17.09.2017

„Sini“ und das simple Fazit: „Derby gewonnen, Platz zwei, die Null gehalten – das ist ein prima Tag“

Norderstedt behält gegen Altona mit 3:0 die Oberhand

Sinisa Veselinovic ebnete mit seinem 1:0 den Weg zum Sieg der Norderstedter. Foto: KBS-Picture

Eine Halbzeit hop, eine (schon eher) top: Nachdem sich Eintracht Norderstedt vor 1188 Zuschauern im Derby gegen Altona 93 über 45 Minuten nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte und der Gastgeber mehr vom Spiel hatte, schlagen die Gäste noch vor dem Pausenpfiff einmal zu und treffen nach dem Seitenwechsel gegen einen weiterhin starken AFC, der zwei Mal an der Latte scheitert, zur richtigen Zeit, um am Ende beim 3:0 einen „Derby-Dreier“ mit nach Hause zu nehmen. 

Der Mann, der den Erfolg eingeleitet hatte, musste sich erst noch einmal vergewissern. „Jetzt sind wir Zweiter, oder“, fragte Sinisa Veselinovic nach dem Schlusspfiff in die Runde der Pressevertreter, die sich um ihn herum postiert hatten. Der Stürmer erntete Zustimmung: Durch den Erfolg gegen den AFC hat das Team von Coach Dirk Heyne aktuell tatsächlich den Rang hinter dem Spitzenreiter Hamburger SV II inne. „Derby gewonnen, Platz zwei, die Null gehalten – das ist ein prima Tag“, beschied „Sini“ mit einem Lächeln und zog kurz darauf Richtung Kabine von dannen. Nicht allerdings, ohne noch einmal die Ambitionen der Eintracht zu untermauern: „Wir haben genügend Qualität im Kader. Für mich steht als Ziel fest, dass ich mit der Mannschaft besser abschneiden will als die Platzierung, die die Eintracht in der vergangenen Saison erreicht hat.“ Da wurde „EN“ Sechster. Sätze, die man nach acht Spielen ohne Niederlage schonmal formulieren kann. Dabei erwischte die Eintracht in Altona nicht unbedingt das, was man einen Top-Start nennt, sondern kam erst spät(er) in Betrieb...

Kurz vor der Pause wirft Veselinovic „alles rein, was ich habe“ – und trifft

Emir Zekjiri sorgte mit dem 2:0 für eine Vorentscheidung zugunsten der Eintracht. Foto: KBS-Picture

Im ersten Durchgang hatte es lange Zeit so ausgesehen, dass sich beide Teams mit einem 0:0 in die Kabinen verabschieden würden. Doch da hatten die Zuschauer an der „AJK“ und auch der AFC die Rechnung ohne die Gäste gemacht: Es lief bereits die erste Minute der Nachspielzeit, als Deran Toksöz zentral einige Meter vorm Strafraum an den Ball kam Er spielte die Kugel nach rechts auf Felix Drinkuth. Dieser drang mit Tempo in den Sechzehner ein, legte dann im richtigen Moment die Kugel quer und fand mit seinem Zuspiel Sinisa Veselinovic, der trotz Bedrängnis keine Mühe hatte, das Spielgerät an Joshua du Preez vorbei zum 1:0 für die Eintracht zu versenken. Es war eine der wenigen Szenen, in der die Mannschaft von Trainer Dirk Heyne überhaupt richtig gefährlich vorm Tor der Hausherren auftauchte. Da waren Linus Meyers Schuss ans Außennetz (29.) und der Moment aus der 38. Minute, der offenbar so etwas wie einen „Hallo-Wach-Effekt“ bei der Eintracht auslöste. In jenem Augenblick sieben Minuten vor der Pause fand das Spielgerät im Mittelfeld den Weg zu Toksöz. Der hielt aus 35 Metern einfach drauf – und der Ball klatschte an die Latte.

Ansonsten war es der AFC, der mehr Gefahr vor dem Tor ausstrahlte. Vor allem Jakob Sachs auf der rechten Außenbahn der „93er“ entpuppte sich dabei immer wieder als Aktivposten. Nach sieben Minuten spielte er Nick Brisevac an, der von Hamajak Bojadgian beim Schuss gestört wurde. Dann fand Sachs' scharfe Hereingabe Eliezer Correia Cà, der an Johannes Höcker im Eintracht-Tor scheiterte (24.). Eine Minute später legte Pablo Kunter für Marco Schultz ab, dessen Schuss am langen Pfosten vorbei ging. Nur drei weitere Zeigerumdrehungen danach war dann wieder Sachs beteiligt: Seine Flanke von rechts wurde lang und länger und landete schließlich bei Milaim Buzhala, der zu hoch zielte. Und auch an der letzten gefährlichen Szene der Altonaer sollte Sachs beteiligt sein. Wie schon in der 27. Minute setzte er sich auf dem rechten Flügel durch und brachte den Ball nach innen. Wie schon in der 27. Minute landete die Kugel im linken Teil des Strafraums bei Buzhala. Und auch das Ergebnis war identisch: kein Tor! Diesmal wurde Buzhalas Schuss von Jordan Brown erfolgreich abgeblockt (39.).

