigten seine Schützlinge eine deutliche Leistungssteigerung, erlebten während der 90 Minuten aber viele viele Höhen und unzählige Tiefen in einem mehr als nur kuriosen Spiel…

Aytac Erman (3. v. re.) schraubt sich in die zweite Etage und köpft zum 3:1 ein. Foto: KBS-Picture.de

Es war die 23. Minute, als Georgios Cholevas die Hände jubelnd gen Himmel streckte und nahezu jeden seiner Mitspieler einzeln abklatschte. Auch die aufgrund einiger Ausfälle dünn besetzte Bank der „Kreuzkirchler“ wurde von der Nummer „2“ nicht ausgespart. Der Grund für Cholevas‘ emotionalen Ausbruch: Ausgerechnet er hatte seine Teutonen – nach einem frühem Rückstand, als Keeper Semir Svraka ganz böse patzte und einen harmlosen d’Urso-Pass fallen ließ, woraufhin sich Abdel Abou Khalil artig bedankte (2.) – in Führung gebracht. Ausgerechnet deshalb, weil Cholevas die erfolgreiche Zeit der Concorden unter seinem Vater „Aki“ Cholevas mit prägte. Er führte die „Bekkampler“ sogar als Kapitän aufs Feld, ehe man mit Pauken und Trompeten auseinanderging. Nun traf er auf seine alte und zuletzt deutlich abgekühlte Liebe, die er mit seinem Treffer auf die Verliererstraße brachte. Nach einem Eckball von Winter-Zugang Arne Gillich, der nach langer Verletzungspause sein Startelf-Debüt feierte, stand der Außenverteidiger am zweiten Pfosten goldrichtig und nickte die Kugel über die Linie (23.)! Für Cholevas mit Sicherheit auch ein Stück weit Genugtuung.

Titze: „Der Klassiker: Wir zeigen, wo der Hammer hängt und sind dann selbstzufrieden“

Gleich dreimal schlug Erman (2. v. li.) zu und ließ sich zurecht feiern. Foto: KBS-Picture.de

Neben seiner Person stand aber vor allem Aytac Erman im Mittelpunkt. „Erman Goal“ war mal wieder nicht zu bremsen! Erst erzielte er nach einer Flanke von Maximilian Fischer im zweiten Anlauf den Ausgleich (19.), dann schraubte er sich nach einem Arifi-Freistoß in die zweite Etage und schädelte zum 3:1 ein (33.)! „Eine erste Halbzeit, die nicht unglücklicher losgehen kann. Aufgrund eines Fehlers, da brauchen wir auch nicht drumherum zu reden, der so wahrscheinlich nie wieder passieren wird, gehen wir in Rückstand. Aber ab da hat meine Mannschaft bis zur Halbzeit wirklich Power-Fußball gespielt. Wir sind angelaufen, haben gekämpft und gefightet – jeder für jeden“, so Titze, dessen Elf durch Nick Gutmann, der am Lattenkreuz scheiterte (37.), und abermals Cholevas, der diesmal per Kopf zu überrascht schien (41.), die Führung weiter hätte ausbauen können. Stattdessen blieb es beim Zwei-Tore-Vorsprung. „Es ist der Klassiker. Wir haben kurz gezeigt, wo der Hammer hängt. Und dann ist man selbstzufrieden. Ich habe es eigentlich angesprochen, dass wir mit dem gleichen Elan, mit dem gleichen Einsatz und mit der gleichen Hilfsbereitschaft in die zweite Halbzeit gehen müssen“, fand Titze die richtigen Worte, die seine Mannschaft allerdings nicht beherzigte. „Concordia hat sich nicht aufgegeben, war heiß und hat das dann gut gemacht. Wir sind hingegen nur noch bei 90 oder 95 Prozent, machen nicht mehr jeden Weg und arbeiten auch nicht mehr gegen den Ball.“

Teutonia wackelt in doppelter Überzahl - Titze: „Das kann nicht sein!“

Jorgo Cholevas (li.) hätte sogar noch sein zweites Tor machen können, als er die Kugel über das Gehäuse nickte. Foto: KBS-Picture.de

