18.03.2017

Rahlstedter SC ver(m)andelt 0:2-Rückstand in Kantersieg!

Coach Busse: „Die Innenverteidiger hatten keine Eier mehr!"

Fluchtlichtspiel beim MSV Hamburg. Foto: Mathias Merk

Ein Blitztreffer, eine anbahnende Sensation, die massivst gekippt wurde, insgesamt acht Tore, eine Rote Karte und mit Moritz Mandel ein dreiffacher Torschütze, der sich in Zurückhaltung übte, da er sich zwar über seine Leistung freute, aber noch mehr „stolz auf die Mannschaft“ war. Dazu ein sichtlich bedienter MSV-Trainer Christian Busse, der sagte: „Meine Innenverteidiger hatten nach dem Anschlusstreffer keine Eier mehr, um in der Defensive aggressiv reinzugehen“, und bezeichnete die zweite Häfte der Partie, als „ein Trainingsspiel für Rahlstedt“. Dabei sah es lange Zeit eher danach aus, als würde sich der RSC seine erste Saisonniederlage einfangen...

MSV-Torhüter Leon Giese hielt mit einer guten Leistung lange seinen Kasten sauber. Foto: noveski.com

„Es ist immer schwer, sich gegen Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen, zu behaupten“, erklärte Alexander Schäfke, der den bisher ungeschlagenen RSC trainiert und mit seinen Mannen am Freitagabend in Mümmelmannsberg gastierte. Und sicherlich hatte er damit Recht, da nicht erst seit heute bekannt ist, dass Teams in prekären Tabellensituationen zusätzliche Kräfte entwickeln können, wenn sie ums Überleben kämpfen. Trotzdem war es dann doch äußerst überraschend, als das Spiel nicht einmal 60 Sekunden lang lief und die Hausherren, als absoluter Außenseiter, mit einem Blitztreffer durch Miguel Mark Akay, der zuvor mit einem Traumpass von Edward Adjepong Berchie in den Strafraum geschickt wurde, mit 1:0 in Führung gingen! Da das Spiel jedoch noch sehr jung war, sollte man die Sensation nicht allzu früh wittern. Allerdings sah es während des weiteren Verlaufs immer mehr danach aus, als wäre diese im Bereich des Möglichen. Denn nach diesem Gegentreffer „sind wir direkt erstmal hektisch geworden, was eigentlich völlig unnötig war, da wir eigentlich genügend Qualität besitzen“, beschrieb Schäfke die dann aufkommende Unruhe seiner Rahlstedter.

Tatsächlich wirkte der abstiegsbedrohte MSV Hamburg in den ersten 20 Minuten sehr viel abgeklärter und zeigte ein gutes Umschaltspiel, was dazu führte, dass sie die langen Bälle der Gäste in der Defensive immer wieder gekonnt abfingen und schnelle Konter setzten, was jedoch nicht in einem weiteren Treffer mündete - auch, weil Tobias Zimmer nach einer knappen Viertelstunde aus sehr kurzer Distanz am Gehäuse vorbeischoss. Doch dann zeigte die Schäfke-Elf, dass sie durchaus in der Lage ist, mehr Ruhe in ihr Spiel zu bringen und fing an, sich immer häufiger im Strafraum der Gastgeber zu zeigen, was meistens über den sehr stark aufspielenden Louis Mandel ging, der die gegnerischen Defensivreihen immer mehr durcheinander wirbelte und die Bälle nach vorne exzellent verteilte. Dennoch sollte es zunächst nichts mit dem Ausgleich werden, da er entweder einen direkten Freistoß an das Lattenkreuz setzte, oder aber die Chancen durch eben diesen L. Mandel sowie seiner Teamkollegen Lukas Baake, Moritz Mandel und Hendrik Wolfgramm durch den sehr stark parierenden MSV-Keeper Leon Giese vereitelt wurden. Dessen Trainer Busse sagte über seinen Keeper nach dem Abpfiff: „Entgegen dem, was die Rahlstedter Fans gerufen haben, hat er heute bewiesen, dass er absolut kein Fliegenfänger ist und wir können ihm heute danken, dass er noch einige Tore verhindert hat.“ Denn auch deshalb ging sein Team nicht nur mit einer knappen und überraschenden Führung in die Pause, sondern bekam bald nach dem Seitenwechsel auch noch die Gelegenheit, den Zwischenstand zu erhöhen, was den Mümmelmannsbergern sogar prompt gelang.

