17.05.2017

VfL „dreht sich auf links“: Mitrovic Coach, Schneppel Sportdirektor, Meyer Ligamanager

Zwei Neuzugänge stehen fest – Co-Trainer-Frage geklärt

Neue Aufgabe: Mato MItrovic wird ab dem Sommer Trainer beim VfL Lohbrügge. Foto: KBS-Picture

Die letzten Tage und Wochen bei Sven Schneppel waren arbeitsreich. Nicht nur in seinem Hauptjob war der 44-Jährige gefordert, sondern auch – oder vielleicht sogar noch etwas mehr –, was den „Umbau“ des VfL Lohbrügge angeht. Denn da hat sich hinter den Kulissen in der nahen Vergangenheit einiges getan, das gestern Abend nun final festgezurrt wurde: Schneppel selbst wird künftig vom Trainerposten wieder auf den des Sportdirektors zurückkehren. Neuer Coach am Binnenfeldredder wird Mato Mitrovic. Neu hinzu stößt zudem Stephan Meyer als Ligamanager. Auch auf dem Co-Trainerposten und in der Mannschaft gibt es Neuerungen.

„Wir haben alles auf links gedreht“, sagt Schneppel und meint damit nicht nur, dass nun neue personelle Konstellationen vorherrschen: „Uns ging es vor allem darum, die Strukturen zu überdenken und zu ordnen. Da mussten wir uns einfach besser aufstellen. Es war ja so, dass wir mit Andreas Führer als Trainer, mir als Sportdirektor und Alex Dartsinis als Manager in die Saison gegangen sind. Davon bin nur ich jetzt noch übrig. Ich war zuletzt quasi Trainer, Betreuer und Manager in einer Person. Da hat so auf Dauer weder Sinn noch Spaß gemacht.“

„Dass Mato etwas anderes macht, als nur Trainer zu sein, war kein Thema“

Wird wieder Sportdirektor am Binnenfeldredder: Noch-Trainer Sven Schneppel. Archivfoto: noveski.com

Ergo erwuchs am „Binner“ die Absicht, etwas zu verändern – und als sich in den zurückliegenden Wochen die Vorzeichen verdichteten, dass sich Mato Mitrovic, der Ex-Trainer und Ex-Präsident des FC Bergedorf 85, vorstellen könnte, wieder eine Aufgabe im Fußball-Bereich zu übernehmen, wurden die entsprechenden Kontakte geknüpft. „Im ersten Gespräch haben wir einfach nur mal geschaut, wie die Vorstellungen sind und wie hoch der Anreiz auf beiden Seiten ist, zusammenzuarbeiten“, erklärt Schneppel. Im zweiten Gespräch wurde dann konkret darüber gesprochen, wie die Aufgaben in Zukunft verteilt werden sollen. „Ich habe Mato gefragt, ob er sich vorstellen könnte, Trainer des VfL Lohbrügge zu werden“, sagt Schneppel, „er hat gesagt, dass das für ihn eine Vorstellung ist, der er zustimmen könnte. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Konstellation anders ist als bei Bergedorf 85, wo er im Prinzip auf sich allein gestellt war.“

Genau aus diesem Grund gingen dann noch einige weitere Tage ins Land, schließlich musste erst noch abgeklopft werden, wie man den Strukturwandel im „Team ums Team“ vollziehen will. Relativ kurzfristig, wie Schneppel verrät, tat sich dabei die Option auf, mit Stephan Meyer, der in der Vergangenheit bei Concordia und dem Rahlstedter SC als Jugendtrainer tätig war, noch einen Ligamanager mit ins Boot zu nehmen. „Er hat sehr gute Kontakte im Jugendbereich, kennt ab dem Jahrgang 1995 nahezu jeden Spieler in Hamburg. Zudem hat Stephan hervorragende Kenntnisse in dem Bereich, Sponsoren zu generieren und akquirieren“, so Schneppel. Und so wurden nun am gestrigen Abend sämtliche Entscheidungen fix gemacht. „Mato und Stephan hatten vorher nur telefonisch Kontakt, haben sich gestern erstmals persönlich getroffen“, berichtet Schneppel, der zudem vermeldete, dass Yusuf Ay und Noch-Spieler Ismail Polat künftig als Assistenten von Mitrovic fungieren werden. Als Torwart-Trainer bleibt Dirk Weißleder an Bord.

