25.03.2018

Nrecaj tut Ex-Verein doppelt weh - Gossow: „Ein Sieg war definitiv nicht drin“

Stegmann stiehlt zaubernden „Zankl-Zockern“ die Show

Enrik Nrecaj (li.) glänzte gegen seinen Ex-Club als Doppeltorschütze und hätte seiner Leistung in der Nachspielzeit noch die Krone aufsetzen können. Foto: Mathias Merk

Als Schiedsrichter Benjamin Stello den Schlusspfiff ertönen ließ, schlug Danny Zankl die Hände über dem Kopf zusammen. „Ich kann meiner Mannschaft eigentlich keinen Vorwurf machen“, erklärte er auf der anschließenden Pressekonferenz. Die Enttäuschung des Sasel-Trainers war nicht etwa der Leistung seiner Schützlinge geschuldet, sondern vielmehr der Tatsache, dass die Belohnung für das Gezeigte ausblieb. „Ich kann meiner Mannschaft über weite Strecken ein gutes Spiel attestieren. Wir wollten gewinnen, keine Frage. Aber so, wie wir aufgetreten sind – vor allem, mit dem Personal, was wir auf dem Platz hatten –, kann ich nur sagen: Chapeau. Da haben sich heute einige Leute ein Bierchen verdient!“

Zwei Tore, eine Vorlage: Timo Stegmann stemmte sich vehement gegen eine Cordi-Niederlage. Foto: KBS-Picture.de

Florian Gossow wirkte angeschlagen. „An meiner Stimme hört man, dass ich nicht so zufrieden war mit dem Spiel“, gestand er – und fügte an: „Der Einsatz hat gestimmt, aber in Sachen Raumaufteilung und taktisches Verhalten – vor allem die Dinge, die wir im Vorfeld ausreichend angesprochen haben –, wurde es nicht so umgesetzt, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Auch Abwehrchef Ronny Buchholz registrierte, wie sein Team mehr und mehr unter Dauerbeschuss geriet. So forderte er seine Teamkollegen gut zehn Minuten vor Ultimo dazu auf: „Jungs, wir müssen auch mal ein bisschen aggressiver sein!“ Doch im Endeffekt konnte sich Concordia bei Torhüter Frederic Böse, der in der Nachspielzeit gegen Tolga Celikten stark parierte, sowie bei Jonas Kastl, der wenig später gegen Enrik Nrecaj auf der Linie klärte, bedanken, dass man mit einem 3:3 im Gepäck die Heimreise antreten durfte.

Stegmann trifft vom Punkt, bereitet vor - und schweißt einen Freistoß aus 30 Metern ein

Und dann wäre da noch ein gewisser Timo Stegmann. Der Kapitän der Jenfelder war an allen drei Toren seines Team direkt beteiligt. Erst verwandelte er einen von Marwin Bolz an Cem Cetinkaya verursachten Elfmeter ganz sicher (8.). Abgerundet hatte er seinen Nachmittag am Parkweg mit einem punktgenauen Freistoß auf den Kopf des eingewechselten „Retters“ Kastl, der im Sinkflug zum 3:3 traf (65.). Das Highlight des Timo Stegmann war aber jene Aktion in Minute 43, als er sich einen 30-Meter-Freistoß zurechtlegte, einige Meter Anlauf nahm – und die Kugel Vollspann in den rechten Giebel donnerte. Was für ein Geschoss, was für ein Strahl – und was für ein Treffer! Ein Schuss wie ein Strich, mit dem offenbar auch Sasel-Keeper Lasse Erichsen, der den zuletzt nicht immer fehlerfreien Todd Tuffour vertrat, nicht unbedingt rechnete. Der eigentlich noch für die A-Jugend der „Parkwegler“ zwischen den Pfosten stehende „Youngster“ hätte sonst wohl noch einen entscheidenden Schritt in Richtung bedrohtes Toreck machen können. Dran war er, verhindern konnte er den Einschlag allerdings nicht.

