22.04.2018

„Das Nonplusultra“ vor der (nächsten) Krönung: Dassendorf hat Matchball!

„Eine starke Mannschaft, ohne Chance“ - TuS lässt in Niendorf die Muskeln spielen

Die TuS Dassendorf marschiert dem fünften aufeinanderfolgenden Titel entgegen. Pascal Nägele (re., weißes Trikot) leitete den Sieg in Niendorf mit seinem Treffer ein. Foto: Kormanjos

„Alles in allem ist Dassendorf das Nonplusultra in dieser Liga. Wenn man sieht, dass Teutonia vier Tore gegen die bekommen hat und wir nur zwei, dann sind wir eigentlich ganz glücklich“, witzelte Ali Farhadi, und gratulierte dem Gegner schon zur fünften Meisterschaft in Folge – auch wenn diese noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist. „Sie sind klarer und souveräner Meister“, so Farhadi, dessen Niendorfer an diesem Nachmittag irgendwie abwesend wirkten. „Wir fahren echt eine hohe Frequenz. Ich kann den Jungs heute keinen Vorwurf machen. Wir arbeiten wirklich hart am Limit, sind nicht Dassendorf und können Spiele noch nicht so souverän gestalten, wie sie das tun. Schlussendlich müssen wir die Kirche im Dorf lassen. Die Saison ist lang und spürbar. Du spielst halt auch nicht gegen irgendwen, sondern gegen den amtierenden und zukünftigen Meister.“

NTSV-Angreifer Ante-Akira Kutschke (re.) war bei der TuS-Hintermannschaft komplett abgemeldet. Foto: Kormanjos

Ihm war bewusst, was seinem Team blühen würde. „Sie sind extrem kampfstark, von der Mentalität her gut und voller Selbstvertrauen nach den letzten Spielen. Wir wussten genau, was uns erwartet“, ging Peter Martens von einem heißen Tanz aus. Schließlich waren seine Dassendorfer auch nicht bei irgendwem, sondern ebenso bei einer Top-Truppe zu Gast. „Es ist eine gute Mannschaft“, adelte Martens den NTSV, um dann anzufügen: „Sie hatte heute nur keine Chance!“ Damit traf der Übungsleiter der TuS den Nagel auf den berühmt-berüchtigten Kopf. Denn allein schon von der Körpersprache her wirkten die „Sachsenwegler“ heute so, als würden sie gar nicht an einen Sieg gegen den „Dauer-Champion“ glauben. Dassendorf war schlichtweg robuster, griffiger, handlungsschneller und auch geiler auf den Sieg – den vorentscheidenden zum nächsten Titel. „Wir haben es unter schwierigen Bedingungen total souverän gelöst, hatten eine klasse Einstellung, waren von Anfang an da und haben trotz der widrigen Umstände versucht, Fußball zu spielen. Es war ein Spiegelbild dessen, was die Mannschaft seit anderthalb Jahren macht“, fand Martens überaus anerkennende Worte für seine Mannen.

Nägele und von Walsleben-Schied treffen - „So frei standen wir ja noch nie“

Der Tabellenvierte hatte lediglich zwei ernstzunehmende „Abschlüsse“ zu verzeichnen. Beide Male musste der von seiner Rot-Sperre in den Kasten zurückgekehrte Christian Gruhne nicht einmal eingreifen. Erst köpfte Adam Benn einen Afsin-Freistoß rund zwei Meter über das Gehäuse (24.), dann konnte Sascha Steinfeldt eine Hereingabe von Malte Wilhelm von der Linie schädeln (80.). Mehr war nicht. Doch apropos Sascha Steinfeldt: Der ehemalige Lübecker rückte bei der TuS in die Startelf, weil Maximilian Dittrich verletzungsbedingt passen musste. Und er machte seine Sache gut. Am Führungstreffer hatte der Linksfuß maßgeblichen Anteil, als er sich auf der linken Seite zunächst gut behauptete und den Ball auf Höhe der Grundlinie wohl im Spiel hielt. Rechts am Strafraumeck lauerte Pascal Nägele, der seinen Gegenspieler zum Tänzchen bat und dann aufs lange Eck zielte. In der Mitte rutschten Marcel von Walsleben-Schied-Schied und NTSV-Verteidiger Sean Paul Vinberg, der wohl nich entscheidend abfälschte, in die Kugel, die links neben dem Pfosten einschlug (36.)! An der Vorentscheidung in Minute 65 war dann der früh für den verletzten Rinik Carolus eingewechselte Lennart Müller, der eine starke Performance zeigte, beteiligt. Der „Hüne“ köpfte einen Freistoß von Sven Möller am zweiten Pfosten stehend aufs lange Eck, wo von Walsleben-Schied-Schied parat stand und in Torjäger-Manier veredelte! „So frei standen wir ja noch nie im Sechzehner“, wunderte sich auch Kapitän Joe Warmbier über die Freiheiten seiner Nebenbuhler.