Heyne: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir von Anfang an dominieren können“

Ärgerlich: Nick Brisevac traf nur die Unterkante der Latte. Foto: KBS-Picture

Die zweite Halbzeit sah dann zunächst Altonas Pablo Kunter, der eine Flanke von Sachs verpasste (48.) und einen Versuch von Norderstedts Philipp Koch, der aus 20 Metern per Außenrist Pech hatte (51.). Das Pech hatte anschließend auch Veselinovic gepachtet, als er in der 66. Minute nach einer gut getimten Hereingabe von Linus Meyer hochstieg und den Ball aus Nahdistanz an die Latte köpfte. „Der muss rein. Das war vorher ein geiler Spielzug und dann eine wunderbare Flanke von Linus. Ein Stürmer ärgert sich immer, wenn er so einen nicht macht“, konstatierte der „EN“-Angreifer, der seinen Treffer vor dem Seitenwechsel wie folgt schilderte: „Felix Drinkuth spielt den Ball super in meine Richtung, dann grätsche ich mit allem rein, was ich habe und mache ihn mit der Sohle des linken Fußes rein.“ Und auch den Rest der zweiten Halbzeit fasste „Sini“ treffend zusammen: „Wir hatten deutlich mehr Chancen als in der ersten Halbzeit, aber Altona hatte auch zwei, drei gute. Das Spiel hätte auch 6:2 ausgehen können. Letztlich haben wir das souverän gespielt und am Ende nochmal nachgesetzt, auch wenn wir einige Gelegenheiten vergeben haben.“

Auf dem Rasen sah das wie folgt aus: Samuel Hosseini scheiterte an Norderstedts Keeper Johannes Höcker (63.), Linus Meyer fand seinen Meister in du Preez (64.). Brisevac hämmerte anschließend Kunters Zuspiel an die Unterseite der Querlatte des Eintracht-Tores, von wo der Ball wieder ins Feld sprang (72.). Auf der anderen Seite machte es Norderstedt besser: Meyer spielte den erst kurz zuvor eingewechselten Emir Zekjiri an, der freistehend aus zehn Metern zum 2:0 für seine Farben vollendete (80.). Nur drei Minuten später deutete Schiedsrichter Patrick Schult (SC Osterbek) nach einem Foul an Meyer auf den Elfmeterpunkt. Jan-Philipp Rose scheiterte jedoch an du Preez. Den vom AFC-Torsteher nach vorn abgewehrten Ball köpfte Toksöz schließlich über das Altonaer Gehäuse. Und auch vor du Preez' Widerpart sollte es noch einmal gefährlich werden: Die Uhr zeigte bereits die 89 Minute an, als Correia Cà mit seinem Heber an der Querlatte scheiterte. Die Gäste hingegen hatten mit der letzten Aktion des Spiels noch einmal mehr Glück: Bei einem Konter steuerten Toksöz und der eingewechselte Jan Lüneburg auf du Preez zu. Toksöz guckte den Keeper aus, spielte nach rechts auf den mitgelaufenen Lüneburg und der drückte die Kugel aus kurzer Distanz zum 3:0-Endstand für „EN“ über die Linie.   

Algan: „Ich ärgere mich über die Chancen, die wir nicht zu einem Ende gebracht haben“

AFC-Keeper Joshua du Preez parierte einen von Jan-Philipp Rose geschossenen Foulelfmeter. Foto: KBS-Picture

„Wir sind froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Es ist – glaube ich – das dritte Spiel hintereinander, wo wir eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt haben, mit der wir ein Spiel entscheiden“, bilanzierte Norderstedts Coach Dirk Heyne nach der Begegnung, musste aber auch auch zugeben, dass die Leistung seiner Elf vor dem Seitenwechsel nicht unbedingt das Beste war. „Ich denke, dass die Situation, in der wir jetzt sind, nicht gewohnt ist für die Mannschaft. Wir sind noch nicht so weit, dass wir von Anfang an dominieren können, wir müssen uns in unser Spiel reinknien. Wenn dann jeder sein Quäntchen Selbstvertrauen im Laufe des Spiels getankt hat, kommen auch die Punkte zustande. Es ist einfach ein Prozess, den die Mannschaft jetzt durchmacht: Sie braucht ihre Anlaufzeit, um dominant auftreten zu können“, erklärte Heyne, der allerdings auch im zweiten Durchgang Dinge erkannte, die es zu verbessern gilt: „Das Tor in der ersten Hälfte haben wir ganz toll herausgespielt, in der zweiten hätte sich fast gerächt, dass wir Möglichkeiten ausgelassen haben. Auf einmal kommt der erste Altonaer Lattenschuss von Altona. Da hätte es auch 1:1 stehen können. Da haben wir Glück gehabt. Am Ende sind wir allerdings hochzufrieden.“

Davon konnte bei Berkan Algan nicht unbedingt die Rede sein: „Es ist immer doof zu verlieren, das ändert sich auch nach einer eigentlich guten Leistung der Mannschaft nicht. Wir hätten früh 1:0 oder auch 2:0 führen können. Das sind wichtige Momente für uns, wenn man vorher verloren hat. Ab und zu musst du mal Glück haben oder es erzwingen, das ist uns nicht gelungen“, analysierte der AFC-Übungsleiter. Nach dem 0:1, so Altonas Coach weiter, „wurde das Spiel schwer. Norderstedt hat eine qualitativ gute Mannschaft, aber ich habe den Unterschied nicht so groß gesehen. Ich ärgere mich über die Chancen, die wir nicht zu einem Ende gebracht haben. Das ist der Grund, warum wir nicht gewonnen haben. Wir mussten einige Ausfälle kompensieren, das ist schwer, auch wenn es die Mannschaft gut gemacht hat. Es wäre schön gewesen, einen Punkt zu holen oder mit ein bisschen Fortune zu gewinnen. Jetzt blicken wir in die Zukunft. Viel Zeit zum Trauern haben wir ja auch nicht, weil wir am Mittwoch (gegen Eintracht Braunschweig II, Anm. d. Red.) schon wieder spielen.“

Jan Knötzsch   

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