03.10.2017

„Wahnsinnig stark“ gegen „Alibi-Fußball“ – aber das Alibi kommt mit einem blauen Auge davon!

2:0-Führung und zwei Alu-Treffer: Niendorf verpasst Pokal-Coup im Elferschießen

Sinisa Veselinovic (re.) und Jan Lüneburg herzen Keeper Lars Huxsohl nach dem glücklichen Norderstedter Sieg im Elfmeterschießen. Foto: Heiden

Viel wurde im Vorfeld über dieses Aufeinandertreffen gesprochen - nicht zuletzt aufgrund der besonderen Randerscheinungen: Denn mit Ante-Akira Kutschke und Björn Nadler stehen zwei ehemalige Norderstedter nun in Diensten des Niendorfer TSV. Ein Wiedersehen fiel jedoch ins Wasser, da weder Kutschke noch Nadler im Aufgebot des NTSV zu finden waren. Auch das Bruderduell zwischen Linus Meyer (EN) und Leon Meyer (NTSV) kam nicht zu Stande, da einzig der Norderstedter Publikumsliebling im Aufgebot seines Teams - allerdings auf der Bank - auftauchte. Und dennoch wurde es ein fulminanter Pokalfight...

Die Elf von Norderstedt-Trainer Dirk Heyne hatte zwar die erste Chance der Partie durch Philipp Koch (4.), doch das erste Tor machte der Außenseiter: Der Ball wurde gekonnt durchs Mittelfeld getragen und dann nach rechts außen gespielt, wo Pascal Ehrenberg die Kugel annehmen konnte und in den Strafraum marschierte. Von dort spielte er einen flachen Pass in die Mitte, wo sich Kevin Trenel gegen seinen Gegenspieler durchsetzen konnte, eher am Ball war und aus kürzester Distanz mit dem langen Bein vollendete – der Oberligist setzte das erste Ausrufezeichen (16.)!

Niendorf war der Sensation ganz nahe - doch dann... Foto: Heiden

Im Verlauf der ersten Halbzeit konnte der Regionalligist kaum nennenswerte Aktionen vorweisen. Der NTSV hingegen schaffte es immer wieder, gefährlich vor das Tor von EN-Keeper Lars Huxsohl zu gelangen. So auch in der 33. Minute. Ein langer Ball aus dem Mittelfeld wurde von eben jenem Huxsohl flach in die Mitte geklärt. Malte Wilhelm sprang das Leder vor die Füße und er probierte es einfach mal aus knapp 35 Metern – sein Versuch kullerte jedoch am rechten Pfosten vorbei. Die fast identische Situation erfolgte acht Minuten später. Wieder war es ein langer Ball aus der Hintermannschaft von Niendorf, der von Magnus Hartwig erlaufen werden konnte. Huxsohl war einen Schritt zu spät und wurde von Hartwig umkurvt - Pfosten! Die Garsteder Gäste waren mit dem 0:1 noch gut bedient!

Heyne: „Wir haben Alibi-Fußball gespielt!“

Die zweite Halbzeit war noch nicht einmal zwei Minuten alt, als sich der Niendorfer TSV für seine Leistung belohnte. Trenel setzte sich auf der Außenbahn gut durch und brachte das Spielgerät in die Mitte. Dort konnte das Spielgerät zwar erst einmal geklärt werden, allerdings genau vor die Füße von Ehrenberg. Dieser probierte es nochmal und fand nun einen Abnehmer – denn Hartwig hatte schließlich keine Mühe mehr, den Ball aus kurzer Distanz über die Linie zu befördern (47.)! „Bis zur 47. Minute haben wir ängstlich gespielt. Die Mannschaft hatte Angst, Fehler zu machen, so sah es zumindest von außen aus. Wir haben Alibi-Fußball gespielt, ohne etwas zu riskieren und ohne Tempo“, fand Norderstedt-Trainer Dirk Heyne nach der Partie deutliche Worte.

... jubelte Norderstedt. In diesem Fall Philipp Koch (li.) und Hamo Bojadgian. Foto: Heiden

In der Folge wachte der Regionalligist und zweifache Pokal-Titelträger nacheinander endlich auf und konnte zwei Minuten später den Anschlusstreffer erzielen. Nach einer Marxen-Flanke von der linken Seite kam Jan Lüneburg zum Kopfball, scheiterte aber am stark reagieren Marcel Kindler. Der Abpraller landete allerdings wieder auf dem Kopf von Lüneburg, der im zweiten Versuch das Spielgerät im Tor unterbringen konnte! Danach wurde Norderstedt stärker und erzielte in der 69. Minute den Ausgleich. Nach einem Eckball, getreten durch Kapitän Koch, stieg Hamajak Bojadgian am höchsten und nickte aus gut zehn Metern zum 2:2 ein!

„Wir wollten uns heute nicht verstecken. Gegen solche Mannschaften musst du sehen, dass du sie mit Mitteln bekämpfst, mit denen sie nicht rechnen. Wir sind ja auch keine Laufkundschaft, wir sind Vierter in der Oberliga und so wollten wir uns heute auch präsentieren und das haben wir bis zum Schluss wahnsinnig stark gemacht - selbst als Norderstedt noch gewechselt und nachgelegt hat“, befand Niendorf-Coach Ali Farhadi.

Elfmeterschießen sorgt für glücklichen Sieger

Während Linus Meyer bei den Garstedtern in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, fehlte dessen Bruder Leon im Aufgebot der "Sachsenwegler". Foto: Heiden

Somit mussten beide Mannschaften in die Verlängerung. Dort hatte der eingewechselte Hunu Jeong die größte Möglichkeit, doch sein Schuss aus spitzem Winkel flog an den Pfosten. Der zweite Niendorfer Alu-Treffer! Während der zusätzlichen 30 Minuten zog ein kräftiger Regenschauer über den „Sachsenweg“ hinweg, der beide Teams etwas vorsichtiger agieren ließ. Da in der Verlängerung kein weiterer Treffer fiel, ging es ins Elfmeterschießen. Dort zog Niendorf den Kürzeren, da Fynn Huneke (Latte) und Tim Philipp Krüger (rutschte auf dem nassen Rasen beim Schuss weg) die Nerven versagten. Für Eintracht Norderstedt waren Deran Toksöz, Philipp Koch und Hamajak Bojadgian erfolgreich, sodass Sinisa Veselinovic den Favoriten mit seinen Elfmeter in die nächste Runde manövrierte! Am Ende ist die Eintracht mit einem dicken blauen Auge davongekommen.

NTSV-Coach Farhadi konnte seinen Schützlingen nichts vorwerfen: „Es ist am Ende immer schade, wenn man im Elfmeterschießen ausscheidet - denn da hat man dann immer dieses Glück- und Pechspiel. Da hapert es noch bei uns. Wir haben bei solchen Sachen einfach kein Glück und machen die Tore nicht. Aber das Spiel von uns war trotzdem gut und hochwertig. Es war ein Highlight und hat Spaß gemacht, gegen einen Regionalligisten zu spielen.“ Nach dem Spiel ging der Blick jedoch bereits in die Zukunft. „Wir haben uns bis hierhin sehr gut präsentiert und nun warten einige starke Aufgaben im Oktober in der Liga auf uns. Darauf konzentrieren wir uns jetzt und sehen zu, dass wir dort dann so funktionieren wie heute gegen Norderstedt.“

Autor: Kevin Sager

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