Farhadi kritisiert Referee: „Die Gelb-Rote Karte war absolut albern!“

Dassendorfer Jubel nach dem Führungstor durch Nägele. Foto: Kormanjos

Den verkorksten Niendorfer Auftritt rundete eine Ampelkarte gegen Tim Philipp Krüger ab. Dieser fragte den Unparteiischen Daniel Gawron, was er denn gegen sie hätte, und bekam dafür Gelb-Rot (71.)! Eine kleinliche Entscheidung, die Farhadi verärgerte – aber nicht nur diese: „Meiner Ansicht nach hat der Schiedsrichter heute zu viele Anteile an den Situationen gehabt, die dann zu Schlüsselsituationen wurden. Aber auch Schiedsrichter können mal einen schlechten Tag haben, den hatte er heute scheinbar gehabt“, erklärte Farhadi, ehe er ergänzte: „Beim ersten Tor hätte er schon Foul pfeifen können, spätestens aber, dass der Ball im Aus war. Ich habe es gesehen, alle haben es gesehen – nur er nicht. Aber es ist so, wie es ist. Die Gelb-Rote Karte ist dann absolut albern! Er lässt sich vorher von Dassendorfer Spielern belabern, zeigt nicht mal Gelb dafür, und wir kriegen für einen harmlosen Spruch gleich die zweite Gelbe Karte hinterher gedrückt. Kein Fingerspitzengefühl, keine gute Linie – schlussendlich ist ihm das Spiel komplett aus der Hand geglitscht.“

Martens: „Unsere Mannschaft hat von Beginn an gezeigt, wer dieses Spiel gewinnt“

Marcel von Walsleben-Schied traf erneut und ackerte für die Mannschaft. Foto: Kormanjos

Den „Wendelweglern“ konnte dies herzlich egal sein. Sie machten ihre Hausaufgaben – mal wieder. Und das mit Bravour. „Die Mannschaft hat gegen jeden Gegner die richtige Einstellung, immer die Mentalität, das Spiel gewinnen zu wollen – und immer alles zu investieren, um als Sieger vom Platz zu gehen. Heute war es nicht der geringen Klasse von Niendorf zuzuschreiben, sondern unserer Mannschaft, die hier von Beginn an gezeigt, wer dieses Spiel gewinnt! Wir freuen uns jetzt, dass wir nächste Woche alles in der eigenen Hand haben, um den letzten Schritt zur Meisterschaft machen zu können“, so Martens, dessen Equipe schon mit einem Punktgewinn gegen den HSV III nicht mehr vom Thron zu stoßen wäre. Aber: „Wir wollen Spiele gewinnen, über ein Unentschieden reden wir nicht!“ Eine klare Ansage von Martens, der allerdings auch warnt: „Für die ist es der letzte Strohhalm, irgendwie nochmal da unten rauszukommen. Deshalb wird es eine schwere Aufgabe. Auch Pinneberg hat uns letztes Jahr voll Paroli geboten, bis wir sie im Sack hatten. Das wird kein Selbstläufer.“ Wenn man aber einen ähnlich beherzten und überzeugenden Auftritt an den Tag legt, dürfte die nächste Trophäe nicht mehr fern sein. 

Autor: Dennis Kormanjos

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