Mein FussiFreunde

03.06.2017

Wenn selbst das Ergebnis egal ist: „Wir machen die Nacht zum Tag“

AFC mit 0:0 an der „AJK“ gegen Eutin vor 3162 Zuschauern

Inmitten ihrer Fans feierten die Spieler von Altona 93 ihren Aufstieg. Foto: KBS-Picture

Geschafft hatten sie es beide schon – und so war das Aufeinandertreffen von Altona 93 und Eutin 08 im letzten Spiel der Aufstiegsrunde zur Regionalliga am heutigen Tag in der Adolf-Jäger-Kampfbahn eigentlich nur noch nettes Beiwerk. Nettes Beiwerk zu einer Aufstiegsfeier des AFC, die unter der Woche nach dem 1:0-Sieg in Celle gegen Eintracht Northeim begonnen hatte und nun nach dem Schlusspfiff des Spiels, das vor 3162 Zuschauern mit einem schnöden 0:0 endete, weiterging. „Wir machen die Nacht zum Tag“, versprach jedenfalls AFC-Dauerbrenner Jakob Sachs nach dem Match schon einmal vorsorglich.

Die Devotionalien der Helden standen hoch im Kurs. Jakob Sachs stand gerade der Presse Rede und Antwort und musste dabei mehrfach innehalten, weil die Fangesänge um ihn herum zu laut wurden, als ein kleines Grüppchen der Altona 93-Anhänger schon diskutierte, ob sie die Kapitänsbinde, die Sachs nach der Auswechslung von Nick Brisevac um denA rm trug, haben wollte oder nicht. Brisevac selbst musste sich kurz darauf der Anfrage eines jungen Steppke „erwehren“, der den AFC-Antreiber mutig gefragt hatte, ob er nicht dessen Fußballschuhe haben könne. Sein Trikot hatte „Brise“ da schon abgegeben – getauscht gegen das Aufstiegs-Shirt eines Fans. Damit war er allerdings auch der einzige Altonaer Spieler, der ein solches Shirt trug. „Man muss nicht immer das Schema anderer beim Feiern nachahmen. Eigentlich wollten wir Aufstiegs-T-Shirts drucken lassen, wussten dann aber nicht, wie viele. Ob nur für die Mannschaft oder noch mehr. Also haben wir uns gesagt: Wir feiern einfach mit den Fans“, verriet Altonas Coach Berkan Algan.

Algan: „Dieser Esprit, den Altona 93 versprüht, ist Wahnsinn“

Der Trainer und sein Team: AFC-Coach Berkan Algan applaudiert den Altona-Fans. Foto: KBS-Picture

Dann holte der Coach zu einer wahren Ode an die Altonaer Anhänger aus. „Dieser Esprit, den Alona 93 seit eineinhalb Jahren versprüht, ist Wahnsinn. Auch dieser Moment heute: Alle sind entspannt, wollten genießen, dass wir den Aufstieg sicher haben. Wir sind extrem dankbar, dass die Zuschauer die Jungs so begleiten. Heute hat man gemerkt: Die Zuschauer wollten uns für den Aufstieg danken“, konstatierte Algan und richtete seinen Blick fast im gleichen Moment auch schon wieder auf die Zukunft: „Um diesen Esprit zu halten, gilt es, nachzulegen. Wir haben vor der Saison viele junge und dynamische Spieler dazugeholt. Ein Großteil der Mannschaft bleibt, dazu kommen zu den feststehenden Zugängen noch zwei, drei Neue. Wir müssen eine gute Mischung finden, um ein höheres Level zu erreichen. Und dieses Level brauchen wir. Die Regionalliga ist kein Kindergeburtstag.“

Ähnlich beurteilte auch Andreas Klobendanz nach dem Match gegen Eutin die Lage. „Man steckt so in der Arbeit und ist so fokussiert, dass man erst dann, wenn man das Ziel erreicht hast, wie viele das noch berührt. Das ist eine große Verantwortung, die wir da für die Zukunft haben“, sagte der AFC-Manager, als er Minuten nach dem Ende der Begegnung auf dem grünen Rasen der „AJK“ stand und ergänzte: „Der Kader ist zu 80, 90 Prozent klar, Wir hatten mit den Spielern sowohl über die Ober- als auch über die Regionalliga gesprochen. Wir sind nicht der Verein, der aufsteigt und dann zehn regionalligaerfahrene Spieler dazu holt, um in der neuen Klasse zwingend keine Probleme zu haben.“ Klar sei, so Klobedanz, „dass wir auf auf zwei oder drei Positionen noch etwas machen werden. Ansonsten wissen wir, dass wir ein Aufsteiger mit Potenzial sind. Wir haben einfach nicht die Möglichkeiten, den Etat im ersten Jahr nochmal um 50 Prozent anzuheben.“

Klobedanz: „Wir sind ein Aufsteiger mit Potenzial und gehen die Regionalliga optimistisch an“