Allerdings nahmen sich die Gäste mehr oder minder selbst aus dem Spiel. Zunächst sah der bereits vorbelastete Martin Werner wegen eines Fouls an der eigenen Strafraumgrenze die Ampelkarte (66.)! Später flog auch noch Kevin Zschimmer, der seiner Elf einen ungeheuren Bärendienst erwies, als er wegen Meckerns in ein und der selben Situation binnen weniger Sekunden gleich zweimal den gelben Karton sah – macht in der Summe ebenfalls Gelb-Rot (75.)! Gerade, als seine Equipe wieder voll im Spiel drin war. Denn Abou Khalil verwandelte einen von Danijel Suntic an eben jenen Zschimmer verursachten Strafstoß zum 2:3 (73.)! „Wir sind in Überzahl! Was ist denn los mit euch?!“, war FCT-Torwart Semir Svraka außer sich, weil seine Teamkameraden das Fußballspielen nahezu einstellten. Zwar gelang Erman mit seinem dritten Treffer des Tages, nach scharfem Zuspiel von Gutmann, die Vorentscheidung (80.), ehe Ex-Teutone Frederic Böse einige Male einen noch höheren Rückstand verhinderte. Aber die Gossow-Kicker kamen – wohlgemerkt in doppelter Unterzahl – in den Schlussminuten noch zu vier (!) ganz dicken Einschusschancen. „Es war dann ein offener Schlagabtausch“, konstatierte Titze, der bemängelte: „Die Jungs dachten: Uns kann schon nichts mehr passieren. Und das werfe ich der Mannschaft in der zweiten Halbzeit vor. Weil am Ende des Tages musst du gegen neun Mann den Ball laufen lassen, dann gibt‘s Freiräume ohne Ende. Hinten haben wir die letzten 30 Minuten fahrlässig verteidigt. Das kann nicht sein!“

Titze appelliert an Spieler - Gossow sieht „Defensive nicht wach genug für die Oberliga“

Den Gästen reichten am Ende auch die beide Treffer von Abdel Abou Khalil (li.) nicht. Foto: KBS-Picture.de

Anschließend ging Titze auf Nachfrage nochmal auf seine Kritik aus der Vorwoche ein und hielt ein flammendes Plädoyer an sein Ensemble: „Bei jedem Spieler, der sagt, die Luft ist raus, läuft irgendwas falsch. Letztendlich möchte jeder nächste Woche im Pokal-Halbfinale gegen Dassendorf auflaufen. Jeder möchte in den Aufstiegsspielen dabei sein und das Bestmögliche, was man als Amateurfußballer erreichen kann, schaffen – nämlich in der Regionalliga zu spielen und im ODDSET-Pokalfinale zu stehen. Dafür arbeiten wir seit Juni jede Woche hart. Davon träumt jeder Fußballer in ganz Hamburg. Es ist schwer genug, da hin zu kommen. Und dann kann ich nicht verstehen, wenn einer der Meinung ist, dass er in der Liga – nur weil kein anderer gemeldet hat – zwei, drei Meter weniger machen kann. Die Ausrede würde für mich nicht gelten und lasse ich auch nicht gelten. Jeder hat hier Woche für Woche alles abzuliefern. Allein schon, um zu zeigen: Ich bin da.“ Währenddessen bilanzierte Cordi-Coach Gossow, der aufgrund diverser Ausfälle erstmals in einem 4-1-4-1-System agierte, da beide etatmäßigen Sechser fehlten: „Ich finde, dass wir es dafür sehr gut gemacht haben. Aber wir kriegen halt, wie schon die ganze Saison über, die billigsten Tore, weil die Defensive zeitweise nicht wach genug ist für die Oberliga!“ Eine deutliche Aussage von Gossow, der abschließend meinte: „Wir kriegen die einfachsten Gegentore und müssen dann immer wieder hinterherlaufen. Trotzdem spielen wir eine sehr gute zweite Halbzeit. Der Genickbruch sind natürlich die beiden Gelb-Roten Karten. Ansonsten bin ich mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden – vor allem aufgrund der Situation und Umstände. Dafür war das sehr gut. Schade, dass man nicht belohnt wird.“

Autor: Dennis Kormanjos

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