12.08.2017

Schalitz schädelt Curslack zurück ins Glück

Kopfballtreffer in der 83. Minute zum 2:1-Sieg gegen Vicky

Marvin Schalitz traf nach 73 Minuten per Kopf zum Sieg für Curslack. Foto: KBS-Picture

Es gibt Tage, bei denen kann man einfach nicht anders, als sie in die Kategorie „gebraucht“ einzuordnen. Es gelingt einem wenig bis nichts und am Ende kommen auch noch Fehler hinzu. Oder wie es der ehemalige Borussia Dortmund-Stürmer Jürgen Wegmann einst formulierte: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu“. Einen solchen Tag erlebte der SC Victoria in seinem Gastspiel beim SV Curslack-Neuengamme, das die Mannschaft von der Hoheluft mit 1:2 verlor. Dabei hatte es für Vicky vor 173 Zuschauern am Gramkowweg doch erst gut ausgesehen. Doch dann kamen ein Abspiel-Albtraum und ein Flug ins Leere dazwischen...

Die Szene war wie gemalt. Sie hätte einfach nicht besser passen können. Gerade in dem Moment, als Torsten Henke in der Pressekonferenz über die 56. Minute des Spiels zwischen dem SV Curslack-Neuengamme und dem SC Victoria sprach, schlug Jean-Pierre Richter die Hande vors Gesicht. Nun, Richter wollte sein Antlitz freilich nur von den Regentropfen, denen der SCV-Trainer 90 Minuten lang unbeirrt ohne Kopfbedeckung getrotzt hatte, befreien – aber es war eben ein Bild, das sich von einer gewissen Symbolkraft nicht befreien konnte. Denn das, was Curslack-Coach Henke da als „Schlüsselszene des Spiels“ apostrophierte, war aus Richters Sicht wahrlich dafür qualifiziert, die Hände vors Gesicht zu schlagen und schlicht nicht mehr hinsehen zu wollen.

Aydin hat die Entscheidung auf dem Fuß und vergibt leichtfertig

Furkan Aydin hatte nach 56 Minuten das 2:0 für Vicky auf dem Fuß. Foto: KBS-Picture

Die Auflösung dessen, was sich elf Minuten nach dem Seitenwechsel abspielte? Aber bitte, gerne doch – folgt auf dem Fuße: Vickys Len Aike Strömer spielte einen feinen Pass auf Furkan Aydin, der im Anschluss daran seinen Gegenspieler aussteigen und stehen ließ und alleine aufs Tor des SVCN zulief. Nicht die schlechteste Voraussetzung, einen Treffer zu erzielen. Aydin aber hatte sogar noch eine zweite Option: Während er zentral durchgestartet war, war links sein Teamkollege Nick Scharkowski mitgelaufen. Aydin hätte den Treffer also selbst erzielen oder eben auf Scharkowsi abspielen können. Und genau das versuchte er: Aydin holte mit dem Fuß aus, spielte den Ball nach links. Das einzige Problem: Er tat dies mit so wenig Zielgenauigkeit und Kraft, dass die Kugel gar nicht erst bei Scharkowski ankam, sondern Sebastian Spiewak dazwischen gehen und klären konnte. Die große Gelegenheit zum 2:0 für den SCV – sie war binnen Sekunden verpfufft.

Doch nicht nur das. Nein, für den Club von der Hoheluft sollte es 180 Sekunden später sogar noch schlimmer kommen: Curslacks Collins Folarin kam rechts vom Vicky-Strafraum an den Ball, servierte selbigen halbhoch nach links. Dort wartete Adrian Sousa, den die Victoria-Defensive in diesem Moment einfach mal völlig allein hatte stehen lassen. Sousa nahm den Ball an, suchte sich die Ecke aus und vollendete den Angriff zum 1:1-Ausgleich, indem er SCV-Goalie Dennis Lohmann mit seinem Treffer links ins Netz überwand. Es war die erste und einige richtig gefährliche Szene Sousas, der ansonsten aber viel lief und arbeitete. „Aber so ist Adi: Er kriegt eine Chance und die nutzt er“, erklärte Marcel Boldt, Sousas Ex-Teamkollegge bei TuRa Harksheide, auf der Tribüne und auch Christian Woike, am kommenden Wochenende als Coach mit dem SC Condor Widersacher des SVCN, konstatierte: „Ein typischer Sousa-Treffer.“

