20.11.2016

TuRa traumhaft: „Es war an der Zeit, dass Teutonia fällt!“

Sousa-Dreierpack sorgt für erste 05-Pleite

Während Adrian Sousa (re.) eines seiner drei Tore bejubelt, schleichen die Teutonen enttäuscht von dannen. Foto: noveski.com

Nun ist es also passiert: im 17. Anlauf – genauer gesagt nach 1530 Minuten – hat der FC Teutonia 05 den Platz in der Landesliga Hammonia erstmals als Verlierer verlassen! „In der Kabine haben wir uns bereits gesagt: Bayern ist an diesem Wochenende schon gefallen. Jetzt wird‘s Zeit, dass auch Teutonia fällt“, freute sich der siegbringende TuRa-Trainer Marcus Fürstenberg im Anschluss an den Coup seiner Mannschaft. „Wenn jetzt auch noch der HSV in Hoffenheim gewinnt, dann war das ein perfektes Wochenende!“ Denn der in dieser Saison historische Triumph seiner Mannschaft könnte auch als nachträgliches Geschenk gedeutet werden: am Samstag feierte der Coach nämlich seinen 43. Geburtstag. Glückwunsch nachträglich!

Steht goldrichtig und schiebt zum 1:0 für TuRa ein: Adrian Sousa (li.). Foto: noveski.com

Von der ersten Minute an wurde deutlich, dass TuRa Harksheide genau die Eigenschaften verkörperte, die dem „Überteam“ der Landesliga an diesem Vormittag fehlten: Wille, Entschlossenheit und vor allem die richtige Einstellung! Demzufolge dauerte es auch keine 240 Sekunden, bis Lindenau einen Patrin-Eckball ablegte und Adrian Sousa das erste Mal zur Stelle war. 1:0 TuRa! Wenige Augenblicke darauf sorgte eine vermeintliche Schlüsselszene für reichlich Gesprächsstoff: FCT-Keeper Rohrbach eilte aus seinem Kasten und räumte den auf ihn zustürmenden Sousa bei dessen Lop-Versuch regelrecht von den Beinen. Es hätte Elfmeter für Harksheide und Rot für Rohrbach geben müssen. Stattdessen sorgte der Unparteiische Florian Schwarze, der einen rabenschwarzen Tag erwischte, für seinen ersten Eklatanten Fehler, als er zunächst ohne jegliche Ansage in Richtung „Tatort“ marschierte, sich die Szenerie genauer anschaute und die Spieler lange im Unklaren darüber ließ, was denn nun Sache ist. Während Sousa kurz behandelt werden musste, entschied Schwarze schließlich auf: weiterspielen. „Alle haben das gesehen, nur der Mann in Gelb nicht“, ärgerte sich Fürstenberg völlig zu Recht. Es sollte (leider) nicht der einzige Fehler bleiben…

TuRa lässt sich „nicht beirren“

Statt einer möglichen 2:0-Führung sowie einer numerischer Überzahl mussten die Fürstenberg-Schützlinge jene Aktion auch erstmal im Kopf verarbeiten. Keine drei Zeigerumdrehungen später sorgte eine missglückte Klärungsaktion von Kazmierczak und Lindenau dafür, dass Arifi urplötzlich nur noch TuRa-Torsteher Flint vor sich hatte und zum 1:1 vollendete (13.). Ganz bitter für die Gäste! „Aber auch davon haben wir uns nicht beirren lassen“, befand „Fürste“, dessen Elf weiter mutig nach vorne spielte. Patrin donnerte das Spielgerät aus 25 Metern an die Unterkante der Latte (14.) – auch Jodeit (28., 29.) und Sousa (36., 44.) verpassten das 2:1 für den Außenseiter. Auf der Gegenseite scheiterten Winkel (19.) und Pressel (21.) an Flint.

Teutonia stellt das Spielen ein – Sousa dreht Match

Der Ball senkt sich in hohem Bogen über Rohrbach (re.) hinweg, der sich nicht anders zu helfen weiß, als Sousa (Mi.) abzuräumen. Der Pfiff blieb jedoch aus! Foto: noveski.com