Per Doppelpack: Nrecaj tut Ex-Verein weh

Überragender Denker und Lenker im Saseler Spiel mit viel Laufarbeit: Timo Adomat. Foto: KBS-Picture.de

Neben Erichsen, der ansonsten ein gutes Oberliga-Debüt feierte, stand mit Lars Tiedemann ein weiterer A-Jugendlicher in der Startelf und überzeugte in der Innenverteidigung. „Wir gehen ein bisschen auf dem Zahnfleisch“, so Zankl, der auf einige Leistungsträger verzichten musste. „Dafür haben wir das super gemacht“, fand er lobende Worte für seine auf dem Platz stehende Elf, die sich immer wieder sehenswert bis vors gegnerische Tor durch kombinierte und wunderbare Tore erzielte. Den Anfang machte Ex-Concorde Enrik Nrecaj, der vom überragenden Timo Adomat (fast alle seine langen Pässe und Diagonalbälle fanden den Mitspieler) sensationell in Szene gesetzt wurde, den Ball aus der Luft pflückte und zweimal auf dem Fuß tanzen ließ, ehe er eiskalt ins lange Eck vollstreckte (5.)! Nach der Pause ging es dann nur noch in eine Richtung. Folgerichtig drehte der TSV das Geschehen und auch das Ergebnis auf den Kopf. Nach einem langen Ball des eingewechselten Sebastian Zinselmeyer und verunglückter Klärungsaktion von Jan-Hendrik Bannasch an den Rücken von Yannis Büge, beförderte dieser die Kugel vom rechten Sechzehnereck per Dropkick zwischen Latte und Pfosten in den linken Winkel - 2:2 (54.)! Keine sechs Zeigerumdrehungen darauf war es wieder Nrecaj, der diesmal von Bünyamin Balat auf die Reise geschickt wurde, und von halbrechts ins lange Toreck vollstreckte (60.)!

Gossow: „Ein Sieg war heute definitiv nicht drin!“

Der eingewechselte Jonas Kastl köpfte das 3:3 und verhinderte in der Nachspielzeit die Pleite. Foto: KBS-Picture.de

„Dass Sasel spielstark ist und nicht zu Unrecht da oben steht, hat man schon im Hinspiel gesehen. Da muss man sich drauf einstellen. Es gibt Mannschaften, die auch oben stehen, aber einfacher zu bespielen sind, weil sie taktisch nicht so ausgereift sind, wie es Sasel eben ist“, lobte Gossow die „Zankl-Zocker“ fast schon überschwänglich. „Das habe ich der Mannschaft mehrfach gesagt und auch, worauf zu achten ist. Aber leider haben wir das zu wenig umgesetzt und in der Offensive nicht clever genug agiert.“ Schließlich ging er auf die eingangs gestellte Frage, warum seine Mannen nicht als Sieger vom Platz gegangen sind, folgendermaßen ein: „Du fragtest mich, warum wir heute nicht gewonnen haben. Ich glaube, ein Sieg war heute definitiv nicht drin!“ Währenddessen nahm Zankl die Aussagen seines Gegenübers „als Kompliment für meine Mannschaft auf“, ehe er nochmal auf die Gegentore einging: „Dass wir drei Dinger durch ruhende Bälle kassieren, ist mega unglücklich. Aber sie haben vorne einfach abgewichste Spieler, die es gegen 18- oder auch 19-Jährige wirklich gut gemacht und Präsenz ausgestrahlt haben. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir aus dem Spiel heraus gar nichts mehr zugelassen. Wir haben das Heft in die Hand genommen, hatten viel Ballbesitz und haben uns auch in vielen Situationen gut frei gespielt. Daraus haben wir dann zu wenig gemacht. Da fehlen uns dann auch gewisse Kaliber, um mal aus wenig viel zu machen. Vom Spielverlauf her ist es trotzdem ein bisschen ärgerlich, dass wir hier nicht mehr mitnehmen.“


Die PK mit beiden Trainern im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

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