„Es ist sowieso schwer, uns zu stoppen"

Doppelpacker Hendrik Wolfgramm. Foto: noveski.com

Nur fünf Zeigerumdrehungen nach Wiederanpfiff erhöhten die Gastgeber durch Serkan Sakarya tatsächlich auf 2:0, der in einem Strafraumgewühl am schnellsten schaltete und aus zwei Metern einschoss! Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass der Rahlstedter SC am 22. Spieltag seine erste Niederlage kassiert? Es sah ganz danach aus - was aber nach nur kurzer Zeit absolut relativiert wurde, weil schließlich die fußballerisch vernichtende Maschinerie des Tabellenführers anlief und in nur acht Minuten diese Begegnung komplett auf den Kopf stellte. Mehr noch: Sie drehten sogar das Spiel! Erst verkürzte M. Mandel nach Zuspiel von L. Mandel in der 53. Minute auf 1:2 aus Sicht der Gäste und dann glich Wolfgramm auch noch zum 2:2 aus (59.), was aber noch nicht genug zu sein schien, da kurz darauf abermals M. Mandel mit dem Kopf nach einer Ecke von L. Mandel zur 3:2-Führung für die Gäste traf (61.)! Die mitgereisten Auswärtsfans – die ihr Team während der Partie die meiste Zeit lautstark anfeuerten – flippten vor Freude schier aus und konnten sich nicht mehr halten. Vor allem, weil sie auch sahen, dass ihre Rahlstedter jetzt überhaupt nicht mehr zu stoppen waren. „Es ist sowieso schwer, uns zu stoppen“, sagte Schäfke mit einem kleinen Lächeln dazu, räumte aber auch ein: „Natürlich ist es dann für die Psyche der anderen Mannschaft nicht gut, wenn sie nach so einer Führung das dritte Tor kassieren.“ Bei diesem dritten Gegentreffer für den MSV sollte es aber nicht bleiben. Denn der Sturmlauf des Tabellenführers hatte zu diesem Zeitpunkt gerade erst begonnen und wurde mit einem weiteren Treffer belohnt: Wolfgramm machte es seinem Sturmpartner M. Mandel gleich und zeigte sich ebenfalls als Doppelpacker, als er zum 4:2 für sein Team aus sehr spitzem Winkel vollstreckte, nachdem er eine mustergültige Flanke in den Lauf von Ferris Pressel bekam (69.)!

„Die Höhe der Niederlage ist für uns absolut verdient!"

Mit seinen drei Treffern und einem Assist hatte Moritz Mandel großen Anteil am Kantersieg seines Teams. Foto: noveski.com

Und als sei der MSV mittlerweile nicht genug bestraft, schwächte Edmung Agyemang Berkoh mit einer Emotionalität seine Mannschaft zusätzlich, als er wegen einer üblen Beleidigung mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen wurde (83.). Schiedsrichter Jörn Ole Sendel hatte keine andere Wahl, als den Heißsporn unter die Dusche zu schicken, nachdem er eine ausführliche Rücksprache mit seinem Assistenten führte. „Das ist eine Disziplinlosigkeit und darf nicht passieren. Ich kann der Entscheidung des Schiedsrichters nur zustimmen“, äußerste sich Busse zur Tat seines Akteurs.

Das Spiel neigte sich nun langsam dem Ende entgegen, aber für den mittlerweile nicht mehr aufzuhaltenden Primus der Bezirksliga Ost war erst Schluss, als der Unparteiische abpfiff. Die Schäfke-Schützlinge machten weiter Volldampf und markierten in der vorletzten Minute der regulären Spielzeit einen weiteren Treffer. Abermals durch den starken M. Mandel, der sich den Ball im Mittelfeld erlief, einige Meter machte, frei auf Schlussmann Giese zurannte und sich dabei die Ecke aussuchte, in die er dann zum 5:2 für Rahlstedt einschoss! Doch wer nun dachte, dass es so langsam mal ein Ende der Rahlstedter Show nehmen sollte, der irrte. Denn in der Nachspielzeit setzte es zum Abschluss noch eine Bude obendrauf. Zum 2:6 aus Sicht des arg gebeutelten Gastgebers belohnte sich, mit der letzten Aktion vor dem Abpfiff, dann L. Mandel für seine Leistung, der in dieser Aktion von M. Mandel mit einem schönen Pass in die Nahtstelle geschickt wurde und Fänger Giese keine Chance ließ (90.+3)! Während die Akteure beider Teams auf dem Feld standen und sich fairerweise die Hände reichten, stand der sehr enttäuscht wirkende MSV-Trainer Busse in seiner Coachingzone, um das Spiel erstmal ein wenig zu verarbeiten. „Was wir in der ersten Halbzeit zeigten, war Kampf und Leidenschaft! Alles danach war nur noch ein Trainingsspiel für Rahlstedt, weshalb die Niederlage auch in dieser Höhe absolut verdient ist“, und analysierte weiter: „Nach dem Anschlusstreffer ließen die zwei Innenverteidiger ihre Köpfe hängen und hatten dann nicht mehr die Eier in der Hose, agressiv reinzugehen und das darf man gegen Rahlstedt einfach nicht machen, weil man dann sofort bestraft wird.“

Einer der Hauptakteure für diese „Bestrafung“, Moritz Mandel, war nach diesem Sieg seines Teams besonders gut gelaunt: „Ich freue mich natürlich über das, was ich heute geleistet habe, das ist ja ganz klar. Aber ich bin viel mehr stolz auf die ganze Mannschaft, weil wir uns trotz des Rückstandes gemeinsam wieder gefangen haben und ein gutes Spiel abliefern konnten.“ Rahlstedt-Trainer Schäfke verfolgt nun weiter den Wunsch, „ohne Niederlage Meister zu werden“, fügte jedoch an, dass „war heute zeitweise denkbar knapp“, sprach er und fuhr mit einem Kantersieg seines Teams nach Hause.

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Autor: Mathias Merk

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