Richter: „Wir haben die Partie durch Fehler aus der Hand gegeben“

Das ging schief: SCV-Trainer Jean-Pierre Richter war nach dem Spiel enttäuscht. Foto: KBS-Picture

Und der sollte sich – gepaart mit Furkan Aydins Abspiel-Albtraum – zum Anfang vom Ende für den SC Victoria entwickeln. Denn: „Damit waren wir wieder in der Partie und Vicky hat die Linie verloren“, konstatierte SVCN-Übungsleiter Torsten Henke nach dem Spiel treffend. Auf dem Kunstrasen am Gramkowweg sah das wie folgt aus: Nach 73 Minuten schritt Florian Rogge zum Eckstoß für Curslack und schlug den Ball vor den Kasten der Gäste. Dort gelang es Keeper Dennis Lohmann nicht, das Leder abzufangen. Stattdessen setzte er zu einem Flug ins Leere an, so dass Marvin Schalitz frei zum Kopfball kam. Und die Kugel saß: Mit seinem Treffer schädelte der „Abwehrhüne“ den SVCN nach dem frühen 0:1-Rückstand zur 2:1-Führung und damit endgültig zurück ins Glück. Anschließend hatte Vorlagengeber Rogge sogar noch zwei Mal die Möglichkeit, das 3:1 nachzulegen. Doch erst zielte er drüber (86.) und dann scheiterte er in der dritten Minute der „Overtime“ an Lohmann, der per Fuß abwehren konnte.

„Ich finde, dass wir sehr unglücklich und enttäuscht nach Hause fahren dürfen. Wir sind verdient in Führung gegangen und haben es verpasst, Anfang der zweiten Hälfte für die Entscheidung zu sorgen“, analysierte Vicky-Coach „Jonny“ Richter geknickt, „danach haben wir die Partie durch Fehler im Spiel gegen den Ball und der Ordnung aus der Hand gegeben. So wie beim 1:1, als wir trotz der Auswärtsführung einen Konter bekommen. Beim 1:2 passiert uns ein individueller Fehler. Daraus müssen wir für die Zukunft lernen. Die Mannschaft muss den Ansatz finden, genau dies im Training und im Spiel zu verbessern, damit wir im Spiel weniger Fehler machen und mit Punkten belohnt werden, statt zu verlieren.“ 

Henke: „Auch wenn der Sieg glücklich war, ist er unterm Strich verdient“

Und tschüss: Curslack-Coach Torsten Henke darf sich mit einem Sieg in den Urlaub verabschieden. Foto: KBS-Picture

Für seinen Widerpart Torsten Henke war es indes der perfekte Abschied. Nein, keine Angst: „Mr. Curslack“ hängt seinen Trainerjob aufgrund dieses Sieges nicht gleich an den Nagel, sondern verabschiedet sich zum Wochenstart vielmehr in den Mallorca-Urlaub. Und das mit bester Laune, wie er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel durchblicken ließ. 

Zwar konstatierte er, dass „Victoria für mich in der Anfangsphase die klar spielbestimmende Mannschaft war. Besonders in den ersten 20, 25 Minuten haben wir keinen richtigen Zugriff gehabt und lagen verdient mit 0:1 im Rückstand“, doch anschließend sei sein Team „im Spiel nach vorne besser geworden. Wir hatten ein, zwei Aktionen mit schnellen Gegenstößen. Nach der Halbzeit war für mich die Schlüsselszene, als Vicky durch Aydin allein in Richtung unseres Tores läuft und die Möglichkeit zum 2:0 hat. Wenn er das Tor macht, ist das Spiel entschieden“, so Henke. Der Ausgang ist bekannt – und so konnte „Henko“ resümieren: „Auch wenn der Sieg glücklich war, ist er unterm Strich aus meiner Sicht verdient.“

Jan Knötzsch


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