Ballach und Betzin wechseln aus Bergedorf zum VfL

Wechselt von Bergedorf 85 zum VfL: Alexander Ballach. Archivfoto: noveski.com

Mitrovic, das stellt Schneppel ausdrücklich klar, „ist nur unser Trainer“ und nimmt damit Bezug auf Gerüchte, der VfL habe sich die Dienste des Kroaten nur deshalb gesichert, weil dieser als Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma auch als Sponsor und Geldgeber gebraucht werde, nachdem klar ist, dass andere Sposnoren künftig nicht mehr zur Verfügung stehen und sich aufgrund dessen die finanziellen Möglichkeiten des Vereins reduziert haben. „Dass Mato etwas anderes macht, als nur Trainer zu sein, war in den Gesprächen kein Thema. Es ging zu 100 Prozent immer nur um den Posten als Coach“, erklärt Schneppel. Dass aber der eine oder andere Spieler von Mitrovic' Ex-Club Bergedorf 85 künftig am Binnenfeldredder spielen wird, „könnte gut sein“, so Schneppel. Vor allem darüber, dass Mitrovic' Landsleute, die derzeit noch das „85“-Trikot tragen, zum VfL wechseln, war zuletzt bereits unter der Hand spekuliert worden. „Unsere Trikots werden in Zukunft zumindest nicht blau-weiß-rot kariert sein“, sagt Schneppel mit Blick auf die kroatischen Nationalfarben. Ausgeschlossen also ist es nicht, dass der eine oder andere Kroate in Lohbrügge anheuert.

Sicher aber ist: Zwei Spieler von „85“ werden auf jeden Fall schonmal zum VfL stoßen: Alexander Ballach und Gerrit Betzin haben ihren Noch-Verein informiert, dass sie im Sommer an den „Binner“ wechseln. Weitere Transfers gibt es derzeit noch keine. „Wir werden erst dann etwas vermelden, wenn es perfekt ist. Das haben wir auch beim Thema Mitrovic nicht anders gehandhabt“, konstatiert Schneppel, der aber zumindest schonmal einen Einblick in das gibt, was man personell vorhat. „Wir wollen unsere Defizite auf der Sechs und in der Innen- und der Außenverteidigung abstellen und mit schnellen Spielern auf der Außenbahn auftreten. Es wird einige Neuzugänge geben, die Mannschaft benötigt sicher eine Findungsphase. Das Ziel ist es, besser als in dieser Saison abzuschneiden“, verrät Schneppel, der neben seiner Tätigkeit als Sportdirektor künftig auch eine Jugendmannschaft beim VfL trainieren wird.

„Wir sind froh, wenn die laufende Saison vorbei ist“

„Jedes Konzept im Herrenbereich wird nur funktionieren, wenn man einen nachhaltigen und gut aufgestellten Jugendbereich hat. Wir müssen beim VfL auch dort daran arbeiten, gute Strukturen auf die Beine zu stellen und junge Talente bei uns bis in die A-Jugend hoch zu bringen, um sie dann an den Herren-Kader heranzuführen“, sagt Schneppel, der, was diese Frage angeht, mit Stephan Meyer nun jemanden in Reihen des Clubs weiß, der sich bestens auskennt und in seiner Funktion als Ligamanager als Bindeglied fungieren kann und soll. „Ich denke, dass wir mit den Neuerungen und den neuen Namen eine sehr gute Konstellation auf die Beine gestellt haben“, befindet Schneppel und ist sich sicher: „Wir werden in Zukunft einen anderen VfL Lohbrügge sehen als den, den wir in dieser Saison gesehen haben. Wir sind froh, wenn die laufende Serie vorbei ist und freuen uns auf die nächste.“

Jan Knötzsch

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