Zu Beginn von Hälfte zwei machte sich einmal mehr die individuelle Qualität der Teutonen bemerkbar, wenngleich das 1:2 aus TuRa-Sicht zu verhindern gewesen wäre: Meyer schlug einen diagonalen Freistoß von Höhe der Mittellinie links in den Sechzehner zu Moritz Wolff, der bei seiner Ballannahme zu viel Zeit hatte und dem blank stehenden Erman – bis zu diesem Zeitpunkt komplett abgemeldet – dessen 19. Saisontreffer ermöglichte (51.)! Das Gossow-Ensemble führte bei strömendem Regen, stellte das Fußballspielen dann aber nahezu vollends ein. Vielmehr rannte Harksheide nun immer und immer wieder auf den Kasten von Rohrbach an. Die Belohnung folgte auf dem Fuße. Patrin passte traumhaft in die Schnittstelle, Sousa war auf und davon und chipte lässig zum 2:2 über Rohrbach hinweg zum 2:2 ein (71.)! Doch damit noch lange nicht genug. Saleh, der ein ums andere Mal mit seinen herausragenden Diagonalbällen für Offensivakzente sorgte, bediente einmal mehr Sousa. Dieser wurde auf der Strafraumgrenze von Martens auf die Bretter geschickt. Schiedsrichter Schwarze zeigte auf den Punkt, vergaß im Eifer jedoch – nicht zum ersten Mal –, den „Übeltäter“ zumindest zu verwarnen. Adrian Sousa war all das herzlich egal – ganz locker schob er die Kugel ins linke untere Toreck. Harksheide wieder in Front (76.)!

„Er muss sieben Tore machen!“

Stefan Winkel (li.) haderte mit dem Abschlusspech. Der "Edel-Techniker" ließ einige Chancen ungenutzt. Foto: noveski.com

Wer nun mit wütenden Angriffen des Spitzenreiters rechnete, wurde eines Besseren belehrt. Eine Reaktion ließ bis zum Schlusspfiff auf sich warten. Sogar das komplette Gegenteil war der Fall. Zwar avancierte TuRa-Torjäger Sousa mit seinem Dreierpack zum Matchwinner, doch in den Schlussminuten fiel der ehemalige Barmbeker durch puren Eigensinn auf, als er gleich zweimal nur noch Rohrbach vor sich hatte – und beide Male seine besser postierten Mitspieler einfach ignorierte. Ein Jammer, wäre das noch schiefgegangen. „Er macht zwar drei Tore, muss aber sieben machen. Das ist ein Fakt“, konstatierte auch Fürstenberg, der trotzdem „von meckern auf ganz hohem Niveau“ sprach. Apropos meckern: Knapp zehn Minuten vor dem Ende wurde der Übungsleiter von seiner Trainerbank verwiesen – und das für den grob unsportlichen verbalen Auswurf „Mann“ nach einer abermals falschen Abseitsentscheidung. Im Ernst: eine Entscheidung, die an Kleinlichkeit nicht zu überbieten war – aber irgendwie zur Leistung des Gespanns passte. „Wenn ich jetzt schon für das Wort ‚Mann‘ runtergeschickt werde – was soll ich dann noch dazu sagen?! Ich finde es momentan alles ein bisschen willkürlich. So brauchen wir auch keine Trainer mehr.“ Zurück zum Sportlichen: bei einer noch konsequenteren Chancenverwertung wäre auch ein weitaus höherer Sieg für kollektiv bärenstarke Harksheider möglich gewesen!

„Deren Potenzial ist mehr als Oberliga“

TuRas Dimitri Patrin (li.) zeigte eine starke Vorstellung. Hier gegen André Martens. Foto: noveski.com

Während der insgesamt fast 95 Minuten fand FCT-Coach Gossow an der Seitenlinie oftmals deutliche Worte in Richtung seiner Mannschaft. Nach dem Spiel gab er sich hingegen ganz zahm: „Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wir machen kein großes Drama draus. Heute haben viele Dinge nicht funktioniert, das kann mal passieren. Aber wir müssen die Ruhe bewahren. Ich glaube, die Pause tut uns in dem Fall ganz gut. Einige sind körperlich nämlich am Limit. Aber wir kommen da gestärkt wieder raus.“ Sein Gegenüber bilanzierte freudestrahlend: „In der Halbzeit habe ich zu den Jungs gesagt: wer will, der kriegt! Ich glaube, wenn du gegen so eine Mannschaft – und für mich ist das ja schon fast mehr als Oberliga, was da vom Potenzial her auf dem Platz steht –, über 90 Minuten eigentlich überhaupt keine Fehler machst, dann ist das schon sehr stark. Ich kritisiere meine Mannschaft in der Öffentlichkeit selten, ich lobe sie auch selten. Aber was sie heute gemacht hat, das war mehr als toll. Das haben sich die Jungs einfach verdient!“ Unter der Woche ergriff Fürstenberg einige besondere Maßnahmen, wie er anschließend verriet: „Ich habe ein, zwei sehr unkonventionelle Dinge getan, worauf ich aber nicht näher eingehen möchte. Einfach deshalb, weil wir als Mannschaft mehr Struktur aufbauen müssen. Ich hoffe, das fruchtet jetzt und wir verlieren kein Spiel mehr dieses Jahr. Wir haben als Mannschaft endlich mal kompakt Fußball gespielt. Deshalb bin ich sehr, sehr glücklich!“

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