Altonas Aufstiegshelden im Konfetti-Regen. Foto: KBS-Picture

Trotz allem sei ihm nicht bange vor der Regionalliga. „Nehmen wir doch nur mal diese Aufstiegsrunde jetzt: Die ganze Fachwelt hat gesagt, das wir keine Chance haben, weil wir so viele Verletzte hatten und vorher in der Liga sechs Spiele ohne Sieg geblieben waren. Und jetzt sind wir Regionalligist“, so Klobedanz, „viele sagen nun: Die werden unten rumkrebsen. Das sehe ich nicht so. Wenn man unsere Spieler durchgeht, dann gibt es da Tobias Grubba, Jan Novtony, Jakob Sachs oder Nick Brisevac, die alle Regionalliga können. Klar haben wir auch viele junge Spieler. Aber viel wichtiger ist, dass wir nicht wieder so ein Verletzungspech wie in dieser Saison haben. Zudem haben wir uns gut verstärkt, mit William Wachowski zum Beispiel die Defensive gut ergänzt. Es gibt in unserem Kader sicher Spieler, die noch nicht gezeigt haben, dass sie Regionalliga-Fußball spielen können, aber warum sollen nicht ausgerechnet die sich in einem guten Umfeld entwickeln? Wir gehen das optimistisch an.“

Bei Jakob Sachs ging der Blick nach den letzten Momenten einer langen Saison eher auf das Erreichte zurück, statt in die Zukunft zu schweifen. „Es ist schön, dass ich sowas als älterer Spieler noch einmal erleben darf“, fasste der 31-Jährige, der seit dem Sommer 2014 zum zweiten Mal in seiner Karriere für den AFC spielt, den Aufstieg und die Feiern nach dem Sieg unter der Woche zusammen. „ich hoffe, dass wir in der nächsten Saison drinbleiben. Heute wird erstmal weiter gefeiert. Jeder Fan ist eingeladen. Wir machen die Nacht zum Tag. Die Fans haben sich das verdient, nachdem sie uns immer so toll unterstützt haben. Ich wünsche auch Eutin 08 alles Gute in der Regionalliga. Das war ein tolles Spiel zum Abschluss heute. Dass es nicht viele Chancen gegeben hat, zeigt, wie stark die beiden Mannschaften sind. Das 0:0 ist ein verdientes Ergebnis.“

Thiessen: „Der Aufstieg ist verdient und für alle eine tolle Geschichte“

Insgesamt 3162 Zuschauer sahen das letzte Aufstiegsrunden-Spiel auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Foto: KBS-Picture

Nachdem der Aufstieg seit Mittwoch feststand, „sind wir die letzten Tage etwas lockerer angegangen“, verriet Sachs, „beim Feiern werden wir jetzt alle Vollgas geben. Man muss sich doch nur umschauen: Was für eine wahnsinnige Kulisse war das heute!? Ich hatte bisher eine geile Zeit hier und möchte auch weiterhin eine geile Zeit haben. Ich freue mich, für diesen Verein spielen zu dürfen.“ Sein Teamkollege Teamkollege Dennis Thiessen pflichtete ihm bei: „Ich denke, allein, wenn man diesen Verein und das Drumherum heute mit über 3000 Zuschauern in einem Spiel sieht, in dem es um nichts mehr geht, weiß man, wie schön dieser Aufstieg ist. Er ist verdient und für jeden eine tolle Geschichte. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn wir gegen den VfB Lübeck oder Eintracht Norderstedt spielen. Da kommen dann vielleicht 4000 Zuschauer zu einem Ligaspiel.“

Aus seiner Sicht, so Thiessen, sei es für den AFC „insgesamt eine gute Saison gewesen, wenn man mal betrachtet, wie jung unser Team ist. Mit dem dritten Platz kann man die Saison auch als erfolgreich bezeichnen. Im Endeffekt ist es natürlich schade, dass wir gegen Pinneberg, Niendorf oder am Ende gegen Buchholz Punkte liegengelassen haben, die uns den zweiten Platz gekostet haben. Aber insgesamt können wir uns nicht beschweren.“ Und der Ausblick auf die Regionalliga? „Ich denke, das wird ein Abenteuer. Wir müssen gucken, was geht und was nicht, Wir haben schon einige Neue, vielleicht kommen noch ein oder zwei dazu. Wir haben bereits jetzt viele entwicklungsfähige Spieler in unserem Kader. Klar, es wird eng, wenn wir oben mitspielen wollen würden. Ich denke, wir lassen uns überraschen und dann schauen wir, wie es für uns weitergeht“, erklärte der Mittelfeldspieler, während er vor der AFC-Kabine stand. Auf dem Rasen war er zuvor gleich mehrfach vom lautstarken Anhang unterbrochen worden, als er die Fragen der versammelten Journalisten beantworten wollte. Aber so ist das nunmal, wenn man die Ober- in die Regionalliga verlässt: da geht's schon mal etwas intensiver zu – und am Ende ist selbst das Ergebnis des letzten Spiels vollkommen egal...

Jan Knötzsch 



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