10.10.2017

„Wir haben Zeit vertrödelt, aber jetzt sind wir auf Augenhöhe“

V/W-Coach Aydin Taneli ist zuversichtlich, muss aber auf Julian Bieber verzichten

„Meine Jungs haben den Kampf angenommen, wir sind endlich in der Oberliga angekommen“, sagt Billstedts Trainer Aydin Taneli über sein Team. Archivfoto: noveski.com

Es lief bisher nicht rund beim SC V/W Billstedt. Getragen von der Anfangseuphorie nach dem Aufstieg holten die Fußballer vom Öjendorfer Weg zwar durch fünf Unentschieden bisher fünf Punkte, mussten andererseits aber auch sechs Niederlagen einstecken. Macht unterm Strich mit eben jenen fünf Zählern auf dem Habenkonto im Moment Platz 16 in der Tabelle der Oberliga – also den ersten Abstiegsplatz. Dennoch gibt sich Trainer Aydin Taneli optimistisch und sieht einen Aufwärtstrend. Die Freude darüber wird allerdings aktuell von der möglicherweise schweren Verletzung eines Spielers getrübt.

Nach 56 Minuten war Julian Bieber im Auswärtsspiel beim SV Curslack-Neuengamme am vergangenen Samstag im Anschluss an ein Luftduell mit Collins Folarin unglücklich aufgekommen, verdrehte sich dabei das Knie und blieb laut schreiend liegen. Unter starken Schmerzen wurde der 21-Jährige anschließend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Vermutlich wird der Youngster seinem Team nun sehr lange fehlen, denn Coach Aydin Taneli sagt: „Es besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss im rechten Knie. In dieser Woche wird sich Julian einer MRT-Untersuchung unterziehen, in der nächsten werden wir dann spätestens das Ergebnis haben. Wir hoffen natürlich, dass es nicht so schlimm ist, wie im Moment vermutet.“ Denn – und da macht Taneli keinen Hehl draus: „Julian ist ein wichtiger Baustein. Sollte er lange ausfallen, wäre das für uns natürlich bitter. Er hat gute Spiele gemacht und sich zuletzt immer mehr und besser in die Mannschaft reingefunden.“                    

„Die Punkte werden kommen – das ist nur eine Frage der Zeit“

Bei V/W-Abwehrspieler Julian Bieber besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Foto: Heiden

Bitter war für V/W auch, wie es nach dem Spiel in Curslack im Anschluss an die Bieber-Verletzung weiterging: Nur zwei Minuten später musste Billstedt das 1:2 durch Adrian Sousa hinnehmen. Weil mit dem soeben eingewechselten Jerry Sampaney ausgerechnet der neue Mann unglücklich wegrutschte. „Es ist ärgerlich, dass wir erst zu dem Wechsel gezwungen waren und dann auch noch so etwas passiert“, blickt Coach Taneli zurück und spricht auch Tage später noch von „dummen Gegentoren“, die seine Mannschaft am Gramkowweg kassiert habe und darüber, dass es „unglücklich war, dass wir in der 95. Minute unsere Chance zum Ausgleich nicht noch nutzen konnten.“ 


Dennoch mache ihm der Auftritt seiner Equipe gegen den SVCN ebenso Hoffnung wie das Spiel zuvor gegen den Niendorfer TSV: „Meine Jungs haben den Kampf angenommen, wir sind endlich in der Oberliga angekommen“, konstatiert der Übungsleiter, „es geht seit zwei Wochen richtig bergauf, wir machen das richtig gut jetzt. Die Niederlagen gegen Niendorf und Curslack waren unglücklich, aber die Jungs spielen jetzt endlich den Fußball, den ich sehen will.“ Das war kurz zuvor noch anders – beim 0:5 im Auswärtsspiel gegen den FC Türkiye klappte auf Seiten der Billstedter wenig bis nichts. 

„Das muss man so hart sagen“, befindet auch Taneli, „der Auftritt bei Türkiye war unser schlechtes Spiel. Auch vorher gegen Pinneberg war es nicht in Ordnung.“ Selbst in Dassendorf, wo man nach Aussage Tanelis „verlieren kann“, habe sein Team „nicht das gemacht, was wir uns erhofft oder gewünscht haben. Wir haben viel Zeit vertrödelt, aber inzwischen sind wir auf Augenhöhe mit den Gegnern. Man darf nicht vergessen, dass andere so wie wir neu zusammengewürfelte Mannschaften 15, 20 oder 30 Spiele brauchen, um sich zu finden. Wir haben das meiner Meinung nach jetzt nach zehn Spielen geschafft. Jetzt spielen meine Spieler den Fußball, den sie spielen sollen und wollen. Vor wenigen Wochen hatte ich noch nicht das Gefühl, aber jetzt sage ich: Die Punkte werden kommen – das ist nur eine Frage der Zeit.“

Jan Knötzsch 

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